Fernsehen: Veronica Ferres in der Kälte
VON GUIDO DIESING - zuletzt aktualisiert: 09.03.2007 - 15:29Düsseldorf (RP). Eine Landschaft in Kältestarre, Boote unter Schnee und Eis, selbst die Rotorblätter der Windkraftanlagen stehen still. Das Meer ist gefroren, und nur Eisbrecher können das Wasser für kurze Zeit in träge Bewegung versetzen. Scheinbar leblos liegt das abgelegene Provinzdorf an der Ostseeküste.
Im Gegensatz zu dieser eingefrorenen Stille gerät das Leben der Dorfpolizistin Lena Jörning (Veronica Ferres) plötzlich in Bewegung. Gerade hat ihr Lebensgefährte Bruno (August Schmölzer) ihr nach zwölf gemeinsamen Jahren einen Heiratsantrag gemacht, als in der Ostsee, nicht weit vom Ufer entfernt, eine Frauenleiche im Eis gefunden wird. Die Bergung des Körpers hält für Lena einen Schock bereit: Die Tote ist nicht nur die erste Leiche in ihrer Laufbahn, sondern zugleich ihre jüngere Schwester Evelyn (Janna Striebeck), zu der sie viele Jahre keinen Kontakt hatte. Bis Evelyn vor einigen Monaten in ihr Heimatdorf zurückgekehrt war.
Da alles auf einen Mord hindeutet, reist ein Ermittlerduo der Kripo aus der Stadt an und macht Lena mit herablassenden und besserwisserischen Kommentaren das Leben zusätzlich schwer. Die Suche nach dem Täter zwingt die Polizistin nicht nur zur Auseinandersetzung mit ihrer Vergangenheit, sondern sie stellt auch die Gegenwart in Frage. Viele im Ort scheinen etwas zu verbergen zu haben. Auch Bruno, dessen Heiratsantrag plötzlich in anderem Licht erscheint. Als mit Evelyns Ehemann Claas (Martin Feifel), den Lena nie zuvor gesehen hat, ein weiterer undurchschaubarer Beteiligter auftaucht, nehmen die Ermittlungen an Fahrt auf.
Um eine verlässlich frostige Kulisse zur Verfügung zu haben, wurde im finnischen Oulu gedreht. Bei bis zu minus 35 Grad. „Es ging bis zur Schmerzgrenze und manchmal darüber hinaus“, erinnert sich Veronica Ferres fröstelnd. „Allerdings gibt mir das Drehen immer eine besondere Energie, mit der ich Momente aushalten kann, die ich im normalen Leben nicht annähernd so lange ertragen könnte.“
Die Rolle der Lena war für sie „eine riesige Herausforderung und eine der schönsten Arbeiten in meiner Laufbahn“. Die Erwartungen, die eine solche Aussage weckt, kann der Film jedoch nicht erfüllen. Im Wettstreit mit der äußeren Kälte der Landschaft gelingt es nicht überzeugend, den Zuschauer für die Leidenschaften der Figuren zu erwärmen, die den Hintergrund des Mordes darstellen.
Dazu kommen kleine Ärgernisse. Dass ein finnischer Ort nicht zur Darstellung eines Ostseedorfs taugt - geschenkt. Aber dass der von Detlev Buck dargestellte überhebliche Kommissar und noch mehr seine Assistentin (Konstanze Breitebner) so überzeichnet sind, dass man sie kaum für voll nehmen kann, ist schon ein Manko. „Vom Ende der Eiszeit“ ist nicht misslungen, hat einige große Bilder und starke Szenen zu bieten. Gemessen an der Dramatik und den existenziellen Fragen, die der Film aufwirft, lässt er einen jedoch über weite Strecken buchstäblich kalt - das aber sehr eindrücklich.
Vom Ende der Eiszeit, Arte, heute, 20.40 Uhr und am 21. März, ARD, 20.15 Uhr
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