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Verlagsgruppe Holtzbrinck: Verkauf der "Berliner Zeitung" fast perfekt

zuletzt aktualisiert: 18.10.2005 - 10:37

Berlin (rpo). Die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck ist weiter entschlossen, die "Berliner Zeitung" an eine britische Investorengruppe zu verkaufen. Die Verhandlungen könnten in 14 Tagen abgeschlossen sein, erklärte der Zeitungs-Geschäftsführer Michael Grabner.

Grabner sagte bei einer Betriebsversammlung des Berliner Verlags am Montagabend, Holtzbrinck stehe bei den Kaufinteressenten im Wort, so lange die Investorengruppe die bei Verhandlungsbeginn gemachten Versprechungen zu halten bereit sei. Die Investoren, die Beteiligungsgesellschaft 3i, die britische Mediengruppe Mecom und die amerikanische Finanzgruppe Veronis Suhler Stevenson müssten "nur noch wenige Bedingungen" erfüllen, bis dieser Zustand erreicht sei.

Die Verhandlungen könnten noch zehn bis 14 Tage dauern, erklärte Grabner nach Informationen der Nachrichtenagentur ddp. Welche Bedingungen die britischen Investoren unter der Führung des Zeitungssanierers David Montgomery in Stuttgart eingegangen sind, wollte Grabner nach Angaben von Sitzungsteilnehmern auch auf mehrfache Anfragen nicht erläutern.

Holtzbrinck-Chef Grabner war nach Berlin gekommen, nachdem seine Verkaufspläne auf erheblichen Widerstand bei der Belegschaft gestoßen waren, nicht zuletzt von Seiten des Chefredakteurs der "Berliner Zeitung", Uwe Vorkötter. Dieser hatte sich in der Montagausgabe der Zeitung in einem dramatischen Appell gegen den Verkauf an das britische Konsortium ausgesprochen. Der Kopf der Investorengruppe, der frühere "News of the World"-Chefredakteur David Montgomery, verstehe nichts von der deutschen Presselandschaft und gehe von falschen Voraussetzungen aus. Die Renditeerwartungen der Investoren seien nicht zu erfüllen, wenn man die "Berliner Zeitung" als seriöse Hauptstadtzeitung erhalten wolle.

Grabner verteidigte gegenüber der Belegschaft des Berliner Verlages die Entscheidung, mit den Briten in Vertragsverhandlungen zu treten. Anders als es erscheine, habe es für Holtzbrinck im Sommer keine Alternative zu Verhandlungen mit der Montgomery-Gruppe gegeben. Vom Kölner DuMont-Verlag oder der norwegischen Orkla Media habe es zwar seit Monaten Interesse gegeben, aber keine konkreten Übernahmeangebote.

In einer von zum Teil scharfen Angriffen auf den Holtzbrinck-Verlag gekennzeichneten Belegschaftsversammlung sah sich Grabner mit dem Vorwurf konfrontiert, der Stuttgarter Verlag versuche den Berliner Verlag zu zerstören, um den ebenfalls bei Holtzbrinck beheimateten, aber defizitären "Tagesspiegel" zu retten. Grabner wies dies zurück. Auch der "Tagesspiegel" könne nur dann wachsen, wenn es gute Mitbewerber am Markt gebe. Die britischen Investoren hätten ihm versichert, dass sie die "Berliner Zeitung" als Qualitätszeitung weiterführen wollten.

Grabner erklärte weiter, die Renditeerwartungen der Briten seien nicht durch Einschnitte beim Berliner Verlag, sondern durch Wachstum zu erreichen. Ziel der Investoren sei es unter anderem, weitere Zeitungen in Deutschland hinzuzukaufen. So werde etwa an die Übernahme der in Koblenz erscheinenden "Rhein-Zeitung" gedacht.

Die Verlagsgruppe Holtzbrinck hatte den Berliner Verlag vor drei Jahren vom Verlag Gruner + Jahr gekauft. Die Übernahme war aber am Widerstand des Kartellamts gescheitert. Seit mehr als einem Jahr klagt Holtzbrinck gegen die Entscheidung, sucht aber gleichzeitig, einen Käufer für den "Tagesspiegel" oder die "Berliner Zeitung" zu finden. Im Berliner Verlag erscheinen neben der renommierten Tageszeitung das Boulevardblatt "Berliner Kurier" und die Programmzeitschrift "Tip".

Quelle: afp

 
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