Ex-Kommunarde: Alt-68er Fritz Teufel gestorben
zuletzt aktualisiert: 07.07.2010 - 13:46Berlin (RPO). Einer der führenden Köpfe der 68er-Bewegung ist laut einem Medienbericht ist tot. Fritz Teufel ist im Alter von 67 Jahren verschieden.
Wie die Berliner "tageszeitung" schreibt, starb Teufel am Dienstag in Berlin. Das frühere Mitglied der Kommune I habe seit Jahren an einer schweren Krankheit gelitten. Rainer Langhans, der gemeinsam mit Teufel vorübergehend in der legendären "Kommune 1" lebte, bestätigte am Mittwoch auf ddp-Anfrage einen entsprechenden Bericht der Berliner "tageszeitung". Langhans habe es in der Nacht zu Dienstag von Freunden erfahren. "Ich wusste, dass es nah davor ist."
Fritz Teufel kam 1963 nach Berlin und begann ein Studium der Germanistik, Publizistik und Theaterwissenschaften an der Freien Universität Berlin. Mit Dieter Kunzelmann war er einer der Begründer der Kommune I, die vor allem durch ihre bewusst provokanten, gegen die herrschenden Gesellschaftsbedingungen gerichteten, Aktionen bundesweite Aufmerksamkeit erregte.
Teufel war ab Ende der 60er Jahre bekannt für seine provozierenden Politaktionen. Er lebte zusammen mit Rainer Langhans, Uschi Obermaier und Dieter Kunzelmann in der Kommune 1. Teufel verbüßte diverse Haftstrafen, unter anderem als Mitglied der terroristischen "Bewegung 2. Juni". Später arbeitete er laut "taz" als Bäcker in London und viele Jahre als Fahrradkurier in Berlin.
Langhans: 68 war auch wegen Teufel so erfolgreich
Der Begründer der legendären Berliner "Kommune 1", Rainer Langhans, hat den großen Anteil des verstorbenen Fritz Teufel am Erfolg der 68er-Bewegung gewürdigt. Der "friedfertige Fritz" sei sehr früh sehr bekannt gewesen, sagte Langhans am Mittwoch in München der Nachrichtenagentur ddp. Sein früherer Mitstreiter war am Dienstag nach langer Krankheit im Alter von 67 Jahren gestorben.
Der 70 Jahre alte Langhans nannte Teufel einen "Märtyrer der Bewegung", weil dieser als einer ihrer bekanntesten Aktivisten am 2. Juni 1967 bei einer Demonstration gegen den persischen Schah in Berlin verhaftet worden war und acht Monate in Untersuchungshaft saß. Damit sei Teufel neben dem von einem Polizisten erschossenen Studenten Benno Ohnesorg das "zweite Opfer" dieses Tages gewesen. "Fritz war sehr geschädigt danach", sagte Langhans.
"Obwohl er ein ungemein friedfertiger und humorvoller Mensch war, hat er dann bei der 'Bewegung 2. Juni' mitgemacht", erinnerte sich Langhans. Teufel habe zwar nicht geschossen, "aber er war bewaffnet".
Weil Langhans selber den bewaffneten Kampf ablehnte, wurde er von den übrigen Mitstreitern als Verräter beschimpft. Teufel habe seine Meinung diesbezüglich aber geändert: "Zu seinen Gunsten muss ich sagen, er war der erste und einzige nach 20 Jahren, der mir sagte: Du warst kein Verräter."
Dennoch hatten die beiden, die von Anfang 1967 bis Herbst 1968 gemeinsam in Berlin lebten, lange Zeit keinen Kontakt. Teufel habe die "Kommune 1" in Richtung München verlassen, um dort eine eigene Wohngemeinschaft zu gründen, sagte Langhans. Der letzte telefonische Kontakt mit seinem ehemaligen Mitbewohner liege etwa ein Jahr zurück.
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