Gruschwitz kommt: ZDF-Sportstudio und Poschmann scharf kritisiert
zuletzt aktualisiert: 07.12.2004 - 12:27Neuss (rpo). Ab 22. Januar verändert die Fußball-Bundesliga pünktlich zum Rückrundenbeginn ihr Gesicht im ZDF. Dies kündigte der scheidende ZDF-Sportchef Wolf-Dieter Poschmann an und wies Vorwürfe wegen Unfähigkeit weit von sich. Sein Führungsstil, seine Fußball-Kompetenz und die gesunken Einschaltquoten des ZDF-Sportstudios stehen gemeinsam mit der Neuerung zur Debatte.
Poschmann, der am 1. Februar 2005 von seinem bisherigen Stellvertreter Dieter Gruschwitz (50) abgelöst wird, widerspricht nachdrücklich diesen Beschuldigungen. Doch welcher Art die Neuerungen seien, ließ Poschmann vorerst offen. Er selbst werde eher noch stärker in die Moderation eingebunden. Poschmann verteidigte das ZDF-Sportstudio gegen heftige Kritik ("zur Mumie verkommen"/Stuttgarter Zeitung): "Wir hatten am Samstag 2,6 Millionen Zuschauer im Schnitt, eine Woche zuvor 2 Millionen. Das sind 12 bis 15 Prozent Marktanteil, ein Spitzenwert", sagt der 53-Jährige und gibt zu bedenken: "Über fünf Millionen wie früher sind angesichts der vielfältigen Möglichkeiten der Unterhaltung an anderer Stelle und der Wahl zwischen 34 Programmen nicht mehr möglich."
Poschmann räumt ein, dass das ZDF-Sportstudio auch den Reiz des Exklusiven verloren habe. "In seinen Anfangsjahren gab es nur hier Bilder vom Fußball. Noch als RTL einstieg, hatte das ZDF Exklusivrechte." Heute sei man nur noch Nachverwerter, weil die Bilder schon über viele Sender und etliche Nachrichtenkanäle ausgestrahlt worden seien.
Auf die Exklusivität der Sendung wirke sich auch nachteilig aus, dass Einladungen ins Sportstudio heute "kein Ritterschlag" mehr für die großen Namen seien, allenfalls noch für Repräsentanten der weniger professionellen Sparten. Angesichts der Vielfalt der Medien sei es in der heutigen Zeit zudem schwer, Informationen von hohem Exklusivgehalt in Interviews zu Tage zu fördern. Poschmann wehrt aber den Vorwurf ab, zur Kompensation dieses Mankos setze man zu sehr auf Show-Effekte: "Solche Elemente gab es auch früher schon. "
Leichtathlet am Mikrophon
Poschmann, als Läufer vor rund 20 Jahren in der deutschen Leichtathletik-Nationalmannschaft, wies Vorwürfe zurück, ihm fehle es zu sehr an Fußball-Sachverstand. "Die Leute greifen auf Klischees zurück, sortieren mich ein in die Leichtathletik-Schublade. Aber Fußball ist keine Geheimwissenschaft. Jeder Sportjournalist muss Spiele analysieren und Spielstrukturen erkennen können." Diese Fähigkeit bringe er mit.
Den Vorwurf, er habe verdiente ZDF-Mitarbeiter wie Michael Palme, Hermann Ohletz, Sissy de Maas, Sepp Ortmeier und Rainer Deike in den Vorruhestand gedrängt, will Poschmann nicht auf sich sitzen lassen. "Ich habe immer wieder zu redaktionsinterner Kritik animiert. Aber diese wurde von einigen Personen nur hinter meinem Rücken geübt. Das ist aus meiner Sicht einfach unfair."
Poschmann (53) meinte zur Veränderung seines Arbeitsbereiches, diese Entscheidung sei auf seinen Vorschlag hin bei der Verwaltungsratssitzung gefallen. Er werde mit einem Drei-Jahres-Vertrag ab Februar bis 2008 Chefreporter seiner Anstalt sein und nach Wegfall der administrativen Arbeit stärker als Moderator wirken.
Poschmann hat laut eigener Aussage selbst vorgeschlagen, die Veränderung in seinem bis Sommer 2005 laufenden Vertrag vorzuziehen. So könne Gruschwitz die derzeit laufenden Vorbereitungen im Hinblick auf die Winterspiele 2006 in Turin und die Fußball-WM wenig später in Deutschland schon selbst steuern.
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