"Wetten, dass..?" in Bremen: Wenn Thomas Gottschalk nur "Gottschi" ist
VON FRANZISKA BLUHM - zuletzt aktualisiert: 06.12.2009 - 10:10Düsseldorf (RPO). Es war die letzte Sendung „Wetten, dass..?“ in diesem Jahr. Thomas Gottschalk lud nach Bremen und hatte nach den Absagen von Mariah Carey und Victoria Beckham vor allem deutsche Stars auf der Couch. Für Spiel, Spaß und Spannung (also wirklich!) sorgte dann aber doch Michelle Hunziker. Sogar in Sachen Promis-Tatschen stahl sie Thomas „Gottschi“ Gottschalk die Show.
Thomas Gottschalk ist bekannt dafür, dass er auf seiner Wetten-dass-Couch immer wieder zu sehr auf Tuchfühlung mit seinen – vornehmlich weiblichen – Promis geht. Das wissen wir und haben uns daran gewöhnt. Dass aber Michelle Hunziker keinen Deut besser ist, das haben wir nicht einmal geahnt.
Es ging schon damit los, gleich nach der Begrüßung, als Michelle neben Thomas auf dem Sofa Platz nahm. Er legte seine Hand auf ihr Bein, sie legte ihre Hand auf seines. Und nutzte danach jede Chance, mit der anderen auf sein anderes Bein zu fassen. Gut, dass dabei kein Knoten herauskam.
Sie betüddelte die Wettkandidaten, zur Begrüßung (gegen die Nervosität!), im Gespräch mit Gottschalk (für die feste Stimme!), bei der Verabschiedung (Trost? Beistand? Glückwunsch?). Immer wieder auf die Schulter packend, manchmal auch den Kopf auf die Schulter legend oder eingehakt das Studio verlassend. Ohne Körperkontakt ging bei der Hunziker am diesem Abend nichts.
Historische Schlappe
So wenig Zuschauer hatte Thomas Gottschalk mit "Wetten, dass..?" noch nie. Erstmals in der Geschichte der Sendung sahen weniger als neun Millionen (8,94) Zuschauer zu. RTL hatte gegen die Unterhaltungssendung "Das Supertalent" (5,82 Millionen), Das Erste einen "Donna-Leon"-Krimi (4,42 Millionen) programmiert.
Doch würde man Michelle unrecht tun, wenn man behauptete, dass sie keine Bereicherung für die Sendung ist. Es war das dritte Mal, dass die Hunziker als Ko-Moderatorin bei „Wetten, dass..?“ dabei ist. Und dabei ist sie nicht nur Blickfang (schwarze Glitzerhose mit verboten hohen High Heels, die die Frage aufwarfen, wie sie darauf nicht nur gehen, stehen, sondern sogar rennen kann, wie gesagt rennen, nachdem sie kurz zuvor von der Vespa gefallen war?!), nein, sie hat ihre Rolle mittlerweile als Wettkandidaten-Ansagerin und Entertainerin gefunden. Und Thomas Gottschalk gibt ihr mittlerweile auch den Raum dafür.
So gelang Thomas Gottschalk, was zuletzt selten war: eine einigermaßen unterhaltende „Wetten-dass“-Folge, die natürlich viele Tiefen hatte, aber doch auch ein paar Höhepunkte. Zuerst zu den Tiefen. Müssen Wetten sein, in denen minderjährige Mädchen Katzenfutter („Ich spüre Brocken“) mit den Füßen ertasten? Müssen diese ewig gleichen Playback-Auftritte der Musiker sein und noch viel wichtiger: Müssen diese seltsamen After-Auftritt-Gespräche sein? – Gottschalk mit Leona Lewis, Gottschalk mit Michael Bublé, den er kurz zum Amerikaner machte, obwohl er doch Kanadier ist.
Und: Müssen diese ewig leeren Gespräche auf der Couch wirklich sein? Gottschalk schaffte es, geschlagene sieben Minuten mit Til Schweiger Nichtigkeiten auszutauschen und die andere Gästin, auf der Couch, Nora Tschirner, komplett zu ignorieren. Ähnlich verlief bereits das Gespräch zwischen den Stubbe-Stumpfs – Plaudereien mit Papa Wolfgang, der mit jedem Satz um die Gunst des Publikums buhlte, während Tochter Stephanie Stumpf erst einmal nur gut aussah. Zu guter Letzt: Altherrenwitze mit dem als Frau verkleideten Uwe Ochsenknecht – kennt man ja. Findet man trotzdem immer wieder doof.
Doch auch die Höhepunkte wollen wir diesmal nicht verschweigen und die gab es vor allem deswegen, weil Anke Engelke und Bastian Pastewka als Anneliese und Wolfgang mit von der Partie waren. Anneliese, die Thomas Gottschalk liebevoll Gottschi nannte, sang, scherzte und herzte. Wolfgang sang ebenfalls, hatte aber seine großen Momente, wenn er verharrte oder (Achtung, noch ein Reim!) einfach nur starrte. Wenn Michelle in der Nähe war. Oder der Bublé. Oder eine atemberaubende Wette, zum Beispiel. Die beiden waren charmant und sorgten mit ihren Witzchen und Grimassen für die wenigen Lacher der Sendung.
Thomas Gottschalk revanchierte sich dann irgendwann auch, in dem er noch einmal darauf hinwies, dass Engelke und Pastewka am 18. Dezember ja ihre Weihnachtssendung auf Sat.1 haben – ein Sender, bei dem ja derzeit nicht allzu viel glatt geht (Wir verweisen freundlich auf das Quotendesaster, das Johannes B. Kerner da Woche für Woche hinlegt.) „Da muss man helfen“, kommentierte „Gottschi“ Gottschalk. Sie haben es verdient.
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