Diskussion über Qualitätsfernsehen: ZDF prüft weitere Zusammenarbeit mit Heidenreich
zuletzt aktualisiert: 17.10.2008 - 12:37München (RPO). Die scharfen Worte von Literaturkritikerin Elke Heidenreich könnten ein Nachspiel haben. Das ZDF prüft nach der Senderschelte und Heidenreichs gleichzeitigen Forderung nach einem besseren Sendeplatz ihrer Sendung "Lesen!" die weitere Zusammenarbeit mit der Moderatorin.
Die Forderung habe er "mit Verwunderung" zur Kenntnis genommen, sagte ZDF-Programmchef Thomas Bellut der "Süddeutschen Zeitung". Fest stehe im Augenblick eigentlich nur, dass es 2009 eine Literatursendung im ZDF geben wird. "Wie sich das mit Frau Heidenreich weiterentwickelt, kann ich nicht sagen", sagte Bellut.
Laut Bellut schrieb ZDF-Intendant Markus Schächter Heidenreich einen Brief. "Wir ziehen noch Bilanz", sagte der Programmchef und fügte hinzu: "Ich bin jedenfalls über das Verhalten von Frau Heidenreich, über ihre Worte, auch persönlich enttäuscht."
Heidenreich habe im ZDF "stets ihre Meinungsfreiheit behalten". Und sie habe sich schon häufiger kritisch übers Fernsehen geäußert. "Kritik halte ich für völlig normal. Es kommt auf das Maß an. Das Maß wurde hier allerdings weit überschritten", sagte Bellut und nahm zugleich Moderator Thomas Gottschalk gegen die Anwürfe der Kritikerin in Schutz: "Selbstverständlich kann ich nicht zulassen, dass ein Kollege wie Thomas Gottschalk so unfair attackiert wird, zumal die Attacke ungerecht und ungerechtfertigt war."
Heidenreich hatte den Auftritt von Reich-Ranicki am Samstag, bei der der Kritiker seinen Ehrenpreis ablehnte, verteidigt und in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" geschrieben, "man schämt sich, in so einem Sender überhaupt noch zu arbeiten". Zugleich hatte sie Gottschalk persönlich angegriffen.
Am Sonntag war die Gala vom ZDF ausgestrahlt worden. Heidenreich selbst erhielt zwischenzeitlich den Hans-Bausch-Mediapreis. Dabei hatte sie unter Verweis auf ihren "Wutausbruch" in der "FAZ" angegeben, dass sie nicht die Absicht hatte, das Fernsehen an sich zu verteufeln.
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