Letzte Ehre für die Volksschauspielerin: Bewegender Abschied von Heidi Kabel
zuletzt aktualisiert: 25.06.2010 - 15:28Hamburg (RPO). Es war ein bewegender Abschied, den die Hamburger am Freitag von Heidi Kabel genommen haben. Familienangehörige, Weggefährten, Schauspielerkollegen und weitere Hunderte Gäste erwiesen der Verstorbenen in der Hauptkirche St. Michaelis die letzte Ehre.
Dabei verlief die eineinhalbstündige Trauerfeier wie das zuletzt oft beschriebene Leben der Volksschauspielerin: hanseatisch, herzlich, augenzwinkernd. Einzig der erwartete Andrang in und vor der Kirche, die im Volksmund Michel genannt wird, blieb überraschend aus.
Geschmückt mit Nelken
Für einen edlen, schlichten mahagonifarbenen Sarg hatten sich Kabels drei Kinder Heidi, Jan Rasmus und Heiko: Aufgebahrt vor dem 20 Meter hohen Altar der jahrhundertealten Barockkirche, geschmückt mit roten und weißen Nelken. Rechts daneben erinnerte ein Ölgemälde, das Kabel in jungen Jahren darstellte, an die lebensfrohe Schauspielerin. Die Familie verabschiedete ihre Mutter, Großmutter und Urgroßmutter mit einem mit rosa Rosen und blauen Rittersporn bestückten Kranz, der die plattdeutsche Aufschrift "Slaap goot, dien Kinner" ("Schlaf gut, deine Kinder") trug.
Auch das Ohnsorg-Theater, auf dessen Bühne Kabel mehr als 65 Jahre in über 160 plattdeutschen Stücken gewirkt hatte, schickte mit einem Kranz aus roten Rosen und Gerbera und der Aufschrift "Wir trauern um Dich" einen letzten Gruß. An der einst "Niederdeutschen Bühne" hatte Kabel in den 30er Jahren ihre Karriere begonnen. Mitte der 50er Jahre avancierte sie durch die TV-Übertragungen aus dem Ohnsorg-Theater bundesweit zum Star.
Im Alter von 95 Jahren sei Kabel am 15. Juni "friedlich" eingeschlafen, sagte der frühere Hamburger Bürgermeister Henning Voscherau (SPD) in seiner Trauerrede. Zuvor habe sie sich nach dem Tod ihres Mannes, dem Regisseur Hans Mahler, 40 Jahre "allein behauptet". Kabel sei "der Mittelpunkt der Familie" gewesen, die "große Menschendarstellerin" und der bescheiden gebliebene Star. "Heidi Kabel konnte alles - auf der Bühne und im Leben", sagte er.
Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) zufolge hat Kabel "uns aus der Seele gesprochen, uns aus der Seele gespielt". Mit ihrer Schauspielkunst habe sie Herzen berührt und Emotionen geweckt. Nun müsse Hamburg Abschied nehmen von dieser "großartigen Frau", von einer "echten Hamburger Deern", von einer Botschafterin Hamburgs in ganz Deutschland.
Eine Frau mit Niveau und Intelligenz
Für NDR-Intendant Lutz Marmor war die Verstorbene "keine Diva", sondern "eine Frau mit Witz, Niveau, Charme und Intelligenz". Er verneige sich vor ihrem Lebenswerk. Ohnsorg-Theater-Intendant Christian Seeler bezeichnete Kabel als "Ikone und Star des deutschen Volkstheaters".
Zum Schluss der Trauerfeier ergriff Kabels Tochter Heidi Mahler das Wort, nachdem sie zuvor sekundenlang mit der Hand am Sarg der Mutter verweilt hatte. Es war der bewegendste Moment, als Mahler ein Gedicht von Johann Hinrich Fehrs, eines der Lieblingsgedichte Heidi Kabels, auf Plattdeutsch vortrug.
Den musikalischen Rahmen bildeten der Chor und das Orchester von St. Michaelis sowie der Kinderchor der Finkwarder Speeldeel, der die humorigen Klassiker "An de Eck steiht 'n Jung mit 'n Tüdelband" und "In Hamburg sagt man tschüss" sang. Ferner erklangen Mozart, Bach und Schumann.
Vor der Kirche wurde die Feier auf einem Großbildschirm übertragen. Dabei fiel die Anteilnahme geringer aus als erwartet. Nur wenige Hamburger hatten sich draußen versammelt, um sich von "Uns Heidi" zu verabschieden. Und auch die für 2500 Menschen Platz bietende Kirche war nur mit rund 1500 Trauergästen gefüllt, was eine Besucherin "erschütterte" und "fassungslos" machte. Gekommen waren etwa die früheren "Tagesschau"-Sprecher Dagmar Berghoff und Wilhelm Wieben, der Regisseur Detlev Buck sowie die Schauspieler Uwe Friedrichsen und Jan Fedder.
Die Beisetzung von Heidi Kabel sollte zu einem späteren Zeitpunkt im engsten Familienkreis stattfinden.
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