(RP) Klausjürgen Wussow ist tot. Der Schauspieler starb am Dienstag 78-jährig in einem Berliner Pflegeheim. Als „Professor Brinkmann” in der Schwarzwaldklinik wird er unvergesslich bleiben. Seine letzten Jahre hingegen waren traurig.
Im August 2004 drehte er die Kuckucks-Uhr noch einmal 20 Jahre zurück. Glücklich strahlend stand der Krankenhaus-Chef da im Garten eines Schwarzwald-Hotels, seinen Sohn Sascha zur Rechten, beide ganz in Weiß gekleidet. Klausjürgen Wussow genoss das Blitzlichtgewitter der Fotografen, das beinah ehrfürchtige Gemurmel der Touristen, die wieder mal ins Glottertal geströmt waren, um Deutschlands berühmtesten TV-Chefarzt aus der Nähe zu sehen. Es war die Rückkehr „seiner” Schwarzwaldklinik. Für eine Geburtstags-Neuauflage der erfolgreichsten deutschen TV-Serie der 80er Jahre verschaffte Produzent Wolfgang Rademann dem Alt-Star noch einmal einen großen Fernseh-Auftritt - es sollte einer seiner letzten sein.
Am Dienstag starb Klausjürgen Wussow verarmt und demenzkrank in einem Berliner Pflegeheim, wo er zuletzt rund um die Uhr betreut worden war. Seine erste Ehefrau Jolande sagte: „Meine Tochter hat mich angerufen. Im Grunde ist es eine Erlösung für ihn.” Und auch Rademann betonte, er sei erleichtert, dass Wussow „von seinem Leiden erlöst ist”. Ein Altern in Würde war dem Schauspieler nicht vergönnt. Mehr mit privatem Familienkrach als bemerkenswerten beruflichen Erfolgen hatte er in den letzten Jahren die Schlagzeilen der Boulevardblätter bestimmt. Sein Leben nahm sich oft aus wie eine schlechte TV-Seifenoper.
Dabei war Wussow, der am 30. April 1929 im pommerschen Cammin geboren wurde, eigentlich ein seriöser „Mann der Bühne”, ein begnadeter Vertreter des Charakterfachs. Schon als Schüler unternahm er erste schauspielerische Gehversuche. Nach dem Krieg ließ er sich am Berliner Hebbel-Theater ausbilden. Er spielte an den Städtischen Bühnen Frankfurt, Düsseldorf, Köln, Zürich und München.
Von 1964 bis 1984 gehörte Wussow zum Ensemble des Wiener Burgtheaters „des besten Theaters der Welt”, wie er einmal sagte. Er gab die strahlenden Helden von Faust bis Macbeth, stets gut aussehend, charmant und vom Publikum geliebt. Kein Wunder, dass so einer irgendwann für die Fernsehunterhaltung entdeckt wurde. Im Oktober 1985 übernahm Wussow, der bereits in den 50er Jahren als Inspektor Featherstone in Edgar-Wallace-Filmen für Recht und Gesetz gekämpft hatte und in den 70ern als „Kurier der Kaiserin” durch die Lande ritt, die Rolle seines Lebens. Für den Part des „Professor Brinkmann” in der Schwarzwaldklinik ließ sich der Mime sogar vom Theater beurlauben ein folgenreicher Entschluss.
Bis zu 28 Millionen Zuschauer verfolgten die 70 Episoden über das Krankenhaus im Glottertal, in dem Wussow als begnadeter Chirurg und verständnisvoller Freund aller Patienten von Erfolg zu Erfolg eilte. Damit kam er sogar ins Guinness-Buch der Rekorde. Die Frozzeleien mit der robusten Oberschwester Hildegard, die romantische Liebesbeziehung zu Schwester Christa - das war genau der Serienstoff, von dem die Deutschen träumten. Die fünfstöckige Klinik im Grünen wurde so bekannt wie der Kölner Dom oder Schloss Neuschwanstein.
Damit war Wussow auf die Arzt-Rolle festgelegt. Doch zuckrige Schmonzetten wie etwa die „Klinik unter Palmen” konnten nicht ansatzweise an die goldenen Schwarzwaldklinik-Zeiten heranreichen. Die Rollenangebote wurden immer weniger.
Dafür beherrschte das Privatleben des Stars nun die Öffentlichkeit leider nur selten positiv. Besonders spektakulär verlief der drei Jahre dauernde Rosenkrieg Wussows mit seiner dritten Ehefrau Yvonne, der erst mit der Scheidung 2003 ein Ende fand. Kurz zuvor hatte der Schauspieler, inzwischen mit der Witwe des Boxers Gustav „Bubi” Scholz liiert, sogar private Insolvenz anmelden müssen. Und auch nach der Hochzeit mit Sabine Scholz, die er „Bienchen” nannte, gab es weiter Wirbel. Als Wussow schließlich verkündete, einen Affen adoptieren zu wollen, zweifelten nicht wenige an seiner Zurechnungsfähigkeit.
Es folgten Schlaganfälle, Zusammenbrüche, im Sommer 2006 wurde Klausjürgen Wussow schließlich ins Pflegeheim eingeliefert. Dort erlitt er einen Kollaps. Selbst ein Arzt wie Professor Brinkmann hätte ihm zuletzt nicht mehr helfen können.
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Quelle: RP