Köln, Düsseldorf und Mainz: Karneval 2007: Superstimmung mit "Helau" und "Alaaf"
zuletzt aktualisiert: 20.02.2007 - 08:47Düsseldorf (RPO). Knallbunte Motivwagen, farbenprächtige Kostüme und ausgelassene Stimmung allerorten: Verkleidete Narren haben am Rosenmontag den Höhepunkt der fünften Jahreszeit gefeiert. Allein in den rheinischen Karnevals-Hochburgen Düsseldorf, Köln und Mainz trotzten rund 2,6 Millionen Schaulustige dem trüben Februarwetter und begrüßten mit begeistertem "Alaaf" und "Helau" die Umzüge.
Auf vielen Motivwagen gaben sich die Narren provokativ bis respektlos. Die Düsseldorfer Narren präsentierten nicht nur eine halb nackte Hitlerfigur, sondern auch zwei überlebensgroße islamische Extremisten mit Krummsäbeln, Pistolen und Sprengstoffgürteln. Der Düsseldorfer Zug lockte nach Polizeiangaben in diesem Jahr mehr Besucher als 2006 an.
Mehr Jecken als im Vorjahr
Es wurden rund 900.000 Besucher gezählt im Vergleich zu etwa 800.000 im Vorjahr. Es seien rund 730 Polizisten im Einsatz gewesen. Bis zum frühen Abend hätten die Jecken weitgehend friedlich gefeiert, sagte ein Sprecher der Düsseldorfer Polizei am Montag.
Auch die Kölner Polizei konnte bis von einem eher ruhigen Rosenmontag berichten. "Wir sind angenehm überrascht", sagte eine Sprecherin auf Anfrage. Wie in den Vorjahren seien die Einsatzzahlen nach dem Ende des Umzuges allerdings spürbar angestiegen. Es wurden überwiegend "karnevalstypische" Delikte wie Beleidigungen, Körperverletzungen und Ruhestörungen verzeichnet. 88 Jecken benötigten außerdem ambulante medizinische Hilfe, 57 Personen seien in Kliniken eingeliefert worden.
Polizei spricht insgesamt von ruhigem Verlauf
Die Kölner Rettungsdienste sprachen am Abend von einem insgesamt ruhigen Einsatztag. Gemessen an der Zahl der Menschen am Zugweg habe es relativ wenige Einsätze gegeben, die auch mühelos abgearbeitet werden konnten, berichtete der Malteser Hilfsdienst. Noch vor der offiziellen Bilanz zeichne sich eine Einsatzzahl auf dem niedrigen Niveau des vergangenen Jahres ab.
Unter dem Motto "Mir all sin Kölle" (Wir alle sind Köln) begann um elf Minuten vor elf der Zug in Köln. Auf einem der Motivwagen bekam auch Angela Merkel ihr Fett weg. Die Jecken zeigten auf einem Motivwagen, wie die überlebensgroße Kanzlerin den Deutschen Michel ins Reformbecken lockt, in dem Monster wie Mehrwertsteuer und Gesundheitsreform lauern. Auf die 1,2 Millionen Zuschauer ging allein in Köln ein Regen von etwa 150 Tonnen Süßigkeiten nieder.
Zahlreiche Motivwagen
Der 106. Mainzer Rosenmontagszug stand unter dem Motto "Fassenacht in Mainz am Rhein, Lebenslust für Groß und Klein". Zu den Klängen des Narhallamarsches setzten sich um 11.11 Uhr rund 9.300 Aktive aus 22 Vereinen und 26 Garden in Bewegung. Auf zahlreichen Motivwagen machten sich die Mainzer Narren über die große und kleine Politik lustig.
So präsentierte der Mainzer Carneval-Verein (MCV) eine erboste Freiheitsstatue, die US-Präsident George W. Bush das blanke Hinterteil versohlt: "Die Liberty haut kräftig druff - Kerl, bald hörste endlich uff."
Papst Benedikt XVI. stellten die Mainzer Narren als ungeschickten Autofahrer dar, der das Papamobil gegen ein Minarett lenkt, ein Hinweis auf die Reaktionen in der islamischen Welt auf die Regensburger Rede des Papstes.
Auch Münster und Dortmund feierten ausgelassen
Auch im westfälischen Münster war schwer was los: Mehr als 200.000 karnevalsbegeisterte Närrinnen und Narren fieberten auf den Straßen dem Höhepunkt der fünften Jahreszeit entgegen. Pünktlich um 12.11 Uhr fiel dann auch der Startschuss für die 111 Fußgruppen und Wagen. Bis 17 Uhr schlängelte sich der närrische Lindwurm durch Münsters Straßen. In Dortmund schätzt die Polizei die Zahl der Zuschauer an der Rosenmontagsstrecke auf rund 220 000.
Mehrere zehntausend Menschen kamen am Rosenmontag auch ins baden-württembergische Rottweil, um an einem der Höhepunkte der schwäbisch-alemannischen Fastnacht teilzunehmen. Rund 3.000 Aktive in farbenprächtigen Kostümen präsentierten dort den Rottweiler Narrensprung in der historischen Altstadt.
Karneval als Wirtschaftsfaktor
Karneval ist nicht nur unbeschwertes Vergnügen, sondern auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Allein in Köln setzen die Narren nach Angaben der Unternehmensberatung McKinsey in jedem Jahr etwa 500 Millionen Euro um. Rund 3000 Arbeitsplätze hängen unmittelbar von einem guten Gelingen der "Fünften Jahreszeit" ab. Vom florierendem Brauchtum profitieren Dienstleistungsunternehmen wie Gastronomie, Taxifahrer oder Reinigungen ebenso wie Hersteller und Lieferanten. Allein am Rosenmontag werden mehr als 140 Tonnen Kamellen unter die rund eine Million Narren am Zugweg geworfen, dazu kommen rund 700 000 Tafeln Schokolade, 220 000 Schachteln Pralinen sowie 300 000 kleine Blumengebinde, die "Strüßjer".
Für die Gestaltung der rund Fest- und Prunkwagen der Kölner Rosenmontagszugs werden 8000 Meter Dachlatten, fünf Kilometer Bindedraht, 2500 Quadratmeter Hartfaserplatten und eineinhalb Zentner Nägel und Schrauben verarbeitet.
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