Tatort "Altes Eisen": Zum Jubiläum eine tolle Trudi
VON CHRISTIAN SIEBEN - zuletzt aktualisiert: 05.09.2011 - 07:31Düsseldorf (RPO). Seit 50 Fällen schickt der Kölner "Tatort" die Kommissare Ballauf und Schenk ins Rennen. Dass sich die Ermittler wie ein altes Ehepaar benehmen, sehen sie inzwischen selbst ein, was die Angelegenheit für den Zuschauer aber nicht besser macht. Wäre da nicht Transe Trudi gewesen.
Seit einiger Zeit ist es Mode, Kölner "Tatorte" zu verreißen. In der Regel mit Recht. Zu billig, wie Ballauf und Schenk bei Kölsch und Bratwurst die miese Welt erklären. Gerne in Zuschauer-Direktansprache, kompatibel für die ganz Doofen. Die Kommissare sind dicke Freunde, streiten dennoch ständig, wenn auch ohne echte Leidenschaft.
"Altes Eisen" warf dann auch gleich zwei schonungslose Schlaglichter auf die dunkle Domstadt. Das Schicksal von Transsexuellen in Deutschland ("Wussten Sie eigentlich, dass man bis 1980...?") ist oft traurig. Der Ausverkauf gemütlicher Arbeiter-Stadtteile ("Wo sollen Leute wie wir denn hin?...") natürlich auch. Eisenwarenläden können gegen Baumärkte nicht anstinken. So sieht's nämlich aus.
Dass "Altes Eisen" nicht im üblichen Kölner Sumpf versank, verdankt der Film zweier Stärken. Edgar Selge spielt das Schicksal eine Frau im Männerkörper anrührend, tragisch-traurig und doch mit Augenzwinkern. In diesen Momenten ("Likörchen?") lachte man nicht über Trudi, man schmunzelte mit Trudi.
Dass Trudi die Kommissare gleichzeitig duzt und mit Nachnamen anspricht, ist so eine typische Selge-Schrulle, die schon zu alten Münchener "Polizeiruf"-Zeiten für außergewöhnliche Momente sorgte. Am Ende gelingt sogar eine überraschende Auflösung des Falls. Trudis Tod bewegt, an Selges Auftritt wird man sich erinnern.
Daran konnte auch der Schema-F-Schluss (Versöhnung dieses Mal nicht vor, sondern neben der Pommesbude) nichts ändern. Kölsch an, Klappe zu.
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