ARD-Mittwochsfilm "Das geteilte Glück": Wenn Kinder bei der Geburt vertauscht werden
zuletzt aktualisiert: 02.02.2011 - 14:25Berlin (RPO). Kinder, die bei der Geburt vertauscht wurden, geraten immer mal wieder in die Schlagzeilen. Fernsehautor Stefan Dähnert hat daraus gemeinsam mit Regisseur Thomas Freundner eine Komödie entwickelt, die zwei Familien aus grundverschiedenen Milieus mit genau dieser Situation konfrontiert. "Das geteilte Glück" ist am Mittwoch (2. Februar, 20.15 Uhr) in der ARD zu sehen.
Neun Jahre wuchsen Dennis und Sebastian getrennt voneinander auf. Bis sie durch einen Zufall erfahren, dass sie bei ihrer Geburt versehentlich vertauscht wurden. Statt in der wohlbehüteten Freiburger Vorstadt lebte Dennis daher unter kargen Bedingungen in einer Hochhaussiedlung.
Sebastian kam wiederum in die Obhut eines wohlhabenden Anwalt-Ehepaares. Als die Wahrheit herauskommt, bricht für alle Beteiligten eine Welt zusammen. Doch es kommt noch schlimmer, denn das Jugendamt beschließt, beide Kinder den leiblichen Eltern zuzuführen.
Kindertausch ohne Trennungsschmerz
"Das geteilte Glück" ist keine Familiengeschichte, die auf die Tränendrüse drückt. Abschiedsängste und Trennungsschmerzen sind bloß Randnotizen. Erstaunlich gefasst nehmen die beiden Mütter den kruden Richterspruch des Jugendamtes zur Kenntnis. Nicht die Trennung vom liebgewonnenen Kuckuckskind, sondern die bizarre Situation, den leiblichen Nachwuchs völlig neu kennenlernen zu müssen, steht für sie im Vordergrund. Die Väter verlieren sich derweil in einem männlichen Machtgerangel um Geld und die Erziehungsberechtigung.
Der Streifen schreckt dabei vor Schwarz-Weiß-Malerei nicht zurück. Auf der einen Seite steht eine Patchworkfamilie, die sich knapp über dem Hartz-4-Satz durchs Leben mogelt. Der Umgangston im tiefsten Dialekt ist rau, es wird viel geraucht und es rutscht schon mal die eine oder andere Hand aus. Die Verhältnisse erinnern stark an die Nachmittagsshows der großen Privatsender. Auf der reicheren Seite wird hingegen klassische Musik einstudiert und vor dem Abendessen gebetet. Flüche und der Fernseher sind in diesem Haushalt natürlich tabu.
Die familiären Gegensätze könnten unterschiedlicher kaum sein. Trotzdem versinkt die Handlung keineswegs in Klischees. Es geht vielmehr um die Frage, wie stark die Entwicklung eines Kindes von äußeren Umständen abhängig ist. Nicht das Erbgut, sondern der soziale Stand der Eltern, bestimmt die Zukunft.
Darüber hinaus hinterfragt der Film, ob es unter diesen Voraussetzungen überhaupt möglich ist, unter allen Parteien eine gütliche Einigung zu finden. Denn jeder vorgeschlagene Lösungsweg offenbart gewaltige Licht- und Schattenseiten. Die Komödie vermeidet bei alldem geschickt, sich auf eine Seite zu schlagen. Es gibt kein Richtig oder Falsch, kein Gut oder Böse.
Mahnende Zwischentöne sympathisch verpackt
Dähnert ging es in seiner Drehbuchvorlage zudem um die unterschiedlichen Lebensbedingungen von Kindern in Deutschland: "In keinem anderen westeuropäischen Land sind die Chancen von Kindern so abhängig von der Herkunft wie bei uns", erklärt der Autor. Daher ist es im Film kaum verwunderlich, dass Dennis Probleme in der Schule hat, während der wohlbehütete Sebastian nur die besten Noten mit nach Hause bringt. Zumindest, bis er sein Leben mit Dennis tauschen muss.
Dem Zuschauer wird somit eine gehörige Portion Sozialkritik serviert. Doch die mahnenden Töne sind erträglich, da sie in einen mit feinsinnigem Humor gespickten Film verpackt sind. Darüber hinaus geben die Hauptdarsteller Petra Schmidt-Schaller, Udo Wachtveitl, Ulrike Grote und Rüdiger Klink bei allen Hindernissen und Schwierigkeiten schlussendlich eine sympathische Figur ab.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







