Premiere ohne Panne: ZDF-heute bringt das AKW zum Tanzen
VON MANFRED KÜHNAPPEL - zuletzt aktualisiert: 17.07.2009 - 23:07Düsseldorf (RPO). Eins vorweg: Die Premiere von ZDF-heute und heute-journal im neuen Design ist geglückt. In der virtuellen „Grünen Hölle“ gab es keine Panne, keinen Computerabsturz. Alle Schalten funktionierten. Die Zeilen liefen, und die Bilder passten.
Also alles eitel Sonnenschein? Nicht so ganz. Nachrichtensprecher Steffen Seibert („ich arbeite bei dem Sender, den ich persönlich auch am liebsten einschalte“) bat am Ende der ZDF-heute-Sendung um Nachsicht, falls hier und da noch nachgebessert werde. Das war nett und durchaus angemessen.
Fangen wir mit dem Positiven an: Ihren eindrucksvollsten Moment besaß die erste Sendung in der 35 Millionen Euro teuren, computergesteuerten Umgebung, als Steffen Seibert die Pannenserie des Atomkraftwerks Krümmel anhand einer virtuellen 3-D-Simulation erläuterte. Man begriff, was heute-journal-Ancorman Claus Kleber abends zuvor angedeutet hatte: Es gibt Vorgänge auf der Welt, die lassen sich beim besten Willen nicht durch Papierrascheln erklären.
Aus dem Nichts ein AKW
Seibert tritt einen Schritt von seinem Tisch zur Seite. Da taucht wie aus dem Nichts das AKW in einer Animation auf. Es brennt als erstes ein Trafo, was zur Abschaltung führt – das AKW fällt ins Dunkel. Es wird wieder hell, das AKW wird hochgefahren. Dann die nächste Panne auf der anderen Seite. Das AKW tanzt, dreht sich einmal schwungvoll im Kreis. Es folgt der Kurzschluss im zweiten Trafo und wieder wird es dunkel. So haben wir noch nie gesehen, was in Krümmel los ist. Sehr gut ZDF.
Weniger Lob erntet dagegen das Tortendiagramm zum Koalitionsende in Schleswig-Holstein. Das geht zu schnell, ist zu vielfarbig und verwirrt am Ende mehr als es aufklärt. Ebenfalls ein bisschen nervig: Die ins Bild huschenden Unterzeilen in Orange und Hellgrau. Mal übereinander, mal untereinander. Bevor man sich dran gewöhnt hat, sind sie schon wieder weg.
Optimierungsbedarf bei Bildunterzeilen
Optimierungsbedarf besteht eindeutig bei den Bildunterzeilen im Hintergrund. Sie wirken nicht nur zu klein, sondern auch unscharf und dadurch unleserlich. Das ist eine klare Verschlimmbesserung gegenüber dem alten Auftritt. Da helfen auch modern in den Vordergrund eilende Beiträge nicht.
Sport-Moderatorin Kristin Otto steht statt links vom Nachrichtenmann jetzt rechts (vom Zuschauer aus gesehen). So wie bei RTL. In der Mitte lässt sich so der Beitrag in Szene setzen. Das erscheint sinnvoll, ist reine Gewöhnungssache.
Geht ein Stück Profil verloren?
Gewöhnen muss man sich auch an die neue Uhr sowie die Farbkomposition, die nicht mehr ganz so entschlossen und klar Blau und Orange ist, sondern ein bisschen blass. Abzuwarten bleibt, ob dem ZDF dadurch ein Stück Profil verloren geht. Das neue Wetter gehorcht dem neuen Auftritt 1:1. Etwas schematischer sind die Karten geworden. Auf mehr technischen Schnickschnack hat das ZDF ansonsten verzichtet.
Mit dem Aufmacher (Iran-Demonstrationen) liegt das ZDF-heute mit der ARD-Tagesschau auf Ballhöhe. Ein schöner Farbtupfer gelingt der Redaktion in ihrer ersten Sendung mit dem hautnahen Beitrag über die Auswahl der Parteien zur Bundestagswahl. Wie Pogo- und Anarchopartei scheiterten, dagegen Piraten- und Pauli-Partei zur Wahl am 27. September zugelassen wurden, das besitzt einen eindeutig höheren Unterhaltungswert als die nüchterne Meldung in der ARD.
Lässig im heute-journal
Im heute-journal unternimmt Claus Kleber später einen neuen Darstellungsversuch abstrakter Zahlen. Erläutert wird, auf wie viel Prozent der Wählerstimmen die CDU ohne die CSU bei der letzten Bundestagswahl gekommen wäre. Inklusive Deutschlandkarte, Kanzlerin, bayrischem Löwen und einer Blockgrafik überrascht das ZDF mit einem optisch verständlich aufbereiteten Ergebnis: Ein Fünftel steuerte das CSU-regierte Bayern bei. Haben wir begriffen.
Keinen besonderen Mehrwert bringt hingegen Klebers filmisch unterlegte Erinnerung an die Mondlandung vor 40 Jahren. Lässig soll gegen Ende wirken, wie Kleber zwangslos vor dem Nußbaumtisch des riesigen Studios lehnend den Kulturbeitrag ankündigt.
Doch auch hier macht nicht die Form sondern der Inhalt die Musik: Claudio Armbruster stellt den beeindruckenden Multipercussion-Artisten Martin Grubinger vor, der die Salzburger Festspiele eröffnet.
Gute Beiträge sind eben nicht nur an die Form gebunden. Daran wird sich das ZDF auch künftig messen lassen müssen.
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