Neue TV-Soap "Effenbergs Heimspiel": Warum quält sich der Tiger?
VON CHRISTIAN KURTH - zuletzt aktualisiert: 13.10.2008 - 09:12München (RPO). Stefan Effenberg ist ein mutiger Mann. Weder im Fußballer-Leben noch im gesellschaftlichen Dasein hat der "Tiger" je gekniffen. Er hat seine Frau sitzen lassen und hatte ein Affäre mit einer verheirateten Frau eines Fußballer-Kollegen, die er wiederum mit einer Nachbarin betrog und schließlich doch heiratete. Doch nun scheint er an seine Grenzen zu stoßen. "Effenbergs Heimspiel", die neue sechsteilige RTL-Doku-Soap, sollte sogar dem Mann mit dem Stinkefinger Angst machen.
Doch wie sich herausstellt, übersteht Effe auch diese Prüfung. Dem Zuschauer hilft indes nur eine allumfassende Schmerzfreiheit, um die rund 45 Minuten zu überstehen. Der Sinn der Sendung ergibt sich erst gar nicht, aber zumindest ein, zwei Handlungen sind erkennbar. Der frühere Bayern-Star gibt seine Heimat in Florida auf, zieht zurück nach Deutschland. In München sucht er mit Claudia (frühere Strunz) eine Villa.
Claudia Effenberg will vor allem eins: normal rüberkommen. Ihr gelingt vor allem eins nicht: dass sie normal rüberkommt. Daran ändert auch der Pseudo-Freundeskreis in ihrem Stamm-Restaurant "La Trattoria" nichts. Beherzt stellt sich die Inhaberin als Kronzeugin vor die Kamera und behauptet dreist: „Die Effenbergs sind wirklich so normal."
Beispiel: Sie steht vorm Spiegel und packt gefühlte 500 Milliliter Haarspray aufs kurze blonde Haupt. Ihr Kommentar: "Ich hasse Haarspray."
Anderes Beispiel: In den ersten zehn Sendeminuten lässt die Immer-Gutgelaunte keine Gelegenheit aus, ihre Liebe zum Kochen zu untermauern. „Ich koche immer", „Kochen ist das Beste", „in der Küche ist das Leben" „ich koche alles". Zumindest im letzten Fall lässt sie Taten folgen. Mittags zaubert sie sich in der Mikrowelle eine Curryking-Wurst.
Noch ein Beispiel: Claudia schaut sich mit dem früheren Fußball-Nationalspieler eine Villa an und bemerkt vor der Tür: „Mensch, das ist ja wie im Weißen Haus." O.k., die Tür hatte einen bräunlichen Ton, rechts konnte man klingeln, und die Straße war nicht allzu weit entfernt. Aber man ist ja tolerant, vor allem Stefan Effenberg.
Apropos, kurz vor dem Wahnsinnigwerden schlüpft der stets vollkommen genervte Stefan aus seiner Nebenrolle und frischt die Nichts-Nutz-Doku mit etwas Comedy auf. Als die Spülmaschine ausfällt und Claudia zwei Teller und zwei Gläser abspülen muss, sagt er kühn: „Du machst das toll."
Als Claudias Manager vergisst, für die Dame einen Leihwagen zu organisieren, bricht sie fast in Tränen aus. Effe bleibt cool, ruft einen seiner Manager an, der den Wagen besorgt, und sagt in Winnetou-Manier: „Musst nur den Effe fragen."
In einer anderen Villa (übrigens mit schusssicherem Glas) begutachtet das offenbar gar nicht so verliebte Paar den Keller. Die Maklerin zeigt dem Tiger die Bar mit eingebauter Zapfanlage: „Hier können Sie sich abends ein Bier zapfen." Effe genervt: „Da sitz ich nur noch hier."
Das sind Glanzlichter einer traurigen Veranstaltung, die damit endet, dass der Ex-Profi seine Sachen packt und vorerst nach Florida zurückfliegt. Eine Pause hat er sich redlich verdient. Allerdings wird sie nur eine Woche dauern. Vielleicht klärt sich ja dann die Frage, warum Effe bei diesem „Heimspiel" überhaupt aufläuft.
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