Prominenten-Turnen: Warum sich Promis im Fernsehen freiwillig blamieren
VON VERENA BRETZ - zuletzt aktualisiert: 21.09.2006 - 15:57Düsseldorf (RP). Giulia Siegel stakst in ihrem roten Dress ein Stück vor, wieder zurück, dann wackelt sie sich elegant in die Knie. Ihre Beine sind nur wenig dicker als der zehn Zentimeter schmale Schwebebalken, auf dem sie balanciert. Fragt man die Tochter des Schlagerproduzenten Ralph Siegel allerdings nach ihrem Beruf, antwortet sie wieder und wieder: „Model, DJane, Schauspielerin, Moderatorin“. Von Sport ist da keine Rede.
Dennoch ist die 31-Jährige beim „Großen Prominenten-Turnen“ im ZDF angetreten. Bereits am 1. September wurden die Verrenkungen und hilflosen Hüpfer von Giulia Siegel und anderen wie Sängerin Michelle, RTL-Moderator Markus Lanz, Ex-Zehnkämpfer Frank Busemann und Sänger Joey Kelly in Stuttgart aufgezeichnet. Am Donnerstagabend präsentierte Moderator Johannes B. Kerner die Ergebnisse.
„Die Sendung lebt wirklich nicht davon, dass wir uns lustig machen“, betont Kerner. Es gehe um gute Unterhaltung. Der deutsche Spitzenturner Fabian Hambüchen, der neben Giulia Siegel auch Frank Busemann auf die Show vorbereitet hat, deutet da schon eher an, worum es eigentlich geht: „Das sind halt Prominente, die nicht wirklich viel mit Turnen zu tun haben.“
Die Frage ist: Warum tun die sich das an? „Narzisstische Selbstdarstellung.“ Reinhold Görling, Professor für Medienkulturwissenschaft an der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität, muss gar nicht lange über die Antwort nachdenken. „Es gibt einfach Menschen, die das Bedürfnis haben, im Rampenlicht zu stehen“, sagt der 54-Jährige. „Egal, ob positiv oder negativ.“
Und die Fernsehsender nutzen das aus. Während die Kandidaten für ein bisschen Fanpost, ein Hochglanzfoto, bestenfalls sogar für einen neuen Job in aller Öffentlichkeit schwitzen, machen die Produzenten mit deren Peinlichkeiten Quote. Allen voran der Münchner Privatsender Pro 7.
Dort lässt Stefan Raab regelmäßig seine selten mehr und meist weniger prominenten Gäste in Wok-Pfannen durch den Eiskanal rodeln, von Zehn-Meter-Türmen springen oder auf Pferden über einen Hindernisparcours reiten. Einer seiner treuesten Gäste bei diesen Aktionen ist Joey Kelly, der allerdings tatsächlich ein exzellenter Sportler ist. „Für mich ist das Gaudi mit Ehrgeiz“, versichert der 33-Jährige glaubhaft.
Für andere ist es eine einzige Blamage - über die sich viele Zuschauer allerdings amüsieren. „Wir wollen sehen, wie die Prominenten diesen untypischen Aufgaben gewachsen sind“, erklärt Görling den Erfolg solcher Shows. „Wir blamieren uns schließlich fast täglich - warum dann nicht auch die?“ Ob sich die Betroffenen mit der Teilnahme an solchen Sendungen aber tatsächlich einen Gefallen tun, bezweifelt der Wissenschaftler: „Es gibt wenige Menschen, die in diesen Situationen nicht peinlich ’rüberkommen. Ich glaube, das ist keine gute Bewerbung.“
Glamour-Lady Giulia Siegel, die erst am vergangenen Samstag bei den „Pro-7-Bundesjugendspielen“ mitgemacht hat, stört das angeblich nicht: „Ich habe damit gar kein Problem, für alle den Kasperl zu machen.“
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