"Herman & Tietjen" ohne Herman: War Reinhold Beckmann eine gute Eva Herman?
VON BARBARA MIA GROFE - zuletzt aktualisiert: 15.09.2007 - 10:30Düsseldorf (RPO). Nach dem Rauswurf von Eva Herman saß ihre Talk-Kollegin Bettina Tietjen plötzlich allein da. Doch zum Glück (?) gibt es ja Reinhold Beckmann. Der ist am Freitag in der Talksendung "Herman und Tietjens" für Herman eingesprungen. Ein guter Ersatz? Wir haben hingeschaut.
Die spannendsten Fragen dieser Sendung sind bereits um 22.03 Uhr, drei Minuten nach Sendebeginn, geklärt. Ja, der Schriftzug ist geändert, „Talk mit Tietjen“ steht da jetzt. Ja, Bettina Tietjen erwähnt den Rausschmiss von Ex-Kollegin Eva Herman, sie finde das Ganze sehr schade, man hätte doch sicher davon gehört, was passiert sei. Und ja, Reinhold Beckmann sitzt Tietjen gegenüber und ist sofort so schleimigunerträglich, wie es zu erwarten war. Alles, was danach kommt, dürfte vergleichsweise unspannend werden.
Vor fast einer Woche feuerte Eva Hermans Haussender NDR die Moderatorin, die mit Bettina Tietjen die Freitagabendshow „Herman und Tietjen“ moderiert hatte. Herman hatte sich äußerst zweifelhaft über die Familienpolitik der Nationalsozialisten geäußert – so zweifelhaft, dass sie für den NDR nicht mehr tragbar war.
In der Folge wurde gerätselt, wer die Nachfolge der Blondine antritt – gelöst ist das Rätsel noch immer nicht: Beckmann ist nur Aushilfsmoderator. „Ich bin Dein Praktikant“, sagt Beckmann, „Du kannst alles mit mir machen.“ Ob Beckmann besonders aufgeregt ist oder nicht, ist nicht zu erkennen. Schließlich hat er der Moderator einen Hang zum Plappern – in seiner eigenen Sendung versucht er, diesen Hang dann und wann hinter sensibelempathischen Zuhören zu verstecken. Funktioniert nur begrenzt.
Auch nicht an diesem Abend. Beckmann ist es nicht gewohnt, sich zurückzunehmen, sich in Unterhaltungen einer größeren Gruppe vorsichtig einzuklinken. Er will plaudern, hatte in dieser Woche gesagt, er hoffe auf einen „launigen Abend“, wünscht sich den letzten Lacher auf seiner Seite – und im nächsten Moment wieder den einfühlsamen Talker geben.
Wie Beckmann mit den Gästen umgeht, wirkt gekünstelt, angestrengt, unecht – selbst würde man ihm bestimmt nichts erzählen. Bei besonders heiklen Fragen lehnt er sich vor, bei lustig-jovialen Sprüchen hängt er bequem im Stuhl. All das hatte, um der Wahrheit die Ehre zu geben, Eva Herman besser drauf, die Gespräche wirkten selbstverständlicher. Und auch das Zusammenspiel mit Bettina Tietjen funktionierte, naturgemäß, besser – die beiden sind abseits der Arbeit Freundinnen. Medienberichten zufolge auch jetzt noch.
Einem Talk-Gast wie Schauspielerin Charlotte Schwab wäre zu wünschen gewesen, dass Bettina Tietjen das Gespräch führt – und nicht Reinhold Beckmann. Andersherum hätte Ingolf Lück auch gut und gerne mit dem Ersatzmoderator sprechen können. Kann sein, dass auch das nicht echt ist, dass sie einfach nur geschickter schauspielert: Bettina Tietjen nimmt man das Interesse am Gast wirklich ab, Reinhold Beckmann nicht. Wo Herman und Tietjen miteinander witzelten, die Bälle geschickt hin und her warfen, fehlt jetzt etwas, versucht Beckmann die Lücke, die entstanden ist, mit seinen Witzen zu füllen.
Dass Eva Hermans Äußerungen indiskutabel waren, ist klar. Dass der Sender darauf reagieren musste, ebenfalls. Wenn der NDR nun überlegt, wer an Hermans Stelle treten soll, will das gut überlegt sein. Jemand, der sich in der Sendung selbst darstellen und nicht dem Gast Raum geben will wie Reinhold Beckmann, ist völlig fehl am Platz. Auch, wenn er nur aushilfsweise dort ist.
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