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Nachprüfbare Fakten statt sensationelle Bilder: Wachsende Kritik an Kriegsberichterstattung

zuletzt aktualisiert: 23.03.2003 - 18:18

Frankfurt/Main (rpo). Um die Berichterstattung über den Irak-Krieg ist am Wochenende eine heftige Diskussion entbrannt. Dabei gab es auch Vorwürfe in Richtung ARD und ZDF.

Der Medienpsychologe Jo Groebel mahnte zu einem vorsichtigen Umgang mit Bildern. Dem Zuschauer müsse klar gemacht werden, dass Journalisten vom ihnen zur Verfügung gestellen Material abhängig seien. ARD-Korrespondent Peter Puhlmann auf der US-Basis Doha in Katar beklagte, dass Journalisten dort systematisch von Informationen ausgeschlossen würden. Allerdings gab es auch Kritik an ARD und ZDF.

Der Hamburger Journalistik-Professor Siegfried Weischenberg warf den öffentlich rechtlichen Sendern in der "Bild am Sonntag" vor, zu viele Sendeplätze mit zu wenig Informationen zu besetzen. Das ermüde die Zuschauer. Der ehemalige Vorsitzende des Deutschen Journalistenverbandes (DJV) wies außerdem darauf hin, dass es aus Irak nur zensierte Filme gebe. Aber auch die Bilder von Journalisten bei US-Truppen würden vom Militär ausgewählt. Weischenberg riet dazu, möglichst viele Informationsquellen zu nutzen und sich nicht allein auf das Fernsehen zu verlassen.

Fakten statt Bilder

Dagegen rügte der niedersächsische DJV-Präsident Michael Konken vor allem die Berichterstattung vieler privater Fernsehsender. Namentlich kritisierte er RTL, wo sogar während Unterhaltungssendungen die Dauereinblendung "Krieg gegen Irak" als Werbung für die eigene Berichterstattung zu sehen gewesen sei. "Journalismus in Kriegszeiten ist nicht die Jagd nach dem sensationellsten Bild oder Nachricht, sondern die ausgewogene Übermittlung von nachprüfbaren Fakten", sagte Konken.

Medienpsychologe Groebel betonte die Macht der bewegten Bilder. Zuschauer unterstellten bei Fernsehbildern zunächst einmal "Echtheit und Authentizität", sagte er am Samstag im ZDF-Morgenmagazin. Entscheidend sei die Auswahl der Bilder. Die Macht eines einzelnen Bildes kann Groebels Auffassung nach zum Umschlagen der öffentlichen Meinung führen. Das hätten Vietnamkrieg oder Somalia gezeigt. Sollte das Bild des "klinischen Krieges" von Bildern des Schreckens und Bildern von Toten abgelöst werden, werde das die gesamte Meinung verändern, sagte der Medienpsychologe.

"Skandalöse Zustände"

"Skandalöse Zustände" beklagte ARD-Korrespondent Puhlmann im Pressezentrum auf der US-Basis in Doha. Journalisten, deren Länder nicht zur "Koalition der Willigen" gehörten, würden von Informationen systematisch ausgeschlossen. Das führe dann zu der grotesken Situation, dass Journalisten andere von den Streitkräften informierte Journalisten interviewten über einen Krieg, der ein paar Hundert Kilometer weit weg sei.

Das deutschsprachige Programm von Radio Irak International aus Bagdad ist seit Kriegsbeginn verstummt, wie die Internationale Medienhilfe (IMH) mitteilte. "Damit versiegt die einzige deutschsprachige Quelle für Nachrichten der irakischen Regierung", erklärte IMH-Leiter Björn Akstinat. Grund für die Sendepause des bislang auf Kurzwelle ausgestrahlten Programms seien Störsender und die Bombenangriffe.

CNN: "Das ist kein Reality-TV. Das ist Realität im Fernsehen"

Der Präsident von CNN International, Cramer, sagte in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Montagausgabe): "Wir vermitteln kein Hochglanzbild des Krieges. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand die letzten Tage vor dem Fernseher gesessen hat und nicht entsetzt ist über das, was er sieht. Das ist kein Reality-TV. Das ist Realität im Fernsehen." Derzeit berichteten rund 20 "eingebettete" CNN-Teams direkt von der Front und dem Vormarsch der US-Truppen, sagte er. Kritik, dass dies zu einer einseitigen, distanzlosen Berichterstattung führen könnte, wies er zurück. "Das ist echter, purer Journalismus, das ist Kriegsberichterstattung."


 
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