Biografie erscheint: Angelina Jolie – ganz privat
VON TINA STOCKHAUSEN - zuletzt aktualisiert: 03.08.2010 - 13:24(RP). Der Hollywoodstar erfüllt viele Rollen: Sechsfache Mutter, UN-Botschafterin, Sex-Symbol. Eine Biographie versucht, den Menschen hinter der Fassade des perfekten Superstars zu ergründen.
Morgens ist sie eine tätowierte Göttin in T-Shirt und Turnschuhen. Selbst wenn sie nur zum Brötchenholen auf die Straße tritt, wirkt sie mit den langen, braunen Haaren und den vollen Lippen fast übernatürlich schön auf jedem der Paparazzi-Fotos. Und kaum ein Tag vergeht, ohne dass neue Bilder von ihr in den Medien auftauchen.
Angelina Jolie ist die derzeit interessanteste Person Hollywoods. Klatschblätter drucken allwöchentlich seitenweise Gerüchte über den Star, und jetzt widmet sich eine 465 Seiten starke Biographie dem Leben der 35-Jährigen. Geschrieben hat sie Andrew Morton, der mit seiner Biographie über Prinzessin Diana bekannt geworden ist. Anhand von langen Gesprächen mit Freunden und Angehörigen hat Morton nun versucht zu ergründen, welcher Mensch hinter der so perfekt wirkenden Superfrau Angelina Jolie steckt.
Es ist nicht leicht, ihre Persönlichkeit zu fassen hinter all den Rollen, die sie in der Öffentlichkeit darstellt. Sie ist sechsfache Mutter, Sex-Symbol, Lebensgefährtin, Karrierefrau und UN-Botschafterin – mühelos scheint die Schauspielerin all den Ansprüchen gerecht zu werden, die heute an die moderne Frau gestellt werden.
Doch nicht Jolies Schönheit und die vielen Rollen, die sie ausfüllt, machen sie zu einer Ausnahmeerscheinung. Es ist ihre Unberechenbarkeit, ihre Exzentrik, die die Öffentlichkeit in Atem hält. Zuletzt hat sie vergangene Woche bei der Premiere ihres Filmes "Salt" in Berlin für Schlagzeilen gesorgt, als an ihrem Unterarm ein neues Tattoo sichtbar wurde. Es soll ihr mittlerweile dreizehntes sein.
Es sind solche Ausbrüche aus dem Raster des Normalen, die Angelina Jolie ausmachen, die sie so interessant machen im Vergleich zur Hollywood-Elite. Jolie hat nicht die üblichen zwei Kinder – sie hat sechs. Sie ist nicht verheiratet, aber sie lebt seit Jahren mit Hollywood-Star Brad Pitt zusammen, den sie zuvor Schauspielerin Jennifer Aniston ausgespannt hatte – ein Skandal, der die Boulevardpresse monatelang beschäftigte. Drei ihrer sechs Kinder sind adoptiert, stammen aus Kambodscha, Vietnam und Afrika. Das Bild der heilen amerikanischen Vorzeige-Familie ist das nicht.
Liest man Mortons Biographie, liegen die Gründe für den Hang zum Extremen in Jolies Kindheit und Herkunft. Man erfährt von einer tief verletzten und beziehungsgestörten Frau, deren Leidensweg bereits in der Kindheit begonnen haben soll: Jolie wurde demnach als Baby jahrelang vernachlässigt und leidet bis heute an dieser traumatischen Erfahrung. Sie soll allein in einem kargen Zimmer, drei Stockwerke über der Wohnung der Mutter, gelegen haben.
Viele der Erzählungen sind nur Behauptungen Dritter, feststeht jedoch, dass sich ihre Eltern kurz nach ihrer Geburt trennten. Ihr Vater, Oscar-Preisträger Jon Voight, hatte eine Affäre. Angelina und ihr Bruder wuchsen bei der Mutter in Los Angeles auf. Angelina soll ein introvertiertes Kind gewesen sein, still, aber eigenwillig. Als Teenager rebellierte sie gegen die schöne heile Welt von Beverly Hills: Sie kleidete sich demonstrativ in Schwarz, kaufte sich klobige Schuhe und schloss sich der Gothic-Szene an. Sie sammelte Messer und Schwerter, wollte Bestatterin werden. Mit 13 Jahren begann sie laut Morton, Drogen zu nehmen und sich selbst zu verletzen: Sie ritzte sich.
Ihre Drogenvergangenheit hat Jolie zugegeben, und ihr Hang zu düsterer Exzentrik, Schmerz und Rebellion zieht sich bis heute durch ihr Leben: Noch vor zehn Jahren bekundeten sie und ihr damaliger Geliebter Billy Bob Thornton, dass sie stets einen Tropfen Blut des anderen in einer Kapsel an einer Halskette tragen würden. Sie ließ sich seinen Namen auf die Haut tätowieren.
Sie hat den Namen später weglasern lassen. Trotzdem übersäen immer neue Symbole und Schriftzeichen ihren Körper. Sie hat mal gesagt, Tattoos seien "etwas Dauerhaftes, wenn man ein Stück Selbstfindung geschafft hat." Sie wirken an ihr wie Souvenirs von ihren kurzen Fluchten aus dem Leben eines Superstars, der alle Rollen gleichzeitig spielt. Wie Symbole dafür, dass Angelina Jolie gar nicht perfekt sein will, dafür aber einzigartig – menschlich eben.
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