Ministerpräsident Wulff will Sondererlaubnis für Entertainer: Rudi Carrell: Beisetzung im eigenen Garten ungeklärt
zuletzt aktualisiert: 12.07.2006 - 18:12Bremen (rpo). Rudi Carrell hat den Kampf gegen den Lungenkrebs verloren, doch er ist friedlich eingeschlafen. Seine Familie hat dem Showmaster einer Trauerfeier im kleinen Kreis bereits die letzte Ehre erwiesen. Wo er beigesetzt wird, ist noch unklar. Doch einen Wunsch hatte Rudi Carrell schon: den eigenen Garten. Das ist zwar verboten, doch Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff will sich für eine Sondergenehmigung einsetzen.
Über den Grabplatz Rudi Carrells wird voraussichtlich frühestens Anfang kommender Woche entschieden. Bislang habe die Familie keinerlei Anträge gestellt, sagte sein Schwiegersohn Dieter Klar, Ehemann von Carrells Tochter Annemieke. Die Hinterbliebenen wollen über die Bestattung gemeinsam mit Carrells Sohn Alexander beraten. Anders als geplant könne dieser nicht vor dem Wochenende, vielleicht auch erst Anfang der kommenden Woche aus Australien anreisen.
Streit zeichnet sich ab, wenn die Urne neben der von Carrells zweiter Frau Anke auf dem Grundstück in Syke bestattet werden soll. Ministerpräsident Christian Wulff plädiert für eine Sondergenehmigung, wie die Staatskanzlei am Mittwoch in Hannover bestätigte. Nach Angaben der Staatskanzlei kann das Grab von Carrells zweiter Frau als bislang behördlicher geduldeter privater Bestattungsplatz gelten. Auf solchen privaten Friedhöfen sei es möglich, weitere Bestattungen zu erlauben.
"Ich würde es ausdrücklich begrüßen, wenn die zuständige Behörde die Genehmigung für die Familie Carrell erteilen würde", sagte der Ministerpräsident der "Bild". Sein Schwiegersohn Dieter Klar begrüßte Wulffs Initiative für eine Sondergenehmigung als "unheimlich nobel".
Die Stadt Syke sieht jedoch keine rechtlichen Möglichkeiten für eine solche Genehmigung. Sie geht davon aus, dass Carrells zweite Frau gar nicht beerdigt wurde. "Nach meiner Kenntnis ist die Frau dort nicht begraben", sagte der Leiter der Syker Ordnungsamtes, Horst Meyer, der AP. Bei dem Stein handele es sich allenfalls um einen Gedenkstein, erklärte er. "Aus meiner jetzigen Sicht und Kenntnis kann Herr Carrell dort nicht begraben werden", sagte Meyer. Rechtlich sehe er keine Möglichkeiten, eine Bestattung auf dem Grundstück zu genehmigen. Zudem gebe es bislang von Carrells Erben auch keinen solchen Antrag.
Rudi Carrell hatte vor seinem Tod geäußert, er wolle im Garten seines Zwölf-Hektar-Anwesen mit Wassermühle in Syke bei Bremen beigesetzt werden, in einem gemeinsamen Grab mit seiner zweiten Frau Anke. Das ist jedoch eigentlich per Gesetz verboten.
Es wäre nicht die erste Ausnahme: Bereits vor vier Jahren erhielt die Familie des Ex-Ministerpräsidenten Ernst Albrecht (CDU) und der derzeitigen Familienministerin Ursula von der Leyen die Erlaubnis, die verstorbene Heidi-Adele Albrecht, Mutter der Ministerin, im Garten zu bestatten. Den Ausschlag gab, dass die Familie befürchten musste, an einem öffentlichen Grab nie in Ruhe trauern zu können.
Der Termin für die Beisetzung des beliebten Niederländers steht noch nicht fest. Klar ist jedoch, dass die Beerdigung unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet. Das hatte er in einem seiner letzten Interviews geäußert: "Ich habe zu meinen Kindern gesagt, dass ich keine öffentliche Beerdigung will." Dann scherzte er: "Aus Angst vor den Jacob Sisters! Mit ihren komischen Pudeln zerstören sie doch jede Atmosphäre, die sind auch bei Moshammer aufgetaucht."
Spontane Trauerfeier
Zur Trauerfeier für den Entertainer waren Verwandte aus Holland gekommen, darunter die Schwester und zwei Brüder. Das Treffen habe eher spontanen Charakter gehabt und in Syke und in Carrells Haus im Syker Ortsteil Wachendorf stattgefunden, hatte Carrells Schwiegersohn Dieter Klar berichtet.
Carrell war bereits 1964, als Radio Bremen ihn unter Vertrag nahm, in die Bremer Gegend gezogen. Mit seiner ersten Frau hatte er die Töchter Annemieke und Carolin bekommen. 1974 hatte er die Bremerin Anke Bobbert geheiratet. 1977 kam Sohn Alexander zur Welt. Zuvor hatte die Familie in Syke bei Bremen einen ehemaligen Gutshof bezogen. Auf diesem Zwölf-Hektar-Anwesen mit Wassermühle hatte Carrell ein Studio und Ideen-Archiv eingerichtet.
Dort arbeitete der vierfache Großvater nach Angaben von Annemieke Kesselaar-Klar bis zuletzt und half ihr bei ihrem Projekt Internet-TV in Buxtehude. Vor fünf Jahren hatte Carrell zum dritten Mal geheiratet, die 36 Jahre jüngere Magdeburger Hotelfachfrau Simone Felischak.
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