Der "Fear"-Faktor steigt - mehr "Reality": Was droht 2004 im TV?
zuletzt aktualisiert: 24.10.2003 - 14:57München (rpo). Fragt man Experten, was den Zuschauer im nächsten Jahr im TV erwartet, dann bekommt man zur Antwort: mehr Thrill, mehr Spannung, mehr Service und mehr Reality-Shows. Und: "Bald ist Schluss mit dem Gemütlichkeitsfernsehen." Ein Ausblick.
Das Ende des Gemütlichkeitsfernsehens prophezeite Borris Brandt, Deutschland-Chef der holländischen Produktionsfirma Endemol, bei der Diskussionsveranstaltung "Spürnasen gesucht - Was kommt nach den Superstars?" bei den Münchner Medientagen am Freitag.
Brandt setzt auf den steigenden "Fear"(Angst)-Faktor neuer TV- Formate. Als Beispiel nannte er Shows wie "Exhausted" (Erschöpft), die auf dem europäischen Kontinent in Frankreich bereits erfolgreich gelaufen sei. Die Kandidaten müssen nach langem Schlafentzug knifflige Situationen lösen und gefährliche Stunts bewältigen.
Auch die versteckte Kamera soll wieder Einzug halten: "In den USA wurde in einer solchen Show einen Meter über dem Kopf eines Soldaten eine Panzerfaust abgefeuert - ob so etwas hier möglich ist, muss man sehen. Aber dahin geht der Trend", sagte Brandt.
Ute Biernat, Geschäftsführerin der "Superstar"-Produktionsfirma Grundy Light Entertainment, hält TV-Formate, in denen sich Wirklichkeit mit Erdachtem mischt ("Fiction meets Non-Fiction") für aussichtsreich. SAT.1-Geschäftsführer Martin Hoffmann favorisiert künftig Reality Entertainment wie die neuen Formate "Lenßen & Partner", Comedy und mehr halbstündige Sendungen. Auch Sendungen mit Servicecharakter und Ratschlägen ("Home Improvement") gehören zu seinen Programmzielen.
Im internationalen Markt dominieren derzeit unter den Neuentwicklungen Castingformate, die außerhalb der Musik neue Stars nach oben bringen wollen: Die beste Großmutter wird in Italien gesucht, das beste Talent unter Senioren in den USA oder der beste Fußballstar in Spanien, der als Belohnung eine Woche bei Real Madrid trainieren darf.
Ausgerechnet der auf schnelle und junge Trends gepolte Musiksender MTV sucht nach stilleren Wendungen. "Wir setzen auf archaische Themen wie Beziehungen, senden mehr Dokumentationen und entwickeln einen Quiz", sagte MTV-Geschäftsführerin Catherine Mühlemann.
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