Show aus Mallorca: "Wetten, dass..?" im Partyrausch
zuletzt aktualisiert: 15.06.2009 - 11:22Palma (RP). Cocktaillaune auf der Gästecouch und Urlaubsstimmung in den Zuschauerreihen: So funktionierte die Mallorca-Ausgabe von "Wetten, dass..?" – trotz reichlich nackter Haut und Patzern bei der Moderation.
Auf den ersten Blick schien die "Wetten, dass..?"-Welt am Wochenende seltsam in Ordnung. Die Quoten stiegen: 9,29 Millionen Zuschauer sahen die 182. Sendung, immerhin mehr, als die letzte Ausgabe im März verfolgt hatten (9,23 Millionen).
Und auch sonst war alles ein bisschen wie früher. Die Wettkandidaten langweilten nicht mit kopflastigen Intelligenzspielchen, sondern begeisterten mit Sport- und Geschicklichkeitswetten (einschließlich des Dauerbrenners Bagger-Wette). Auf der Gästecouch gaben sich nicht kurz angebundene A-Promis die Klinke in die Hand (Naomi Campbell wurde angeblich sogar ausgeladen, weil sie spätestens um halb zehn wieder verschwinden wollte).
Dort saßen – in trauter Enge und bis zum verspäteten Ende der Sendung – alte Hasen wie Schauspieler Ralf Möller neben jungen Aufsteigern wie Germany's Next Topmodel Sara Nuru, die sich tatsächlich zu amüsieren schienen. Sogar große Momente gab es: Als Star-Tenor Plácido Domingo die 9000 Zuschauer in der Stierkampfarena von Palma zur gemeinsamen "Viva-España"-Interpretation bat, erlebte die Sendung eines ihrer Highlights.
Dass dieselben Zuschauer sich jedoch ebenso widerstandslos von Blödel-Barde Otto Waalkes animieren ließen (erst zu "Hallo-Otto!"-Rufen, später zu La-Ola-Wellen), zerstörte alle Illusion: Nicht die Rückbesinnung auf alte Erfolgsrezepte hatte der Sendung zu unverhofftem Schwung verholfen, sondern Sommersonne und Cocktails satt.
Nur sie erklären die stürmische Begeisterung der Gäste für die Privatfernseh-Sequenzen, die das ZDF seinem früheren Unterhaltungsflaggschiff auch diesmal wieder gnadenlos zumutete. Fernsehschönheit Michelle Hunziker, die sich um ihren Wetteinsatz Synchronschwimmen drücken wollte, wurde von Moderator Thomas Gottschalk kurzerhand in den Badeanzug gezwungen. Begründung: "Du hast dich lang genug gewehrt!"
Später ließ er 25 Miss-Wahl-Gewinnerinnen in Hotpants und BH in einer Reihe antreten – letzteren öffnete ein Medizinstudent dann mit Essstäbchen. Freizügigkeit genug – bis Miss Venezuela (oder war es Bolivien?) samt offenem BH zum Händeschütteln zu Domingo zitiert wurde. Begleitet von Gottschalk und seinen Worten: "Ich halt ihn einfach zu!"
Peinliche Szenen und ein oft orientierungsloser Moderator – wenn Gottschalk nicht nach seinen Moderationskärtchen fragte, suchte er nach dem Teleprompter: Dieses Konzept wird für das ZDF ohne Ballermann-Bonus kaum funktionieren.
Zumindest die jungen Zuschauer werden bei der nächsten regulären Ausgabe vermutlich gleich zu RTL umschalten, statt Gottschalks Anbiederungsversuche gegenüber ihrer Zielgruppe zu ertragen. Als die Kölner, die diesmal nur eine "American-Pie"-Wiederholung zeigten, im März "Deutschland sucht den Superstar" gegen "Wetten, dass..?" laufen ließen, setzten sie Gottschalk erheblich zu.
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