"Kuttners Kleinanzeigen": Viel Selbstdarstellung, wenig Inhalt
VON BRITTA KRAUSS - zuletzt aktualisiert: 07.07.2008 - 17:02Düsseldorf (RPO). Das Konzept ist gut, die Umsetzung schlecht. Am sehr späten Sonntagabend hatte Sarah Kuttners neue Sendung "Kuttners Kleinanzeigen" Premiere. Was vielversprechend begann, scheiterte an der uneinfühlsamen Moderatorin, die weder der Besitzerin von drei verloren gegangenen Eseln, noch den Prostituierten in einem zum Verkauf stehenden Bordell gerecht werden konnte.
Kuttner ist also wieder da. Das "endlich" kann man sich sparen. Weg von Viva und MTV und rein ins Öffentlich-Rechtliche. Nach zwei Jahren Funkstille wohlgemerkt. Und jetzt heißt es ran an die Kleinanzeigen. Denn darum geht's in Sarahs neuer Show auf dem eher undankbaren Sendeplatz um 23.30 Uhr: Kleinanzeigen und ihre Geschichte dahinter.
Das Konzept hat Potential - die Moderatorin eher weniger; zumindest nicht, was das neue ARD-Format angeht. Kuttner mag ihre Qualitäten haben, aber im Dialog mit dem deutschen Durchschnittsbürger liegen die nicht. Der 29-Jährigen mangelte es an Einfühlungsvermögen und dem Mut, die Geschichten ohne falsch platzierten Humor wirken zu lassen.
Bordell zum Verkauf
Beginnen wir mit einem anschaulichen Beispiel, der Kleinanzeige Nr. zwei (von vier): In Saarbrücken steht ein Bordell zum Verkauf. Inklusive Prostituierte, 14 an der Zahl. Deutschlandweit hat es "einen guten Namen", wie die kolumbianische Chefin betont. Sie will jetzt zurück in ihre Heimat, zu ihrer Familie, einer "Familie aus Politikern".
Heiratspläne hat die attraktive Dame mit der schwarzen Brille, und eines weiß sie ganz genau: Dass sie "das alles" in Saarbrücken vergessen will. Das macht neugierig. Doch was macht Kuttner? Lächelt lustig-locker, geht nicht drauf ein sondern lieber nach Hause. Schließlich hat sie ja schon ihr Pflichtprogramm absolviert: den Rundgang durch die Immobilie mitsamt weiblicher "Einrichtung". Und Kuttner ist da ungefähr so fehl am Platz wie eine Kuh im Wohnzimmer.
Kaum eine der Frauen lässt sich ein paar Fragen stellen, einzelne nehmen gleich Reißaus. Nur mit einer darf sie sich kurz unterhalten. Frage: "Hier klingelt es ständig, ihr habt richtig viele Kunden, oder?". Im Hintergrund Kuttner, im Vordergrund das fast nackte Hinterteil im Stringtanga. "Und was habt ihr hier so rumliegen?" fragt Kuttner neckisch. "Kondome, Gleitgel - super, wie bei mir!" Haha. Sie ist die Einzige, die lacht.
"Ihr wascht euch aber auch immer schön nach jedem Kunden?", stellt Kuttner flachsend sicher. Und weiter geht es mit dem unangebrachten Humor. "Aha. Stringtangas zum Trocknen an der Heizung aufgehängt. Sollte ich auch mal machen." Guter Journalismus sieht anders aus. Und vor allem: Er versucht, die Protagonisten zu verstehen, etwas zu erfahren - und nicht, sie lächerlich zu machen.
Keine Fragen, keine Antworten
Ähnlich lief es bei den drei weiteren Kleinanzeigen ab. Da gab es die drei bei Nürnberg verloren gegangenen Esel Lola, Sina und Vera, nach denen per Anzeige gesucht wurde, einen Siebzehnjährigen, der den heimischen Hausstand gegen Kaffee zu verschachern suchte, und eine Dame, die die kleinste Bibel der Welt an den Mann (oder die Frau) bringen wollte.
Sowohl bei den Eseln als auch bei den Teenagern: Kuttner konnte es einfach nicht. Weder stellte sie die richtigen Fragen, noch entlockte sie den Menschen etwas, was sie dem Zuschauer hätte näherbringen können. Auch am Ende der Sendung schienen sie noch eindimensional und blass. Und so fehlte am Schluss das, was Mittelpunkt der Sendung hätte sein sollen: der versprochene Hintergrund zu den skurillen Kleinanzeigen. Was blieb: der Eindruck einer völlig deplatzierten Sarah Kuttner.
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