Neue Trickfilmserie: Wie Lil’ George Geschenke in Bagdad sucht
VON FRANK HERRMANN - zuletzt aktualisiert: 13.06.2007 - 17:36Washington (RP). Eine neue Trickfilmserie zeichnet den Präsidenten als faulen, vorlauten Grundschüler, der im Streit zur Atombombe greift – „Lil’ Bush“ soll George W. Bush durch die Endphase seiner Amtszeit begleiten. Zum Schluss haben sie doch noch den Weg nach Bagdad gefunden.
'Lil' George und seine drei Freunde. Sie waren ausgezogen, um in der großen, weiten Welt ein schönes Geschenk für den Vatertag zu kaufen, etwas, was Bush den Älteren (alias Dad) inmitten seiner Depressionen aufmuntern sollte. „Hier lang! Auf dem Schild steht Bagdad!“, ruft Little George in den Krach einer detonierenden Granate hinein. „Da steht ‚dad’ drin, hier muss es sein.“
Schlechte Zeiten für Regierende sind gute Zeiten für Trickfilmzeichner. In England kam „Spitting Image“, weltweit die Königin unter den Satire-Cartoons, erst richtig in Fahrt, als die Eiserne Lady an Schwung verlor. Maggie Thatchers Augen flackerten wild, während sie ihrem duckmäuserischen Kabinett immer verrücktere Ideen diktierte. Klein-George dagegen lernt an einer Grundschule. Es ist sein Daddy, der in einem ovalen Büro residiert.
Die Lehrer der Beltway Elementary, benannt nach dem Autobahnring um Washington, verzweifeln fast an der Faulheit des dicklichen Jungen. Lil’ Condi dagegen kann den frechen Kerl gar nicht genug bewundern, weshalb sie ihm die Hausaufgaben erledigt und ständig vom ersten Kuss träumt. Lil’ Cheney ist der beste Kumpel, Lil’ Rummy der Prügelknabe, auf den man Schuld abwälzen kann. Condoleezza Rice, Dick Cheney und Donald Rumsfeld: Es sind die Politiker, die George W. Bushs Jahren im Weißen Haus ihren Stempel aufdrückten.
Am Mittwoch feiert die Serie auf dem TV-Kanal Comedy Central Premiere. „Lil’ Bush“ soll den Präsidenten witzelnd begleiten, während er auf die Endphase seiner Amtszeit zugeht. Derb ist sie, voll schwarzen Humors und voller Klischees. „Was nicht übertreibt, ist keine Satire“, verteidigt sich Donick Cary, ihr Schöpfer, gegen den Vorwurf, allzu grob zu stricken. Und dass Rumsfeld mitmachen darf, obwohl er seinen Posten im Pentagon abgeben musste, liegt an Iggy Pop. Der Rockveteran leiht Lil’ Rummy seine Stimme. Nur ihn, keinen anderen, wollte Pop spielen. Also blieb es dabei.
Cary hat schon Sketche für David Letterman, den Late-Night-Talker, geschrieben, auch Vorlagen für die Simpsons, Amerikas beste Trickfilmfiguren. Am Spaßfaktor gemessen, hält er Bush junior für einen Segen. Allein die Art, wie der Mann redet. Diese kurzen, simplen Sätze, Sätze aus dem Bauch heraus. „Unnachahmlich“, sagt Cary.
„Mein Job ist es, Entscheidungen zu treffen“, erklärte der real existierende Präsident neulich in Ohio. „Gäbe es eine Stellenbeschreibung, müsste es heißen: Entscheider.“
Die cineastische Karikatur des Präsidenten wettert in der Pose des Klassenrebellen. „Ich hasse es, das zu tun, was mir gesagt wird. Ich will Entscheider sein.“
In der Biologiestunde gähnt Lil’ George, während die Lehrerin erläutert, wieso der Mensch vom Affen abstammt. In der Kirche hört er, dass Charles Darwins Evolutionstheorie ketzerischer Frevel ist, weil Gott den Menschen, den Dinosaurier und andere Lebewesen zeitgleich erschuf. Na also, kein Wunder, dass er sich langweilt. „Hey, all dieser Lernquatsch ist doch nur Müll“, kanzelt er die Bio-Lehrerin ab.
Falafel isst er nicht, mag die Schulköchin noch so nett für den alternativen Speiseplan werben. „Fafel what? Wo ist mein Hot Dog?“ Bei anderer Gelegenheit wird Streit in der Schule mittels Atombomben entschieden: Pech für Lil’ Hillary, wieso muss sie auch immer so altklug die große Lippe riskieren?
In Bagdad irren die Vier aus der Beltway Elementary solange durch die Trümmerlandschaft, bis sie etwas sehen, was eine wahre Fundgrube für Vatertagsgeschenke sein könnte. Das Irakische Nationalmuseum. Draußen macht ein buntes Plakat Reklame für „Sockel, auf denen früher Kunstwerke von unschätzbarem Wert standen“.
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