Neue ZDF-Serie: Visite mit "Doktor Martin"
VON GUIDO DIESING - zuletzt aktualisiert: 25.07.2007Düsseldorf (RP). Der Berliner Chirurg Martin Helling kann kein Blut mehr sehen. Deshalb geht der humorlose Großstädter als Landarzt in ein ostfriesisches Fischerdorf. Axel Milberg spielt die Hauptrolle in der neuen ZDF-Serie.
Das Zwischenmenschliche ist nicht gerade seine Stärke. Martin Hellings Qualitäten liegen auf fachlichem Gebiet. Wobei es eher „lagen“ heißen müsste, denn nach einer traumatischen Erfahrung kann der erfolgreiche Berliner Chirurg kein Blut mehr sehen. Er sattelt um und geht als Allgemeinmediziner ins verschlafene Dorf Neuharlingersiel an der ostfriesischen Küste.
Wo das Ruhrgebiet Urlaub macht
Ein neuer Landarzt im ZDF? Durchaus, aber einer, wie es ihn im deutschen Fernsehen bisher noch nicht gab. Gerade das, was die Dorfbewohner von ihm erwarten, nämlich Verständnis, Wärme und Zuspruch, geht dem Arzt völlig ab. Stattdessen stößt er sie mit seiner hölzernen und unsensiblen Art wieder und wieder vor den Kopf.
Dass Helling (Axel Milberg) und die Dorfbewohner nicht zusammenpassen, ist vom ersten Augenblick an klar. Dass er die ungeliebte neue Stellung dennoch nicht sofort wieder aufgibt, liegt an zwei Frauen – seiner Tante Alma (Ellen Schwiers) und der Grundschullehrerin Thea Sonnabend (Ina Weisse). Für die empfindet er schon bald mehr als Sympathie, ist aber völlig unfähig, ihr dies auch zu zeigen. Nicht nur in den Szenen zwischen dem Doktor und der Lehrerin lebt die Serie von einem ungewöhnlich trockenen Humor, wie man ihn in einer ZDF-Familienserie kaum erwarten würde. Absurde Situationen, sehenswerte Typen und originelle Wendungen machen die zunächst sechs Teile zum kurzweiligen Vergnügen. Dafür ist die englische Fernsehserie „Doc Martin“ verantwortlich, die als Vorlage diente und sehr behutsam an ostfriesische Verhältnisse angepasst wurde.
Hauptdarsteller Axel Milberg bescherte sie eine ungewöhnliche Rolle, die ihm viel Freude machte: „Einen so ernsten und humorlosen Menschen zu spielen, ist mir nicht schwer gefallen. Ich habe es als Delikatesse empfunden, dass er über keinerlei Selbstironie verfügt. Schon ein kleines Augenzwinkern hätte die Wirkung kaputtgemacht. Nicht er soll lachen, sondern die Zuschauer.“
Bei den Dreharbeiten in Ostfriesland zeigten sich innerhalb des Ensembles kulturelle Unterschiede. Der gebürtige Kieler Axel Milberg, dem nichts Norddeutsches fremd ist, beschreibt den Drehort – nicht ohne Ironie – als sehr charmant: „Es war wirklich auszuhalten. Die Büroszenen drehten wir in einer Scheune, in der zuvor Kartoffeln nach ihrer Größe sortiert wurden und jetzt auch wieder werden.“
Die Münchnerin Ellen Schwiers hatte da schon mehr Probleme: „Für mich war das Ausland und total exotisch. Man hat mir gesagt, der Ort läge am Meer, doch immer wenn ich hingeschaut habe, war das Meer gar nicht da. Aber das ganze Ruhrgebiet macht da Urlaub, es muss also wohl etwas ungeheuer Reizvolles haben.“
Sollte sich die Urlaubsstimmung aufs Publikum übertragen, so wäre für ZDF-Redakteur Axel Laustroer ein wichtiges Ziel erreicht: „Wir wollen dem Zuschauer die Ferien nach Hause bringen. Deshalb senden wir in diesem Jahr kein typisches Sommerloch-Programm.“
Doktor Martin, ZDF, Mi., 20.15 Uhr
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