Bremer "Tatort": Wahnsinn, Mord und Wirklichkeit
zuletzt aktualisiert: 12.02.2012 - 12:07Hamburg (RPO). Es geht um Mord, aber auch um die Diskrepanz zwischen Wahn und Wirklichkeit im neuen Bremer "Tatort". Es geht diesmal eher weniger um die Kommissarin Inga Lürsen, gespielt von Sabine Postel - und das, obwohl es ihr Jubiläums-"Tatort" ist.
Warum lächelt einer, wenn er ermordet wird? Was war das überhaupt für ein Überfall in der Tankstelle nebenan? Alle rätseln. Doch eine weiß mehr - die Nachbarin Sylvia. Aber die ist hochgradig schizophren und sieht überall nur Mord und Verderben. Sollte am Ende gar sie die Täterin sein? Steht sie nicht sogleich am Anfang mit einer gezückten Pistole da?
In jedem Fall bahnt sich da ein kniffliges Problem für Inga Lürsen in ihrem 25. Bremer "Tatort" an: "Ordnung im Lot" heißt der Jubiläumskrimi, den die ARD an diesem Sonntag (12. Februar, 20.15 Uhr) zeigt.
Seit 1997 spielt Sabine Postel (57) diese Inga Lürsen, und sie schüttelt verwundert den blonden Kopf, wenn sie sich an den Start ihrer "Tatort"-Arbeit erinnert: "Ich hatte zuvor in "Nicht von schlechten Eltern" die Hauptrolle gespielt und drohte, vollends in die ewige Mutterschublade zu geraten. Flächendeckend bekam ich nur noch Gutmensch-Mütter angeboten."
Bis dann Radio Bremen mit dem Vorschlag der Kommissarin Lürsen kam, die zweite in der sonst maskulin dominierten "Tatort"-Landschaft. "Ulrike Folkerts war die andere und war gehalten, kerliger als jeder Kerl zu sein, um sich zwischen allen Männern zu behaupten", sagt Postel. Anders die Lürsen: "Die wurde nun betont weiblich angelegt, eine Frau mit Intuition und Einfühlungsgabe."
Etwas Ruppiges umwehte allerdings auch sie. Dafür sorgte schon ihre 68er-Vergangenheit, und als Mutter war sie für ihre allmählich erwachsen und zu ihrer Kollegin gewordenen Tochter eine Katastrophe.
Doch all diese privaten Momente rücken in ihrem jüngsten Fall stark in den Hintergrund, und nicht einmal der Dauer-gehütete Hund der Tochter taucht noch auf. Das Autorengespann Claudia Prietzel und Peter Henning, das sich auch die Regie teilte, legte den Fokus mehr auf die von Wahnbildern geschüttelte Silvia, gespielt von Mira Partecke. Und das wird dann zur eigentlichen Geschichte dieses "Tatort"-Falls: wie da eine Familie eine Art Schutzwall um die kranke Mutter zu bauen versucht und dieser Wall umso heftiger einbricht, als sich nun der Mordfall ereignet.
Beide kennen solche Fälle aus der Wirklichkeit. Auch Sabine Postel sind die scheinverrückten Manöver von einer kranken Freundin her vertraut. Sie beneidete die Kollegin Mira Partecke um diese Rolle nicht, so schauspielerisch verlockend sie sein mochte. Für ihre Darstellerin wurde sie aber zu einer nervenzerrenden Gewalttour.
"Wir mussten manchen Abend mit ihr essen gehen, um sie allmählich wieder zu beruhigen", sagt Claudia Prietzel. Im übrigen gelang dieser Film eher kammerspielhaft dezent, ohne große Aktion. Die verspricht Sabine Postel für den nächsten gerade abgedrehten "Tatort": "Dort wird es um eine Entführung gehen, während einer mit aller ländlichen Pracht gefeierten Hochzeit auf einem Bauernhof." Inga Lürsen will dort nur Gast unter Gästen sein. Aber das gelingt natürlich mal wieder nicht.
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