Auftaktshow: TV-Entertainer Schmidt präsentiert sich "erleuchtet"
zuletzt aktualisiert: 18.08.2005 - 09:47Köln (rpo). Harald Schmidt ist wieder da - mit einer ganz eigenen Definition des XX. Weltjugendtages in Köln. Das sei, so verriet der TV-Entertainer am Donnerstag kurz nach Mitternacht in der ARD, ein "Get Together von Fundamentaltheologie und Spaßgesellschaft".
Immerhin hat Schmidt eigens für das katholische Glaubenstreffen seine Sommerpause verkürzt - und zeigte sich selbst zur Geisterstunde glänzend aufgelegt.
Das bekam zum Auftakt der Show besonders der Kölner Erzbischof Kardinal Joachim Meisner zu spüren. Genüsslich zitierte Schmidt den Kölner Oberhirten, nicht zuletzt mit dem "Nun lasst mal gut sein", mit dem Meisner die begeisterten Jugendlichen beim Kölner Eröffnungsgottesdienst bremsen wollte.
Über 405 000 junge Christen sind in der Stadt. Da wolle er nicht abseits stehen, wenn Köln die "Welthauptstadt des Glaubens" wird, beteuerte Schmidt. Deshalb wurde 14 Pilgern aus El Salvador in zwei VIP-Garderoben in Schmidts Studio Obdach geboten - streng nach Geschlechtern getrennt, was der Gastgeber nicht ohne ein gewisses Bedauern registrierte.
Der selbst ernannte "Basiskatholik" Schmidt nutzte die Gelegenheit und gab ein Zitat von CSU-Chef Edmund Stoiber in leicht abgewandelter Form zum Besten: "Es kann nicht sein, dass die Frustrierten in Rom entscheiden, was in deutschen Schlafzimmern passiert." Dabei ist die umstrittene katholische Sexualmoral für Schmidt längst geklärt: "Verhütung ist erstens verboten und zweitens Frauensache."
Ausführlich dokumentierte ein Kamerateam die Ankunft der 14 Pilger, die verständlicherweise nicht recht wussten, wie ihnen geschah. Im Stile von Doku-Soaps wurden immer wieder Schmidt und sein Stammpersonal eingeblendet, die die Bilder kommentierten. So erschien ihm Harald Schmidt seit dem Weltjugendtag "wie erleuchtetet", beteuerte Adlatus Manuel Andrack, der in der Sendung ansonsten recht wenig zu Wort kam.
Stattdessen war der Hausherr bei der Einweisung der jungen Pilger zu bewundern. Die praktisch leeren Garderoben als Nachtlager waren schnell erklärt: "Wir haben in Deutschland keine Betten - aus Solidarität mit den neuen Bundesländern", verriet Schmidt seinen verdutzten Gäste.
Darüber hinaus wurde Schmidts Muse Nathalie Licard zur Pilger-Betreuung angestellt, wobei diese außer einem freundlichen "Ola" keine weiteren Kenntnisse in Spanisch vorzuweisen hatte.
Trotz seiner Verehrung für den Papst würden die Sendungen so frech und zynisch wie gewohnt, hatte die Produktionsfirma versprochen - und Wort gehalten. Am Donnerstagnachmittag darf Harald Schmidt dafür dem Papst ganz nah sein, als Passagier auf dem Begleitschiff von Benedikt XVI. auf seinem Weg nach Köln.
Nun wartet die ARD, ob die Zuschauer auch die zweite Hälfte der Schmidt-Shows schätzen. Rund 1,66 Millionen Zuschauer (Marktanteil 10,9 Prozent) sahen laut ARD im Durchschnitt die 38 Shows vom 19. Januar bis zum 23. Juni. 32 Ausgaben sind nach Angaben eines ARD-Sprechers bis Ende des Jahres noch geplant.
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