Nach Blöd-TV-Debatte: ZDF trennt sich von Elke Heidenreich
zuletzt aktualisiert: 23.10.2008 - 15:05Mainz (RPO). Das ZDF trennt sich von Elke Heidenreich. Der öffentlich-rechtliche TV-Sender beendet die Zusammenarbeit mit der TV-Moderatorin mit sofortiger Wirkung. Die beiden für dieses Jahr noch geplanten Ausgaben ihrer Sendung "Lesen!" würden nicht mehr produziert, teilte der Sender am Donnerstag mit.
ZDF-Moderatorin Elke Heidenreich wird wegen ihrer harten Kritik an ihrem Sender vom Bildschirm verbannt. Das Zweite beendete die Zusammenarbeit mit der 65-Jährigen mit "sofortiger Wirkung", wie der Sender am Donnerstag in Mainz mitteilte. Programmdirektor Thomas Bellut sprach von einem zerstörten Vertrauensverhältnis. Die beiden für dieses Jahr noch geplanten Ausgaben ihres seit mehr als fünf Jahren laufenden Büchermagazins "Lesen!" werden nicht mehr produziert. Von Heidenreich gab es zunächst keine Reaktion.
Autorin und Grimmepreisträgerin Heidenreich hatte nach dem TV-Eklat um Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki den Deutschen Fernsehpreis, das ZDF und Moderator Thomas Gottschalk in einem Zeitungsbeitrag beschimpft. Reich-Ranicki hatte bei der von Gottschalk moderierten und im ZDF übertragenen Fernsehpreis-Gala den Ehrenpreis für sein Lebenswerk auf der Bühne zurückgewiesen und heftige Kritik an den prämierten Beiträgen geübt. Heidenreich hatte daraufhin das Fernsehen als "jämmerlich", "verblödet" und "lächerlich" kritisiert und an die Adresse des ZDF heftige Kritik gerichtet.
Welche Sätze für Elke Heidenreich das Aus bedeuteten, lesen Sie in unserer Zitatestrecke.
Bellut sagte, mit ihren Äußerungen habe Heidenreich "die Ebene einer sachlichen Auseinandersetzung verlassen und das ZDF sowie einzelne seiner Mitarbeiter persönlich in nicht mehr hinzunehmender Weise öffentlich herabgesetzt". Das Vertrauensverhältnis zwischen dem Sender und Heidenreich sei dadurch "so nachhaltig zerstört" worden, dass eine "gedeihliche und sinnvolle Zusammenarbeit" nicht mehr möglich sei. "Ich bedauere es, dass unsere jahrelange Zusammenarbeit so beendet werden muss", betonte er.
ZDF-Sprecher Alexander Stock sagte, es sei nicht gelungen, mit Heidenreich wieder auf eine sachliche Diskussionsebene zu kommen. Sie sei auch nicht bereit gewesen, ihre persönlichen Angriffe zurückzunehmen. Ein persönliches Treffen gab es nach seinen Angaben nicht, sondern nur schriftliche Kommunikation.
Bellut kündigte zugleich an, dass es weiterhin eine Literatursendung im ZDF geben werde. An einem Nachfolgekonzept für 2009 werde gearbeitet.
Anstelle der geplanten "Lesen!"-Sendungen am 31. Oktober und 5. Dezember wird das Kulturmagazin "aspekte" ausgestrahlt. In der "Lesen!"-Ausgabe Ende Oktober sollte Sänger Campino zu Gast sein. Für die letzte Sendung 2008 war Gottschalk angefragt gewesen. Der sagte laut ZDF aber ab. Statt dessen sollte Ex-"Spiegel"-Chefredakteur Stefan Aust seine Lieblingsbücher vorstellen. Das Literaturmagazin "Lesen!", in dem Heidenreich sowie ein Gast Bücher präsentierten, war Ende April 2003 gestartet und lief sechs bis sieben Mal im Jahr am späten Freitagabend.
Heidenreich hatte vor ein paar Tagen betont, sie wolle weiter für das ZDF arbeiten. "Das ändert aber nichts daran, dass ich weiterhin das Programm kritisieren können will und mir einen besseren Sendeplatz wünsche", sagte sie in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Seit einem Jahr verhandele sie mit dem ZDF vergeblich über einen anderen Sendeplatz. "Wenn ich keinen besseren Sendetermin bekomme, dann höre ich auf", sagte sie.
Unterstützung für Marcel Reich-Ranicki
Die Moderatorin hatte in den vergangenen Wochen die abweisende Haltung von Marcel Reich-Ranicki bei der Verleihung des Fernsehpreises unterstützt. "Man schämt sich, in so einem Sender überhaupt noch zu arbeiten. Von mir aus schmeißt mich jetzt raus, ich bin des Kampfes eh müde", betonte sie. Ein ZDF-Sprecher erklärte daraufhin, man sei ohnehin über die Zukunft ihrer Sendung im Gespräch.
Elke Heidenreich begrüßte den Auftritt Reich-Ranickis. Sie verurteilte die Niveaulosigkeit der Preisverleihung im Internetangebot der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” und freute sich, dass der Literaturkritiker die Auszeichnung abgelehnt hatte. Sie und ihr Ehemann hätten sich für die Veranstaltung “nur noch geschämt”.
Zudem bedankte sich Heidenreich bei Reich-Ranicki für seine Verweigerungshaltung: “Ich hätte vor Freude in die Luft springen mögen, vor Freude über diesen mutigen, zornigen, beleidigten, klugen Mann und vor Zorn und vor Kummer über diese verhunzte Veranstaltung, diese grenzenlose Flachheit.” Und schrieb weiter: “Man schämt sich, in so einem Sender überhaupt noch zu arbeiten.”
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