Neue Leipziger "Tatort"-Kommissare haben Premiere: Wenn Simone Thomalla Verbrecher fängt
zuletzt aktualisiert: 22.05.2008 - 12:37Hamburg (RPO). Geschiedene Paare haben in der Regel nichts mehr miteinander zu tun. Ganz anders ist das bei dem neuen "Tatort"-Team aus Leipzig, das am Sonntag Premiere feiert: Die beiden Ermittler wurden vor zehn Jahren geschieden und sollen jetzt gemeinsam Verbrecher fangen. Ob das gut geht?
Die Zuschauer bekommen ab Sonntag eine Antwort auf die Frage. In der 700. Folge der beliebten ARD-Krimiserie - der allererste Fall am 29. November 1970 hieß "Taxi nach Leipzig" - nehmen Simone Thomalla und Martin Wuttke als Hauptkommissare Eva Saalfeld und Andreas Keppler die gemeinsame Arbeit in Leipzig auf.
In ihrem ersten Fall "Todesstrafe" suchen die beiden den Mörder von Hans Freytag, der mit einem gezielten Messerstich ins Herz getötet wurde. In roter Farbe ist das Wort "Todesstrafe" an das Boot gesprüht, in dessen Nähe er ermordet wurde. Schon früher hatten Unbekannte "Kinderschänder" an Freytags Türen gesprüht - seine von ihm getrennt lebende Frau hatte ihn wegen Missbrauchs der gemeinsamen Tochter angezeigt.
Ein Verein, der öffentlich die "Todesstrafe für Kinderschänder" fordert, hatte Freytag vor seinem Tod mit Fäusten und öffentlicher Ächtung übel zugesetzt. Und dann ist da noch ein junger Mann, der mit dem Opfer befreundet war und ihn als Letzter gesprochen hat.
Saalfeld und Keppler nehmen die Ermittlungen auf. Allerdings herrscht zwischen den beiden kein reines Dienstverhältnis: Sie waren drei Jahre verheiratet, doch das ging nicht gut. Zehn Jahre nach ihrer Scheidung werden sie nun beruflich Partner, denn Keppler wurde nach Leipzig versetzt und ausgerechnet seiner Ex zugeteilt. Vor dem ersten Wiedersehen sind beide noch nervös, doch schnell beweisen sie sich als eingespieltes Team.
Geballte Weiblichkeit und penibler Kauz
Hauptkommissarin Eva Saalfeld ist eine taffe Frau. Im Gegensatz zu anderen "Tatort"-Kolleginnen ist sie nicht kühl und zurückhaltend, sondern strahlt geballte Weiblichkeit aus mit ihren engen Blusen, den langen dunklen Haaren und dem perfekt geschminkten Gesicht, das ihre verschmitzten Züge betont. Saalfeld trägt ihr Herz auf der Zunge und ist gegenüber Kollegen, Zeugen und potenziellen Verbrechern schlagfertig und entschlossen.
Ihr Exmann kennt diese Charakterzüge nur zu gut. Keppler hingegen ist ein kauziger Typ, der nicht viel davon hält, Kollegen zu grüßen. Damit macht sich der Neue in Leipzig nicht unbedingt beliebt. Ein gedankenverlorenes Lächeln rutscht ihm nur mal über die Lippen, wenn er mit Eva spricht. Seine Ermittlungsmethode ist ebenso eigenbrötlerisch: Er sitzt gern gedankenversunken am Tatort und prüft penibel jedes Detail, immer und immer wieder.
Neuer Ermittlungsstil in Leipzig
Das neue Gespann glänzt durch perfekte Arbeitsteilung: Keppler ist ganz klar für die Denkarbeit zuständig und verlässt sich am liebsten auf sein eigenes Können. Saalfeld hingegen arbeitet gern mit Spezialisten zusammen und setzt auf Teamgeist. "Was als Ehe nicht geklappt hat, funktioniert sicher als Ermittler-Team", sagte der Programmdirektor des Ersten Deutschen Fernsehens, Günter Struve, anlässlich der offiziellen Präsentation des neuen Teams.
Thomalla und Wuttke treten in die Fußstapfen der bisherigen Leipziger Kommissare Ehrlicher und Kain, die im November 2007 zum letzten Mal im Ersten ermittelten. Schauspieler Peter Sodann und Bernd Michael Lade lösten in der Produktionsreihe des MDR zusammen 45 Fälle. Ihr Ermittlerstil war eher der ruhige, unspektakuläre Auftritt - solide Maßarbeit jenseits von Glamour und Leidenschaft.
Für Thomalla ist es nach eigenen Angaben eine große Ehre, im "Tatort" mitzuwirken. Er sei "ein bisschen die goldene Kuh" im deutschen Fernsehen. "Wenn der Vorspann kommt - das fühlt sich verdammt gut an", sagte die Schauspielerin. Wuttke und sie würden "sensationell" zusammenpassen und sich gut ergänzen. Ihr Ziel sei, "dass wir gemocht werden". Trotzdem wisse sie noch nicht, wie lange sie in Leipzig auf Verbrecherjagd gehen werden. "Es ist ja keine Rentenversicherung, dass man Tatort-Kommissar ist."
Drei neue Teams in 2008
Der "Tatort" ist laut ARD die älteste Krimireihe im deutschen Fernsehen. Die erste Folge wurde am 29. November 1970 ausgestrahlt. Während die Kommissare zu Beginn nur einmal im Monat ermittelten, gehen inzwischen bis zu vier neue Fälle pro Monat auf Sendung. 2008 werden 34 neue "Tatort"-Folgen ausgestrahlt.
In diesem Jahr gehen drei neue Ermittlerteams an den Start und ergänzen damit die zwölf bewährten Teams. Das neue SWR-Gespann aus Stuttgart, Richy Müller und Felix Klare, löste bereits Anfang März seinen ersten Fall. Mehmet Kurtulus geht als verdeckter Ermittler ab der zweiten Jahreshälfte in Hamburg in den NDR-Produktionen auf Verbrecherjagd.
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