ARD-Mann habe "persönlichen Befindlichkeiten" lanciert: Waldi Hartmann soll "Denkpause" einlegen
zuletzt aktualisiert: 11.08.2004 - 14:26München (rpo). ARD-Sportreporter Waldemar (Waldi) Hartmann muss die Ersatzbank drücken. Nach "atmosphärischen Spannungen" sei eine "Denkpause" angebracht, sagte ARD-Sprecher Bernhard Möllmann.
Hinter den Kulissen der ARD brodelt es kräftig: Das Erste verordnete dem 56 Jahre alte Reporter des Bayerischen Rundfunks (BR) eine "Denkpause". Bis auf weiteres, ließ Programmdirektor Günter Struve wissen. Das Ende der Abseitsstellung ist aber offen. Der als Kultfigur geltende TV-Frontmann ist der vierte Sportjournalist des Ersten, der in den vergangenen Monaten öffentlich in die Kritik geraten ist.
ARD-Sportkoordinator Hagen Boßdorf werden umfangreiche Nebentätigkeiten für den Telekom-Konzern vorgeworfen. MDR-Sportchef Wilfried Mohren wird beschuldigt, zu Unrecht Geld- und Sachleistungen erhalten zu haben. Gegen den zurückgetretenen Sportchef des Hessischen Rundfunks, Jürgen Emig, ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts nicht gerechtfertigter Zahlungen von Veranstaltern als Gegenleistungen für die Berichterstattung im Fernsehen.
Hartmann nehmen die ARD-Verantwortlichen übel, dass er in jüngster Zeit über die Medien seine "persönlichen Befindlichkeiten" lanciert und sich über seine angebliche Demontage in der "Sportschau" beschwert hat. Hintergrund: Seit Saisonbeginn verzichtet die Sendung auf das Top-Spiel, deshalb entfällt die bisherige Moderation aus den Stadien, und der Einsatz der Reporter ist auf Interviews nach Spielschluss begrenzt.
"Allerlei atmosphärische Spannungen"
Programmdirektor Struve machte Hartmann zu Wochenbeginn deshalb deutlich, dass es "allerlei atmosphärische Spannungen" gibt, die erst aufgearbeitet werden müssen. Diese Probleme sollen im kollegialen Miteinander ausgeräumt werden, wie ARD-Sprecher Bernhard Möllmann der Nachrichtenagentur ddp in München sagte. "Das Tischtuch ist nicht zerschnitten", betonte er und wies damit Meldungen über eine Suspendierung des Moderators zurück.
Fest steht aber, dass Hartmann weder am Samstag auf dem Bildschirm erscheint noch als Interviewer am 18. August zum Länderspiel der Klinsmann-Elf gegen Österreich in Wien. Struves Wunsch sei es jedoch, die Zusammenarbeit mit dem Reporter im Ersten fortzusetzen, sagte der ARD-Sprecher. An Hartmanns Kompetenz gebe es "überhaupt keine Zweifel". Er sei ein "klasse Sportreporter, mit viel Sachverstand und sehr guten Kenntnissen".
Der Sportjournalist selbst will sich zu den Vorwürfen nicht äußern. "Ich habe mit Herrn Struve eine Vereinbarung getroffen, an die werde ich mich halten", sagte Hartmann, der in der Schweiz lebt, mehreren Zeitungen. In der kommenden Woche ist ein weiteres Krisengespräch geplant. In der Zwischenzeit wollen beide Seiten überlegen, wie künftig eine "vertrauensvolle Zusammenarbeit" möglich ist. ARD-Sprecher Möllmann wollte aber nicht bestätigen, dass für den TV-Mann die Bildschirm-Zwangspause in der "Sportschau" Mitte September zu Ende geht. "Das sind nur Spekulationen", betonte Möllmann. Doch die Fans von "Weißbier-Waldi" müssen nicht ganz auf ihren Mann verzichten. Der freie Mitarbeiter des Bayerischen Rundfunks moderiere "wie gewohnt" Sportsendungen im Dritten, versicherte eine Sprecherin des Senders in München.
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