Winter kehrt zurück: Bis zu 194 km/h: Orkanböen fegten über Deutschland
zuletzt aktualisiert: 21.01.2005 - 13:30Essen (rpo). Schwere Sturm- und Orkanböen sind in der Nacht zum Freitag über Deutschland hinweggezogen. Nach Angaben des Deutschen Wetterdiensts in Frankfurt am Main waren davon vor allem die Nordseeküste und Süddeutschland betroffen. Andere Regionen hatten mit stundenlangem starken Regenfall zu kämpfen, zahlreiche Keller und Straßen wurden überflutet. Jetzt kehrt der Winter zurück: Schnee und Eisglätte sind angekündigt.
Ausläufer des Sturmtiefs "Ingo" sind in der Nacht zum Freitag über Deutschland hinwegfegt und haben Bäume entwurzelt, Gebäude beschädigt sowie Flüsse über die Ufer treten lassen. Besonders die Nordseeküste und Süddeutschland waren von dem Sturm betroffen, der teilweise Orkanstärke erreichte. Wie der Deutsche Wetterdienst mitteilte, wurde der Spitzenwert mit einer Windgeschwindigkeit von 194 Kilometern in der Stunde auf dem Wendelstein in Bayern gemessen. In Norddeutschland erreichte der Sturm an die 120 Stundenkilometer. In Bayern gab es außerdem einen Wintereinbruch.
In Hamburg wurden mehrere Straßen überflutet. Die Feuerwehr zählte bis zum frühen Morgen 58 wetterbedingte Einsätze. So wurden Planen von Baustellen gerissen, Äste stürzten von den Bäumen, und Dachteile flogen herab. Die Bremer Feuerwehr zählte 17 Sturmeinsätze.
Ein Wintereinbruch mit Sturm, Hagel und Schneefall verursachte in weiten Teilen Bayerns Verkehrsbehinderungen. Umgestürzte Bäume blockierten Straßen, mehrere Nebenstraßen waren am Freitagvormittag noch gesperrt. Auf der Autobahn 3 bei Erlangen stürzte ein Baum gegen Mitternacht auf fünf Fahrzeuge. Verletzt wurde niemand, den Sachschaden bezifferte die Polizei auf 20.000 Euro.
Glück im Unglück hatte ein Autofahrer im fränkischen Schweinfurt, dessen Autodach von einem Ast getroffen wurde. Der Ast habe sich zwischen seinem Rücken und der Lehne in den Sitz gebohrt, der Fahrer sei nur leicht verletzt worden, sagte ein Polizeisprecher.
In Essen rückte die Feuerwehr 19 Mal aus, um vor allem Keller leerzupumpen. "Es war nichts Dramatisches", sagte aber Sprecher Mike Filzen. In Düsseldorf riss der Sturm in der 19. Etage eines Hochhaus-Neubaus einen Teil der Außenfassade los. Eine Glasplatte stürzte auf die Straße, verletzt wurde niemand. Die Umgebung des Hochhauses wurde abgesperrt. Acht Straßenbahn- und mehrere Buslinien wurden mehrere Stunden lang umgeleitet. In der Kölner Innenstadt geriet ein Auto auf nasser Fahrbahn ins Rutschen. Zwei Erwachsene wurden schwer und drei Kinder leicht verletzt.
Sturm und starke Regenfälle führten auch in Hessen und Rheinland-Pfalz zu Verkehrsproblemen. Wie die Polizei berichtete, wurden Straßen überschwemmt und Bäume umgestürzt. Die Flüsse Dill, Lahn und Sieg traten über die Ufer. Größere Schäden wurden zunächst nicht gemeldet. Auch in Thüringen traten mehrere Flüsse über die Ufer, überschwemmten aber nur Flutungsgebiete und Auen.
Zu Wochenbeginn Schnee
Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes wurden vor allem in den Höhenlagen Spitzenwerte des Sturms gemessen, der aber auch im Flachland und in den Städten noch deutlich zu spüren war. So lag auch in München die Windgeschwindigkeit noch bei fast 100 Stundenkilometern. An der Nordsee wurde in St.Peter-Ording mit 119 Kilometern in der Stunde der stärkste Wert registriert.
Am Samstag soll der Wind spürbar nachlassen. In ganz Deutschland fallen Schnee-, Regen- und Graupelschauer bei Temperaturen zwischen einem und sechs Grad. Den Meteorologen zufolge wird es am Sonntag noch kühler. Am Nachmittag ziehen im Nordwesten dicke Wolken auf, die Schnee bringen können und in der Nacht zum Montag nach Süden ziehen. Autofahrer müssen am Montagmorgen mit rutschigen Straßen rechnen.
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