Schanghai (rpo). Chinesen gibt es eine ganze Menge. Und viele dieser Chinesen haben Sex - warum auch nicht. Bislang greifen sie zur Bereicherung dieser Tätigkeit wohl noch überwiegend auf Hausmittel zurück. Doch Erotikprodukte boomen im Reich der Mitte, inzwischen wird sogar ganz öffentlich über Sex gesprochen.
Inzwischen wird in China ganz öffentlich über Sex gesprochen. Foto: AP
"In fünf oder zehn Jahren werden die Chinesen reicher sein, sie werden ein besseres Leben führen - und sie werden mehr Spaß am Sex haben wollen." Mit dieser Formel bringt Wu Wei, Teilhaber eines chinesisch-japanischen Herstellers von Erotikartikeln, eine neue Entwicklung in China auf den Punkt: "Sexprodukte" stoßen im Reich der Mitte auf wachsendes Interesse.
Auf der "Messe für Erwachsene 2004" in Schanghai, umgeben von ausgefallenen Vibratoren, bunten Kondomen und aufblasbaren Puppen, übertrafen sich beispielsweise die Anbieter am Wochenende gegenseitig an Optimismus: Wu hofft, in diesem Jahr Produkte im Wert von umgerechnet knapp zwei Millionen Euro verkaufen zu können, doppelt so viel wie im Vorjahr. Er ist überzeugt, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis Ehepaare solche "Hilfsmittel" als "so normal wie Trinkwasser" empfinden.
Branchenkenner rechnen für die kommenden Jahren mit einer rasanten Entwicklung auf dem Markt für Erotikprodukte im bevölkerungsreichsten Land der Welt. Einschließlich Kondomen und Potenzmitteln seien im vergangenen Jahr Produkte im Wert von umgerechnet knapp zehn Milliarden Euro verkauft worden. "Es ist wie eine Revolution - wie die Erfindung der Glühbirne", sagt Zhang Yan, der Apparate gegen Erektionsprobleme herstellt.
Bisher verkaufen die meisten Anbieter von Erotikprodukten noch vor allem in Europa, Japan und den USA - dorthin gehen rund 80 Prozent der Absätze. In China immerhin haben seit 1993, als infolge von Reformen die Herstellung von Erotikspielzeugen möglich wurde, landesweit gut 20.000 Sex-Shops eröffnet.
Dies ist bemerkenswerte Entwicklung, denn unter dem Einfluss der kommunistischen Partei wurde in China Sex als Vergnügen lange Zeit misstrauisch beäugt; ihm haftete gar der Beigeschmack des Konterrevolutionären an. Die marktwirtschaftlichen Reformen aber haben das Land einem tiefen Wandel unterworfen, bei der Gestaltung ihres Privatlebens haben die Menschen heute mehr Freiheiten.
"In manchen modernen Städten wie zum Beispiel Schanghai trauen sich die Menschen inzwischen, öffentlich über Sex zu sprechen", sagt Wu Wei. "Vor zehn Jahren wäre das undenkbar gewesen."
Quelle: afp