Viele Prominente unter den Gästen: Bewegende Trauerfeier für Inge Meysel
zuletzt aktualisiert: 23.07.2004 - 13:29Hamburg (rpo). In einer bewegenden Trauerfeier haben in Hamburg Freunde, Verwandte und Fans der verstorbenen Schauspielerin Inge Meysel Abschied genommen. Rund 400 geladene Gäste, darunter viele Prominente, nahmen an dem feierlichen Veranstaltung in einer Kapelle auf dem Hamburger Friedhof Ohlsdorf teil.
"Sie war eine Frau aus dem Volk und das Volk liebte sie dafür", würdigte Regisseur Dieter Wedel die vor zwei Wochen im Alter von 94 Jahren Verstorbene in seiner Trauerrede. Inge Meysel sei ein lebendiger, witziger Mensch gewesen, ein "wirklicher Star". "Wer ihr Freund war, darf stolz darauf sein", sagte Wedel.
Als offizielle Vertreterin der Stadt Hamburg sagte die zweite Bürgermeisterin Birgit Schnieber-Jastram: "Wir behalten sie als anständigen Menschen mit Ecken und Kanten in Erinnerung." Meysel sei eine Frau gewesen, die Farbe bekannt habe und die "Mut wider jedes Duckmäusertum gezeigt habe".
Ingeborg Wölffer, beste Freundin Inge Meysels, erinnerte daran, dass sich die Schauspielerin nichts habe gefallen lassen: "Deine Parole war: Widersprecht, geht raus, lebt".
Im der Kapelle saßen Christiane Pollard-Meysel, Adoptivtochter von Inge Meysel, sowie Meysels Betreuer Peter Knuth und eine enge Freundin in der ersten Reihe. Kränze hatten unter anderem Bundeskanzler Gerhard Schröder und der Hamburger Bürgermeister Ole von Beust geschickt. Untermalt wurde die Trauerfeier von Klarinettenmusik, als letztes Lied wurde eine Klarinettenversion des Freddy Quinn-Schlagers "Junge, komm bald wieder" gespielt.
Schon vor Beginn der Feier zeigten sich viele Stars aus Show und Film traurig über den Tod von Meysel. Die frühere "Tagesschau"-Sprecherin Dagmar Berghoff sagte: "Aus meiner Sicht hat sie ein sehr erfülltes Leben gehabt. Sie war eine grandiose Schauspielerin." Schauspielerin Evelyn Hamann sagte: "Sie war eine wunderbare, großartige, gütige und couragierte Frau." Filmproduzent Gyula Trebitsch erinnerte sich vor allem an Inge Meysels Menschlichkeit.
Meysel hatte verfügt, dass ihre Leiche verbrannt werden sollte. Die Urne wurde neben ihrem 1965 gestorbenen Mann John Olden beigesetzt. Im Anschluss an die Beisetzung sollten auch die Hamburger am Grab defilieren dürfen. Für die Gäste ist am Nachmittag ein Empfang in einer Gaststätte im Stadtteil Harburg geplant.
Die Schauspielerin war am 10. Juli im Alter von 94 Jahren gestorben. Meysel hatte sich erst im April den Oberschenkel gebrochen und litt an Altersdemenz. Zuletzt war sie pflegebedürftig gewesen.
Meysel wurde am 30. Mai 1910 als Tochter einer Dänin und eines jüdischen Tabakwarenhändlers in Berlin geboren. 1930 debütierte sie in Zwickau, später wurde sie jedoch mit einem Auftrittsverbot belegt. Ihren Durchbruch schaffte sie 1959/60 in dem Stück "Das Fenster zum Flur" als Portiersfrau mit hohen Ambitionen für ihre Kinder. Diese Rolle brachte ihr später den Ruf als "Mutter der Nation" ein - obwohl sie nach eigenem Bekunden alles andere als ein mütterlicher Typ war. In den letzten 40 Jahren spielte sie in mehr als 100 Fernsehproduktionen meist resolute Frauengestalten mit rauer Schale.
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