Jede Menge Intrigen: ZDF macht Politik zur Soap
zuletzt aktualisiert: 21.03.2005 - 14:04Berlin (rpo). Dass es in Regierungskreisen zugeht, wie in einer Seifenoper, haben vermutlich schon einige gedacht. Jetzt macht sich das ZDF diesen Umstand zunutze. Ab Mittwoch (20.15 Uhr) zeigt der Sender die neue Soap "Kanzleramt". Ein Amok laufender Forschungsminister, eine scharfzüngige Außenexpertin, ein Redenschreiber auf amourösen Abwegen und eine Tochter, die ihre Sicherheits-"Gorillas" abhängt... Geschichten, die das Leben schreibt.
Der Bundeskanzler, den Klaus J. Behrendt gibt, hat es nicht leicht. Gleich in der Auftaktfolge entpuppt sich Forschungsminister Kai Uwe Harmssen (Vadim Glowna) als tickende Zeitbombe für Kanzler und Kabinett. In einer privaten Krise, zweifelt er öffentlich am Regierungsprogramm, streckt Kameras die Zunge entgegen und gerät wiederholt in Passanten-Scharmützel.
Das ist natürlich ein bisschen übertrieben. In etwa so wie die Under-Cover-Aktivitäten der neuen Leiterin der außenpolitischen Abteilung im Kanzleramt, Edith Lambert (Claudia Michelsen). Die junge Frau glänzt durch Nerven wie Stahl und eine ebensolche Freundlichkeit. Allein mit der Kraft des Wortes und der Gabe, keine Miene zu verziehen, schafft sie es binnen Stunden, einen peruanischen Guerillero zur Strecke zu bringen.
Aber von solcherart Überzeichnungen lebt Unterhaltung. Wichtiger als realitätsnahe Politikpräsentation ist der vermeintliche Blick durchs Schlüsselloch. Dem Kanzler beim Rasieren zuzusehen oder wie er Fraktionschefin Judith Keller (Corinna Kirchhoff) unter vier Augen rund macht - das wollten selbst alte Polit-Hasen schon immer mal sehen. Und dem Zuschauer beschert das die Illusion, dass es vielleicht doch ein klein wenig so sein könnte.
Eine besondere Spezies von Mensch
Für ihre Rollen studierten Behrendt und Robert Atzorn, der den umtriebigen Kanzleramtschefs Norbert Kraft mimt, intensiv Leben und Arbeit der Politiker. Atzorn war nach seinen Recherchen beeindruckt von deren Job. Die Tätigkeit verlange "äußerste Sorgfalt, Intelligenz und Disziplin. Da bedarf es schon einer besonderen Spezies von Mensch, um diesen Kraftakt bestehen zu können", befand er.
Bei ihren Figuren bemühten sich die Autoren Hans-Christoph Blumenberg und Martin Süskind, parteipolitische Assoziationen zu vermeiden. Leider blieben politische Inhalte dabei ebenfalls auf der Strecke. Die Arbeit im Kanzleramt reduzierten sie auf Chaos-Verwaltung und machtpolitische Ränke. So sehr Behrendt, Atzorn und seine Kollegen dabei "denen da oben" ein menschliches Antlitz zu verpassen suchen. Vorurteile wie jene, dass es in der Politik nicht mehr um Inhalte geht, nährt die Sendung ebenfalls reichlich. Dafür erledigen die Schauspieler ihren Top-Job berufsbedingt in gewohnt guter Figur.
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