Bücher, Bars, Betten, Babys: Wie TV-Stars ihr Einkommen aufbessern
VON ORNELIA WYSTRICHOWSKI / MARTIN RÖSE - zuletzt aktualisiert: 25.07.2003 - 12:51Düsseldorf (RP). Immer mehr TV-Stars suchen sich lukrative Nebenjobs - von der eigenen Kneipe bis hin zur Babysitter-Vermittlung. So kassiert Harald Schmidt schon mal bis zu 100.000 Euro pro Abend. Manch einer geriet über die Nebentätigkeit ins Straucheln. Wo unsere Fernsehberühmtheiten ihr Gehalt aufbessern.
Sie sind nicht nur berühmt, sondern auch ganz schön geschäftstüchtig: Immer mehr Moderatoren und Schauspieler suchen sich lukrative Nebenjobs - und so begegnet man ihren Gesichtern auf Buchumschlägen oder Plattencovern, die Namenszüge umtriebiger Fernsehgrößen zieren Modelinien oder Kosmetikserien.
Besonders die Schriftstellerei hat es der Promigemeinde angetan: In den Buchhandlungen stapeln sich zahllose Veröffentlichungen wie Peter Hahnes „Gedanken am Sonntag“, das Kochbuch „Richtig fressen“ von Schauspieler Jürgen Tarrach oder Petra Gersters Erziehungsratgeber „Stark für das Leben“.
Mehr oder weniger gelungene Platten
Andere Stars nehmen mehr oder weniger gelungene Platten auf - das soll nicht nur die Kassen klingeln lassen, sondern vor allem der Imagepflege dienen. Heinz Hoenig etwa offenbart sich in den Songs auf seiner CD „Familienbande“ als Raubein mit weichem Kern, und Jürgen von der Lippe will mit seinen Gedicht-CDs („Gute Stunde“) beweisen, dass er zwar auf Hawaiihemden und Zotenhumor steht, aber trotzdem Grips hat.
Auch andere Prominente versuchen, ihre Popularität zu Geld zu machen. RTL-Komikerin Gaby Köster („Ritas Welt“) etwa, berüchtigt für ihre bunten Strickpullis, hat eine eigene Modelinie: Unter dem Label „Kapilutscho“ bietet sie selbst entworfene Klamotten wie den „Schlampenschal“ oder Strickjacken mit eingearbeitetem Wollbikini an.
Viva-Moderator Mola Adebisi, früher selbst Model, vertreibt eine eigene Underwear-Kollektion namens „Molali“ bei Otto. Die Schauspielerin Ursula Karven führt gemeinsam mit Til Schweigers Frau Dana und drei Freundinnen die Firma „Bellybutton“, die Umstandskleidung und Pflegeprodukte für Schwangere und Mütter bietet.
Asiatisch angehauchte Möbel
Roswitha Schreiner, bekannt aus der Anwaltsserie „Liebling Kreuzberg“ mit Manfred Krug, ist Mitinhaberin des Berliner Ladens „Klungkung“, in dem Betten und andere asiatisch angehauchte Möbel verkauft werden. ZDF-Nachrichtenfrau Brigitte Bastgen macht Manager in Seminaren fit für Medienauftritte.
Kollegen von ihr sind über einträgliche Nebeneinkünfte gestolpert: „Heute Journal“-Moderator Alexander Niemetz beispielsweise warb für Deutsche Post und Bahn, Opel und Prisma Privatfinanz, bevor ihm seine engen freundschaftlichen Kontakte zu einer PR-Agentur zum Verhängnis wurden.
Der damalige ZDF-Intendant Dieter Stolte erteilte dem Schweizer im April 2000 Moderationsverbot und verlängerte dann den auslaufenden Vertrag nicht. ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender sagte damals: „Alle Nebentätigkeiten, die geeignet sind, die journalistische Unabhängigkeit in Zweifel zu ziehen, sind verboten.“
Iris Bebens Gastro-Imperium
„Tagesthemen“-Anchorman Ulrich Wickert geriet wegen eines Werbevideos für den „Deutschen Herold“ ins Straucheln. „Ich bedaure den Vorfall“ bekannte er reumütig dem NDR und spendete die Einnahmen von rund 50000 Mark an einen gemeinnützigen Verein. Nebenbei verdient Wickert auch als Buchautor („Der Ehrliche ist der Dumme“).
Gar nicht problematisch ist hingegen der Nebenjob von Schauspielerin Sylvia Leifheit. Sie betreibt in München eine Modelagentur. Dagegen vermittelt die Agentur „Kidsboom“ ihrer Kollegin Anne-Sophie Briest („Natalie - Endstation Babystrich“) ganz einfach Babysitter.
So mancher Star versucht sich auch als Gastwirt. So betreibt der als Kölner „Tatort“-Kommissar bekannte Klaus J. Behrendt das „Zucca“ in Berlin, und Schauspieler Ben Becker gründete vor drei Jahren die Berliner Jazzkneipe „Trompete“ - laut Becker „ein Existenzialisten-Lokal mit Live-Jazz“.
Iris Berben und ihr Lebensgefährte Gabriel Lewy haben gar ein kleines Gastro-Imperium aufgebaut; den beiden gehören mehrere Restaurants und Bars in München. Mo Asumang, die lange das Erotikmagazin „liebe sünde“ (Pro7) moderierte, hat in ihrer Berliner Bar „Seven lounge“ als kleine Reminiszenz an das Sex-Format ein riesiges Bett stehen.
Paradebeispiel Verona Feldbusch
Ein Paradebeispiel dafür, wie man sich mit Nebengeschäften von Engagements als Schauspieler oder Moderator unabhängig machen kann, ist jedoch Verona Feldbusch: Sie entwirft unter dem Label „Veronas Dreams“ Dessous, Schlafanzüge und Silberschmuck - für ihre Klunkerkollektion hat sie auch schon beim Verkaufssender QVC die Werbetrommel gerührt.
Bei Shoppingsendern geben sich die geschäftstüchtigen TV-Stars ohnehin die Klinke in die Hand. So preist Wolfgang Fierek, der zwei „Harley-Davidson“-Shops sein Eigen nennt, bei „Home Shopping Europe“ seine Motorrad-Pflegeserie „Sauber sog’i“ an. Die Damenwelt mag es etwas weniger kernig: Uschi Glas, Christine Kaufmann oder Erika Berger verhökern gerne vor laufender Kamera ihre eigenen Kosmetiklinien.
Bis zu 100.000 Euro Honorar
Zu guter Letzt gibt es für die Stars natürlich noch eine andere Möglichkeit, ihre Prominenz zu klingender Münze zu machen: Auftritte bei Firmenjubiläen oder Messen, deren Veranstalter sich gerne mit berühmten Namen schmücken, lassen den Rubel rollen. Ob Götz Alsmann oder Nina Ruge - viele TV-Größen tun es.
Freilich ist das für die wenigsten so rentabel wie für Harald Schmidt - der Entertainer kassiert Experten zufolge nach einem Auftritt bei einer großen Betriebsfeier oder einem anderen Event schon mal Honorare bis zu 100.000 Euro.
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