Prominente im Rausch: Berühmt, reich, süchtig
VON ANDREA WULF UND JÜRGEN STOCK - zuletzt aktualisiert: 15.02.2007 - 11:58Düsseldorf (RPO). Immer wieder schockieren Film- und Pop-Stars mit Bekenntnissen über ihre Alkohol- oder Tabletten-Sucht. Der Druck, der auf den Prominenten lastet, ist unerbittlich. Ihre durchschnittliche Lebenserwartung in den USA: 58 Jahre.
Den Oberkörper von Robbie Williams ziert ein Tattoo mit der Inschrift: „Chacun à son goût“ - „jeder nach seinem Geschmack“. Offenbar haben dem Pop-Star bunte Pillen in letzter Zeit leider besonders gut geschmeckt. Seinen 33. Geburtstag feierte er am Dienstag in einer Entzugsklinik. Nicht zum ersten Mal. Die Alkohol-, Drogen und Tablettenexzesse des ehemaligen Take-That-Sängers sind notorisch.
Musiker und Filmschauspieler scheinen dafür schon in jungen Jahren anfällig: So hat sich Filmsternchen Lindsay Lohan (20), eine gute Freundin von Williams, vor kurzem in das Reha-Zentrum Wonderland in Los Angeles eingewiesen, um ihren Alkoholkonsum endlich in den Griff zu kriegen. Sie soll auf gar keinen Fall ihre Therapie unterbrechen. Nur so kann sie der Versuchung entgehen, die eine Premierenfeier zwangsläufig mit sich bringt: bei ausgelassener Stimmung Alkohol zu trinken. Die Gefahr ist groß, denn Lindsay Lohan hat schon mehrere Versuche hinter sich, endlich von der Flasche loszukommen. Doch auch ihre Sitzungen bei den Anonymen Alkoholikern brachten nicht den gewünschten Erfolg. Mit ihren 20 Jahren darf die Schauspielerin in den USA noch nicht mal Alkohol kaufen; laut Gesetz liegt die Altersfreigabe erst bei 21 Jahren.
Doch der Erfolgsdruck, der auf dem Teenie-Star lastet, muss so enorm sein, dass sie sich auch in der Öffentlichkeit immer wieder mit Cocktails betrank - die ihre „guten“ Freunde für sie kauften. Ihre Mutter hofft jetzt, dass es Lindsay in der Klinik schafft, endlich vom Alkohol loszukommen. „Es ist ein großer Schritt für sie gewesen”, sagte Dina Lohan. „Hollywood kann einem wirklich Angst machen; man steht ständig unter Kontrolle.” Auch Lindsay Lohans Freundinnen Paris Hilton, Nicole Ritchie und Britney Spears sind immer wieder durch exzessiven Alkohol-Konsum in der Öffentlichkeit aufgefallen.
Dabei sind keineswegs nur Teenie-Stars von der Sucht betroffen. Gleich reihenweise haben sich in letzter Zeit Hollywood-Urgesteine als Alkoholiker geoutet - so wie Mel Gibson, dessen Auto-Fahrt unter Alkoholeinfluss gravierende Folgen haben sollte. Sturzbetrunken hatte der Schauspieler und Regisseur im Auto gegen seine Festnahme randaliert. Wieder nüchtern, bekannte Gibson reumütig, alkoholabhängig zu sein und sich sofort in Behandlung zu begeben. Auch Gibson hat bereits mehrere Therapieversuche hinter sich. „Seit ich erwachsen bin, kämpfe ich gegen den Alkohol“, sagte Gibson (51).
Der populäre Schauspieler Robin Williams (55, Mrs. Doubtfire) erlitt kürzlich einen herben Rückfall. „Nach 20 Jahren Abstinenz hat er wieder mit dem Trinken angefangen”, erklärte seine Sprecherin Mara Buxbaum. Williams will jetzt seiner Familie zuliebe einen erneuten Versuch wagen, endlich trocken zu werden. Ähnliche Versicherungen gaben in letzter Zeit auch David Hasselhoff (Knight Rider), die Schauspielern Nick Nolte und Gary Oldman sowie Country-Sänger Keith Urban ab, der mit der Schauspielerin Nicole Kidman verheiratet ist.
In einer Studie hat der amerikanische Professor für Medienwissenschaften, Jib Fowles, das Leben von 100 berühmten Stars untersucht. Seine Ergebnisse, die in „Psychology Today“ veröffentlicht wurden, sind erschreckend. „Der Druck, der auf den Prominenten lastet, ist unerbittlich. Hinzu kommt, dass ihr Privatleben immer mehr in den Hintergrund rückt.“ Die Folge ist nicht nur ein gesteigertes Suchtverhalten, sondern auch eine viermal größere Selbstmordrate als bei „Normalsterblichen“. Die durchschnittliche Lebenserwartung von Prominenten beträgt in den USA nur 58 Jahre.
Auch Robbie Williams ist offensichtlich stark gefährdet. Dem Vernehmen nach leidet er an Depressionen. Zuletzt hat er nach eigenen Angaben - unter anderem - große Mengen des Schmerzmittels Oxycodons und des Beruhigungsmittels Xanax geschluckt haben. Beide Stoffe können schon nach relativ kurzer Einnahme-Zeit abhängig machen. Williams hat seine Sucht selbst in einem Lied auf seiner jüngsten, nur mäßig erfolgreichen Platte besungen. In dem Song „Good Doctor“ fordert er: „Gib mir jede Menge Pillen!“
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