Abschluss bis Ende Oktober möglich: TV-Poker um Bundesliga-Rechte
zuletzt aktualisiert: 23.10.2003 - 14:24München (rpo). Im Poker um die Pay-TV-Rechte an der Fußball-Bundesliga ist offenbar eine baldige Einigung in Sichtweite. Hickhack gab es zwischen der Liga und Premiere, die sich in den vergangenen Wochen lautstark über die Bedingungen gestritten hatten.
Zwar hatten sich die Deutsche Fußball Liga (DFL) und der Abo-Kanal Premiere in den vergangenen Wochen noch öffentlich über die Konditionen einer Vertragsverlängerung gestritten, intensive Verhandlungen zwischen Sender, DFL und der Rechte-Agentur Infront haben aber eine deutliche Annährung ergeben. "Es waren konstruktive Gespräche in guter Atmosphäre", meinte ein Premiere-Sprecher mit Blick auf den Verhandlungstourismus, der in den vergangenen Tagen auf allen Seiten geblüht hatte.
"Ich bin zuversichtlich, dass wir einen guten Vertrag im Pay-TV bekommen werden", erklärte Liga-Präsident Werner Hackmann, der noch unlängst massive Drohungen in Richtung Premiere und Infront ausgesprochen hatte, wollte aber auf Details nicht eingehen. Bis zum 31. Oktober kann Premiere seine Option auf zwei weitere Spielzeiten bis 2006 ziehen, für zunächst 150 Millionen Euro und dann 155 Millionen Euro jährlich. Insider gehen davon aus, dass dies auch geschehen wird. Schließlich will der Sender, der jetzt bereits mit 145 Millionen Euro pro Saison Hauptfinanzier der deutschen Profi-Kicker ist, im anlaufenden Weihnachtsgeschäft so nahe wie möglich an die Zahl von drei Millionen Abonenten herankommen.
"Wir erwarten natürlich ein Entgegenkommen, aber wir sind auch bereit uns zu bewegen. Wir wollen eine langfristige Partnerschaft, da muss man zwischendurch auch einmal ein Auge zudrücken", hatte Premiere-Geschäfsführer Georg Kofler zuletzt gegenüber der Wochenzeitung Die Zeit Kompromissbereitschaft signalisiert, aber seine Forderung noch einmal unterstrichen: "Wir hoffen, dass wir in Zukunft mehr exklusive Rechte an der Liga haben."
Aber wie soll dieses Plus an Exklusivität aussehen? Um zu einer gemeinsamen Lösung zu kommen, gab es zuletzt zahlreiche vertrauliche Unterredungen. Nicht nur DFL-Geschäftsführer Wilfried Straub reiste zum Premiere-Stammsitz in Unterföhring bei München, auch die Infront-Bosse Oscar Frei und Stephan Herth waren in Sachen Fußball-Bundesliga unterwegs.
Insgesamt kommen wohl drei Modelle in Frage, um dem Pay-TV-Kanal, der im laufenden Quartal erstmals schwarze Zahlen im operativen Geschäft verkünden konnte, entgegenzukommen. Dabei gilt allerdings die Idee, Premiere zum Namenssponsor der Liga zu machen, auf Grund des zu erwartenden Widerstands der übrigen Bundesliga-Sender als kaum realisierbar. Bliebe noch der Vorschlag, einige Spiele auf den Samstag- oder Freitagabend zu verlegen, um sie exklusiv im Bezahlfernsehen zu präsentieren. Und außerdem könnte Infront mit einem Abschluss in Sachen WM 2006 zu attraktiven Konditionen locken.
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