"14 Tote sind zuviel": TV-Kommissare: "Tatort" ist zu brutal
zuletzt aktualisiert: 05.04.2004 - 09:23Berlin (rpo). Nach Medienexperten und Politikern kritisieren nun auch TV-Kommissare die Brutalität im ARD-Klassiker "Tatort". 14 Tote seien zu viel, sagte Horst Tappert. Als "Derrick" hätte er damals so etwas nicht mitgemacht.
Der ARD-Krimi "Abschaum" entfacht die Diskussion um den Jugendschutz im Fernsehen neu. Nach Politikern und TV-Kommissaren forderten am Montag auch Privatsender schärfere Kontrollen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. In der "Tatort"-Produktion von Radio Bremen über satanischen Kindesmissbrauch waren am Sonntag 14 Menschen auf teils brutale Weise ums Leben gekommen.
Beim Jugendschutz werde "ganz klar" mit zweierlei Maß gemessen, sagte Annette Kümmel, Leiterin Medienpolitik bei ProSiebenSat.1. Sie sprach sich ebenso wie Thorsten Grothe von RTL für eine Eingliederung von ARD und ZDF in die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) aus. ARD-"Tatort"-Koordinator Gebhard Henke und ZDF-Sprecher Walter Kehr betonten dagegen, die Öffentlich-Rechtlichen hätten mit den Fernsehräten bereits eine gut funktionierende Kontrollinstanz.
Gewalt sei dem Krimigenre inhärent und der "Tatort" mit diesem Thema immer sehr bewusst umgegangen, sagte Henke. Außerdem habe die Reihe nicht nur eine unterhaltsame sondern auch eine gesellschaftlich-kritische Funktion. Der Jugendschutz werde von der ARD aber sehr ernst genommen, betonte er. Die Stoffe würden "sehr sorgsam" entwickelt und "vielen Gremien" zur Bewertung vorgelegt.
Kein Handlungsbedarf
Auch ZDF-Sprecher Kehr sieht beim Thema Jugenschutz keinen Handlungsbedarf. Der Fernsehrat sei ein unabhängiges Gremium, in dem regelmäßig über Jugendschutz gesprochen werde, sagte er. Außerdem berichte diesem der ständige Jugendschutzbeauftragte.
Der Leiter der RTL-Medienpolitik, Grothe, sagte dagegen, beim Jugendschutz im Fernsehen werde "mit unterschiedlichem Maß gemessen". Es sei ein Unterschied, ob ein Programm von einem "internen Gremien" wie dem Fernsehrat geprüft werde oder von einer "externen Kontrollinstanz" wie der FSF, sagte er. Gleichzeitig forderte Grothe, auch ARD und ZDF unter das Dach der FSF zu stellen.
Die FSF sei durch die Kommission für Jugendmedienschutz zertifiziert und biete eine Qualifikation, "die auch ARD und ZDF gut tun würde", sagte auch Kümmel. In der jüngsten Zeit gebe es im öffentlich-rechtlichen Fernsehen Filme, die so bei den Privaten sicher nicht gezeigt worden wären.
Tappert und Liefers sind entsetzt
Der Vizechef des Bundestagsausschusses für Kultur und Medien, Peter Gauweiler (CSU) und Bernd Neumann (CDU), Mitglied im Rundfunkrat von Radio Bremen, hatten sich bereits am Wochenende für eine einheitliche Kontrolle beim Jugendschutz im Fernsehen ausgesprochen. Neumann konstatierte einen schleichenden Prozess der zunehmenden Gewaltdarstellung, der beim "Tatort" deutlich werde.
Auch Jan Josef Liefers (Gerichtmediziner Boerne im WDR-"Tatort") meinte: "Auf diesem Sendeplatz hat so blutrünstiges, brutales Zeug allgemein nichts zu suchen." Und Horst Tappert ("Derrick") befand, 14 Tote seien zu viel. In seiner Zeit als Derrick hätte er "so etwas" nicht mitgemacht. "Ein Mord soll doch eigentlich nur der Auslöser für polizeiliche Ermittlungen im Fernsehkrimi sein."
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