Zwangspause: WM bremst Dreharbeiten von TV-Serien aus
VON TILLMANN P. GANGLOFF - zuletzt aktualisiert: 03.07.2006 - 15:50Düsseldorf (RP). Während der Fußballweltmeisterschaft sind die Zentren von Berlin, München und Köln Sperrgebiet. Die Schauspieler und Produktionsteams müssen warten. Bei den täglichen Serien wird allerdings weitergearbeitet.
Wenn die Sommerferien beginnen, hat die Produktionsbranche Hochsaison: Weil das Wetter einigermaßen berechenbar ist, werden Filme und Serien mit Vorliebe in diesen Monaten gedreht. Großstädte wie Berlin, Köln, München und Hamburg gehören zu den bevorzugten Handlungsorten. Nur dort gibt‘s derzeit ein Problem: die Fußballweltmeisterschaft.
Die Zentren dieser Städte sind für Kamera-Teams Sperrgebiet, aus Sicherheitsgründen erteilen die Verwaltungen keine Drehgenehmigungen. Die Zwangspause betrifft vor allem Krimiserien, die überwiegend an urbanen Brennpunkten spielen.
Drehstart für die ZDF-Reihen „SOKO 5113, „SOKO Leipzig“ und „Die Spezialisten - Kripo Rhein-Main“ ist daher erst nach WM-Ende. Produzent Bernd Burgemeister („Das Duo“, ZDF) schätzt, dass die Aktivitäten der Branche zurzeit um fünfzig Prozent zurückgegangen sind.
Kein Materialmangel
Trotzdem müssen die Sender nicht befürchten, demnächst ohne Material da zu stehen. Schließlich sei die WM „ja nicht aus heiterem Himmel über uns hereingebrochen“, wie Sat.1-Sprecherin Kristina Faßler ironisch feststellt. Bei den anderen Anstalten winkt man ebenso ab: Dank langfristiger Planung sei mit Engpässen sei nicht zu rechnen. Tägliche Soaps wie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ (RTL) oder Telenovelas wie „Verliebt in Berlin“ (Sat.1) entstehen ohnehin größtenteils im Studio.
Natürlich würden Schauspieler und Techniker gern Fußball gucken. Doch bei den täglichen Serien, deren Logistik darauf basiert, dass ein Rädchen ins andere greift, sind Unterbrechungen nicht drin, wie Ben Samuel, Aufnahmeleiter für „ViB“, erklärt: „Klar wollen die Leute zwei Stunden Pause machen, wenn Deutschland spielt. Aber in anderen Berufen wird schließlich auch gearbeitet.“
Wo es nicht gelungen ist, der WM aus dem Weg zu gehen, müssen zum Teil erhebliche Unannehmlichkeiten in Kauf genommen werden. Flugzeuge sind ausgebucht, Hotels belegt oder überteuert, gesperrte Straßen und Plätze erfordern Umwege. Während beispielsweise Leipzig Dreharbeiten während des Turniers grundsätzlich verboten hat, darf außerhalb des S-Bahnrings der Hauptstadt gedreht werden.
Ausnahmegenehmigungen
Deshalb musste die Arbeit an der UFA-Fernsehproduktion „Die Frau vom Checkpoint Charlie“ nicht unterbrochen werden. Der ARD-Zweiteiler mit Veronica Ferres entsteht teilweise in Helsinki und Bukarest, aber eben auch am „Checkpoint Charlie“ im Zentrum der Stadt. Für Aufnahmeleiter Henning Falk trotzdem kein Problem.
An prominenten Orten hätte man ohnehin nicht drehen können: „Der Film spielt in den Jahren 1982 bis 1984, Brennpunkte wie der Potsdamer Platz mit ihrer modernen Architektur hätten überhaupt nicht ins Bild gepasst.“
Selbst innerhalb des S-Bahnrings aber gibt es laut Falk Ausnahmegenehmigungen: „Die Stadt will ihre Filmwirtschaft ja nicht für vier Wochen lahm legen, da hängen schließlich Arbeitsplätze dran“. Das Brandenburger Tor sei derzeit als Motiv zwar unmöglich, aber in Schöneberg oder Zehlendorf zu drehen sei kein Problem.
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