"Nicht der Ort für politische Grundsatzerklärungen": "Wetten, dass ..." im Zeichen des Krieges
zuletzt aktualisiert: 23.03.2003 - 18:28Luzern (rpo). Die ZDF-Show "Wetten, dass. ..." im schweizerischen Luzern fand statt, doch sie stand am Samstagabend im Zeichen des Irak-Krieges.
Bis wenige Stunden vor Sendebeginn hatte sich die ZDF-Leitung die Möglichkeit offen gelassen, die populäre Samstagabend-Unterhaltung angesichts der Bomben auf Bagdad auszublenden. Moderator Thomas Gottschalk machte nach einem ernsten Auftakt klar: "Dies ist nicht der Ort für politische Grundsatzerklärungen. Gute Laune hat den Zustand der Welt noch nie verschlechtert." Dennoch war mit Spaßmacher Harpe Kerkeling zuvor vereinbart worden, besser ein anderes Mal als Gast bei der Familien- Show aufzutreten.
Auf dem Gästesofa nahmen Udo Jürgens, Geraldine Chaplin, Rudi Völler, der Komiker Rowan Atkinson ("Mr Bean") sowie die Schauspielerin Katharina Böhm und ihr Kollege Armin Rohde Platz. Jürgens sinnierte über die Aufgaben des Künstlers in dunklen Zeiten, während Chaplin kein Blatt vor den Mund nahm: "Dieser Krieg ist das Groteskeste, Schrecklichste und Traurigste, was mir je in meinem Leben passiert ist". Startenor Andrea Bocelli sang ein Lied für die Kinder im Irak.
Als Wettkönig trumpfte unter dem tosenden Beifall der 1200 Zuschauer in der Luzerner Eissporthalle ein Verlierer auf. Der 79- jährige Schweizer Robert Diggelmann-Ramserer musste sich bei Kniebeugen mit einer 50-Kilo-Hantel auf dem Rücken dem 50 Jahre jüngeren Weltmeister im Gewichtheben, Oliver Caruso, knapp geschlagen geben. Die Stadtwette ging an Luzern. Der Schweizer Top-Comedian Marco Rima konnte trockenen Fußes über eine 220 Meter lange Kette von Booten auf dem Vierwaldstätter See hüpfen.
"Wetten, dass..." und Irak-Sendungen Quoten-Sieger
Trotz des heftiger gewordenen Kriegsgeschehens im Irak wollten die Fernsehzuschauer in Deutschland am Samstag am liebsten "Wetten, dass..." sehen. Die ZDF-Familienshow war mit 13,8 Millionen Zuschauern und einem Marktanteil von 44,4 Prozent unangefochtener Quoten-Sieger.
Auch das übrige Programm des öffentlich-rechtlichen Senders fand Zuspruch: Knapp hinter der ARD-Tagesschau (7,25 Millionen Zuschauer) folgten das "heute-Journal" mit 7,12 Millionen (33,3 Prozent Marktanteil), die "heute"-Nachrichten mit 5,16 Millionen (20,8 Prozent) und auch das ZDF-Spezial "Krieg am Golf" mit 4,64 Millionen Zuschauern und einem Marktanteil von 17,7 Prozent. RTL erreichte mit seiner Hauptnachrichtensendung "RTL aktuell" 3,7 Millionen Zuschauer (15,2 Prozent). 3,75 Millionen Zuschauer (11,6 Prozent) sahen beim Kölner Sender die Show zu "Deutschland sucht den Superstar".
Die ARD, die wie bereits am Vorabend ihr gesamtes Programm auf die Berichterstattung zum Krieg umgestellt hatte, erreichte mit ihrer Sendung "Bomben auf Bagdad" nur 1,96 Millionen Menschen (6,2 Prozent). Die Hauptnachrichtensendung des Privatsenders SAT.1 um 18.30 Uhr sahen 3,88 Millionen Zuschauer (Marktanteil 18,7 Prozent). Die Bundesliga-Informationen in "Ran" interessierten dagegen 4,48 Millionen Menschen (Marktanteil 18,9 Prozent).
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