Tennis-Legende kritisiert fehlende Würdigung von Erfolg: Boris Becker vermisst Helden-Verehrung
zuletzt aktualisiert: 26.03.2004 - 12:33Osnabrück (rpo). Wimbledon-Legende Boris Becker wirft den Deutschen einen schlechten Umgang mit ihren Helden vor. Zu Lebzeiten würden die Idole oftmals gar nicht wahrgenommen.
"Das deutsche Volk hat eine besondere Art, mit Heroen umzugehen. Sie werden oft erst richtig wahrgenommen, wenn sie tot sind", beklagte Becker in der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Die Erwartungshaltung an Tennisspieler sei groß: "Wir sind oft zu ungeduldig und bauen in der Öffentlichkeit zu früh zu viel Druck auf." Erfolg werde dabei gar nicht mehr wahrgenommen. Die Finalteilnahme Rainer Schüttlers in Melbourne oder Tommy Haas' Platzierung auf Rang zwei der Weltrangliste seien "schnell wieder vergessen" gewesen.
Als "Promi" lässt sich der 36-Jährige nur ungern bezeichnen: "Promi können Sie abhaken. Promi hat für mich einen negativen Geschmack. Promis sind nur bekannt, weil sie Promis sind. Sie gehen auf jede Kamera zu." Er selbst habe "natürlich Fehler gemacht", räumte Becker ein. Da sei die Öffentlichkeit allerdings auch "mit aller Brutalität drauf gegangen". Andererseits habe er in seinem Leben schon sehr viel Sonne gesehen. "Da darf ich mich nicht beschweren, wenn es mal bewölkt ist."
Trotz starker beruflicher Belastung spielt Becker nach eigenen Angaben auch heute noch 35 bis 40 Matches im Jahr. Im Vergleich zu seiner aktiven Zeit sei er dabei heute nervöser: "Das geht ganz schön in die Magengrube. Das Gefühl ist heute mehr wert als vor zehn Jahren. Es ist immer noch ein überwältigendes Erlebnis, wenn du raus gehst und 12.000 Menschen jubeln dir zu." Manche der alten Rivalen seien ihm in der Zwischenzeit ans Herz gewachsen: So sei Michael Stich mittlerweile ein Freund geworden und selbst Thomas Muster, gegen den er in Monte Carlo "die schmerzvollste Niederlage meiner Karriere erlitten habe", sei heute "ein Spezi".
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