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40 Jahre "Aktenzeichen: XY": Wenn Rudi Cerne als Christian Klar verhaftet wird

VON REINHARD MEYER - zuletzt aktualisiert: 10.05.2007 - 11:43

Mainz (RP). 1967 präsentierte Eduard Zimmermann die erste Episode der ZDF-Fahndungssendung, die heute Kult ist. Seit fünf Jahren ist Rudi Cerne das Gesicht von „XY“. Einmal wurde dieser selbst verhaftet: Man hielt ihn für einen Terroristen.

XY früher: Eduard Zimmermann vor 40 Jahren. Foto: ZDF, Hermann Roth

„Ihr Anruf kann dazu führen, dass ein lang gesuchter Verbrecher gefasst wird.“ Mit diesen nüchternen Worten erklärte der legendäre Eduard Zimmermann am 20. Oktober 1967 das Prinzip seiner neuen Sendung, die Mord und Totschlag ins friedliche deutsche Wohnzimmer brachte: „Aktenzeichen: XY...ungelöst“ zeigt „Krimis mit Nutzanwendung“ (so die ZDF-interne Bezeichnung). Der Nutzen war schnell erkennbar: Schon wenige Minuten nach Ende der ersten Ausgabe wurde der erste Täter dingfest gemacht - er war gerade beim Kegeln.

„XY“ war eine Pionierleistung im deutschen Fernsehen - viel kopiert, aber auch viel kritisiert: Die Sendung stärke die Ausländerfeindlichkeit und verführe zum Denunziantentum. Zimmermann, der sogar entführt werden sollte, wurde zur Hassfigur mancher Linker, gerade in den späten 70ern. Heute - gespickt mit vielen „Überraschungen“ - feiert das ZDF ein Doppel-Jubiläum: 40 Jahre und zugleich 400Ausgaben „XY“.

XY heute: Rudi Cerne im Jahr 2007. Foto: ZDF, Thomas K. Schumann

Erscheinungsbild ein bisschen moderner

Viel hat sich nicht verändert in den Jahren. Das Erscheinungsbild ist vielleicht ein bisschen moderner geworden. „Die Sendung hat an ihrer Umstrittenheit gearbeitet, deswegen steht sie heute unumstritten da“, lobt pflichtgemäß der stellvertretende ZDF-Programmdirektor Hans Janke. Und er erinnert sich sogar, die Reihe früher selbst „scheel angeschaut“ zu haben.

Apropos Erinnerungen: Fast jeder verbindet „XY“ irgendwie mit seiner Kindheit. Auch Rudi Cerne, der seit Januar 2002 die Sendung moderiert, die ihm als Kind mächtig Angst gemacht hatte: „Der Böse war am Ende immer noch frei. Das hat mich extrem belastet. Deshalb habe ich später lieber ,Die Straßen von San Francisco’ geguckt.“

Bei vielen ist „Aktenzeichen“ Kult. „Kein Wunder, die Sendung war hochgradig parodierfähig“, erklärt Janke. Lustig machen konnte man sich etwa über Zimmermanns tapsige Art oder über die Einspielfilme mit Texten wie: „Noch weiß Frau Krause nicht, dass sie in fünf Minuten tot sein wird.“ In Berlin gibt es sogar die Kneipe „Konrad Toenz“ (Spezialität: „Aktenzeichen-Cocktail“), benannt nach Zimmermanns Kollege im Züricher Aufnahmestudio.

Wichtiger Faktor bei der Kriminalitätsaufklärung

Doch abseits des Schmunzelpotentials ist „XY“ ein wichtiger Faktor bei der Kriminalitätsaufklärung: Gut 40 Prozent der gezeigten Fälle werden gelöst, gut 60 Prozent der namentlich genannten Täter gefasst. Die Filme zeigen dabei nicht alles: „Die wahre Schwere des Dramas können wir sowieso nicht einfangen“, meint der 48-Jährige. „Ich erlebe immer wieder Kommissare, die sagen: So eine Gewaltbereitschaft habe ich noch nie erlebt.“

Auch Cernes Sichtweise hat sich verändert: „Ich bin sensibler geworden, etwa was die Opfer und das Leid der Angehörigen angeht.“ Er selbst hat sich außer zu schnellem Fahren (drei Punkte in Flensburg!) nie etwas zu Schulden kommen lassen. Dennoch wurde er schon Opfer der Staatsmacht: Im Dezember 1978 verwechselte man ihn am Düsseldorfer Flughafen mit Christian Klar.

„Da kam mir eine Polizeitruppe entgegen und sagte ,Hände hoch’. Nach einer halben Stunde war alles geklärt.“ Der Mann von der Flugsicherung, der Cerne gemeldet hatte, rief übrigens Jahre später in der ZDF-Sendung „Volle Kanne“ an, in der Cerne Studiogast war - und entschuldigte sich beim verblüfften Cerne.

Quelle: RP

 
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