"Schwiegertochter gesucht": Wenn der Mettigel in der Sonne zerfließt
VON JUDITH CONRADY - zuletzt aktualisiert: 06.09.2010 - 19:58Düsseldorf (RPO). Der Mettigel vergammelt bei 35 Grad in der Sonne und die ganze Familie singt Howard-Carpendale-Songs: RTL macht seine Erfolgssendungen wie "Schwiegertochter gesucht" zu Freakshows, die ihren Charme immer mehr verlieren.
Anfangs bestand der Charme von Sendungen wie "Schwiegertochter gesucht" und "Bauer sucht Frau" darin, die kleinen Absurditäten im Leben anderer Menschen zu beobachten. Dieser Charme erschloss sich nicht allen Zuschauern, aber doch vielen, wie die Einschaltquoten bewiesen.
Bis auf einige Ausnahmen waren die Kandidaten etwas schrullig, ein bisschen sonderbar, aber durchaus vergleichbar mit der einen oder anderen Gestalt aus dem eigenen Bekanntenkreis: seltsame Hobbys, schräge Kosenamen und, nun ja, ungewöhnliche Vorstellungen von Romantik.
Doch inzwischen hat RTL aus den Sendungen Freakshows gemacht - teils mit Kandidaten, die so beeinträchtigt wirken, dass sich der Zuschauer fragt, ob sie auch nur im Ansatz eine Chance hatten, zu überblicken, welche Folgen ihr Auftritt in der Sendung und der Vertrag mit RTL haben werden.
Aus dem liebevollen Beobachten von kleinen Alltagsskurrilitäten ist eine Parade von Absonderlichkeiten geworden, die an Menschenschauen auf dem Jahrmarkt erinnert - und bei der aus jeder Szene herauszulesen ist, dass ein Drehbuch dahintersteckt, das mit dem wirklichen Leben der Kandidaten wohl nicht mehr viel zu tun hat.
Mittlerweile lässt sich blind vorhersagen, dass die Kandidaten in jeder Situation das Dümmstmögliche tun: Wenn die Sonne mit 35 Grad vom Himmel brennt, wird als romantischer Willkommensgruß für die Kandidatinnen ein Mettigel in den Garten gestellt - was denn sonst? Und klar, dass die ganze Familie dazu Erdbeerbowle trinkt und Howard-Carpendale-Songs schmettert.
Was ist das peinlichste Geschenk, das man zu einer Verabredung mitbringen kann? Genau, ein gerahmtes Foto von sich selbst. Und was überreicht Kandidatin Tamara in der Sendung dem "Kratzbild- und Bollywoodfan Peer"? Richtig.
RTL konstruiert sich eine Absurditäten-Parade zurecht, die ihren Charme verloren hat, weil sie von der Realität zu weit entfernt ist. Auch wenn in den ersten Staffeln sicherlich in der einen oder anderen Szene ein wenig nachgeholfen und einiges gestellt wurde - damals dachte der Zuschauer immerhin noch: Ja, so könnte es sein. "Mehr ist mehr" stimmt eben nicht immer, nicht mal in der TV-Branche.
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