(RP) "Krisen gehören zum Leben. Die Frage ist nur, wie man wieder herauskommt? Die Politik ringt zur Zeit mit sich: Was hilft in der Krise? Konjunkturprogramme oder besser Abwarten?
Jürgen Becker ist seit 1991 mit Solo-Programmen auf Tour. Foto: RP, Miserius
Auf diese Frage gibt es in der Wirtschaft zwei widerstreitende Theorien. Das eine ist der Monetarismus. Das andere ist der Keynesianismus. Die Unterschiede sind folgende: Stellen wir uns vor, eine Stadt hat drei Kneipen; in einer geht das Kölsch aus – Wirtschaftskrise. Es läuft nix mehr. Jetzt sagt der Monetarist: "Dat ess ejal." Soll der Laden doch dicht machen. Wir glauben an die Selbstheilungskräfte des Durstes. Dann gehen die Leute mit den Moneten in die nächste Kneipe. Monetarismus heißt übersetzt: "Die Karawane zieht weiter, der Sultan hät Doosch." Der Fachterminus lautet: "Jommer en en andere Kaschämm!" Der Durst regelt alles.
Wenn die zweite Kneipe auch kein Bier mehr hat, geht man in die dritte. Und wenn die dann auch kein Kölsch mehr hat, muss man eben ohne Nachtleben auskommen. Das heißt, das Ergebnis des Monetarismus ist am Ende so was wie Dormagen.
Anders der Keynesianismus. Der sagt, man muss eingreifen: Konjunkturprogramm mit Steuern. Wenn die Kneipe kein Kölsch mehr hat, dann müssen die Gäste, also die Bürger, sich selbst welches beschaffen. Das heißt, die bringen Bier von zu Hause mit, geben das als Steuern dem Staat und dieser gibt es weiter an den Wirt. Und der verkauft es einem dann wieder. Will sagen: Man kauft sich selbst ein Bier ab und trinkt das mit den anderen zusammen. Der Keynesianismus hat also das Prinzip "Drenk doch ene met." Das bringt wirtschaftlich auch nichts – aber es ist geselliger! Und die Kneipen bleiben auf. Und so lange man das schafft, hat Deutschland eine Chance. Prost!
Das Problem ist der Strohfeuer-Effekt: Ausgerechnet die beiden besten Konjunkturprogramme fallen in die selbe Zeit. Weihnachten und Karneval. Weihnachten ist schön, aber in der Session stört es doch!"
Jürgen Becker geboren am 27. August 1959 in Köln, Grafiker, "Gründer" der "Stunksitzung" und Moderator der Kabarettsendung "Mitternachtsspitzen"
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Quelle: RP