(RP) Fast alle Thronfolger der europäischen Königshäuser haben Bürgerliche geheiratet. Die Hochzeit der schwedischen Kronprinzessin Victoria, die mit einem Fitnesstrainer liiert ist, wird in Kürze erwartet.
Daniel Westling ist ein Bursche vom Land. Einer, der Fußball liebt, der gern Baseballmützen trägt und Motorcross-Fahrer toll findet. Ein schelmischer Typ, ganz wie der freche Michel aus den Astrid-Lindgren-Romanen. Und ausgerechnet dieser junge Mann wird vermutlich der nächste König von Schweden. Naja, nicht ganz: Wenn Westling endlich Kronprinzessin Victoria heiratet, wird er irgendwann Prinzgemahl.
Seit sieben Jahren sind sie bereits ein Paar, und die Boulevard-Presse wartet begierig auf die Verkündung der Verlobung – und zwar schon so lange, dass neuerdings Gerüchte kursieren, Victorias Eltern würden die Hochzeit ihrer Tochter mit dem 35-jährigen Fitnesstrainer aus bürgerlichen Kreisen nicht gutheißen und deshalb so lange zögern.
Dabei ist auch Königin Silvia keine geborene Adelige, und in Prinzessin Victorias Adern fließt demnach nur verwässertes blaues Blut. Was vor einigen Jahrzehnten noch ein Skandal war, ist heute zur Norm geworden in den europäischen Königshäusern: In fast allen Monarchenfamilien haben Bürgerliche die Herzen der Adelsnachkommen erobert. Von den sieben europäischen Thronfolgern haben bis auf Victoria bereits alle geheiratet. Fünf ehelichten Bürgerliche – nur einer, der belgische Prinz Philip, führte eine Adelige zum Altar.
Durch die Kinderzimmer der Schlösser toben schon heute kaum noch reine Blaublüter. „Die Thronfolger werden in Zukunft fast ausschließlich Bürgerliche heiraten.“ Davon ist der Adelsexperte Rolf Seelmann-Eggebert überzeugt: „Königskinder wachsen heutzutage nicht mehr in reinen Adelskreisen auf“, sagt er. „Sie besuchen öffentliche Schulen und haben fast nur Kontakt zu Bürgerlichen.“ Da sei es keine Überraschung, dass sie sich in Normalsterbliche verlieben.
Die Spezies des echten Adeligen ist so vom Aussterben bedroht. Darin sieht Seelmann-Eggebert keine Gefahr für den Legitimationsanspruch der künftigen Monarchen. „Die Öffentlichkeit akzeptiert Bürgerliche als Monarchen“, sagt er. Dem Volk sei es gleich, ob in den Adern der Könige echtes blaues Blut fließt. Das erkenne man an den überschwänglichen Reaktionen auf die Hochzeiten in Norwegen, den Niederlanden oder Spanien.
Nicht die Herkunft sei für die Zustimmung des Volkes ausschlaggebend, sondern die Leistung der Adeligen. „Könige werden wie normale Berufstätige beurteilt“, erklärt er. „Nämlich danach, wie gut sie ihre Pflichten und Aufgaben erfüllen.“ Deshalb sei die englische Königin Elizabeth nie in Frage gestellt worden. „Sie erfüllt ihren Aufgabenkatalog hervorragend.“ Heutzutage könne es sich kein Adliger mehr leisten, champagnerschlürfend auf Luxusyachten über die Weltmeere zu schippern.
Laut Rolf Seelmann-Eggebert ist es in der heutigen Zeit kaum möglich, sich abzukapseln. „Das würde das Volk den Monarchenfamilien auch übelnehmen.“ Der Adelsexperte glaubt deshalb nicht, dass an den Gerüchten um die kritische Haltung des schwedischen Königspaares zu dem künftigen Schwiegersohn etwas dran sein könnte. „Das sind bloß Spekulationen.“
Doch ganz glücklich waren die Schweden nicht mit der Vorstellung, dass sie bald einem Fitnesstrainer zujubeln, der durch die Aufnahmeprüfung für die Uni gefallen ist: Die Klatschpresse hackte so lange auf dem niedrigen Bildungsstand und dem „nicht standesgemäßen“ Auftreten des potenziellen Prinzgemahls herum, bis dieser sich zu einer PR-Beraterin begab, Englisch lernte und etliche Weiterbildungen belegte. Baseballmützen trägt er seitdem nicht mehr.
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Quelle: RP