Vor 20 Jahren erschoss der Sport-Idol seine Frau: Bubi Scholz: Das Ende einer großen Box-Karriere
zuletzt aktualisiert: 22.07.2004 - 06:00Düsseldorf (rpo). Gustav alias „Bubi“ Scholz war Ende der fünfziger und Anfang der sechziger Jahre der erfolgreichste und populärste Boxer Deutschlands. Mit dem Europameistertitel im Mittel- und Halbschwergewicht feierte er internationale Erfolge. Nach dem Ende seiner Sportkarriere sorgte das im Jahr 2000 verstorbene Box-Idol mit Alkohol-Exzessen für großen Medienrummel. Die schlimmste Schlagzeile machte er vor zwanzig Jahren, als er am 22. Juli 1984 im Vollrausch seine Frau erschoss.
Gustav Scholz, den alle nur „Bubi“ nannten, wurde am 12.April 1930 in Berlin geboren und wuchs in armen Verhältnissen in einem Ostberliner Arbeiterbezirk auf. Nachdem ihm weder eine Ausbildung als Koch noch als Mechaniker zugesagt hatten, lernte er nach dem zweiten Weltkrieg den Trainer Lado Taubeneck kennen. 1948 begann Bubis sportliche Karriere im Profiboxen und nur drei Jahre später wurde er Deutscher Meister. Der Karriereknick kam 1955, als bei ihm eine offene Tuberkulose diagnostiziert wurde. Nach einem langen Sanatorium-Aufenthalt fing er gegen den Rat seiner Ärzte wieder zu boxen an und kämpfte 1958 um die Europameisterschaft. Willy Brandt, Maria Schell und Scholz’ Freund Harald Juhnke schauten zu, als Bubi sich im Berliner Olympiastadion den Titel holte.
Bubi Scholz wurde zum Idol. Mit seiner Entwicklung vom Arbeiterkind zum 20.000 Mark-Verdiener symbolisierte er die Erfolgsstory des deutschen Wirtschaftswunders. Und Bubis Erfolg ging über den Sport hinaus: strahlender Held unzähliger Parties, Vorzeigeprominenz internationaler Veranstaltungen, Schauspieler im Filmtheater und Schallplattensänger. Er repräsentierte Wohlstand. Mit dem Gewinn der EM im Halbschwergewicht 1964 beendete Scholz seine Karriere als Boxer und gründete eine Werbeagentur und eröffnete zwei Kosmetikgeschäfte.
Die Beherrschung, die Bubi Scholz im Ring ausgezeichnet hatte, konnte er in seinem weiteren Leben jedoch nicht umsetzen. Der "eiserne Gustav " wurde alkoholabhängig, Entziehungskuren und Exzesse säumten seinen Weg. Unzufrieden mit sich und seiner Arbeit stritt sich Scholz immer häufiger mit Ehefrau Helga, mit der er seit 1955 eine kinderlose Ehe führte. Immer wieder kam es zwischen den beiden zu heftigen Auseinandersetzungen, bei denen auch Scheidungsabsichten laut wurden.
Das Drama erreichte seinen Höhe- und Scholz’ Karriere ihren Tiefpunkt, als er Helga am 22. Juli 1984 im Vollrausch erschoss. Scholz zielte mit einem Kleinkalibergewehr auf die Toilettentür in der heimischen Grunewald-Villa, wissend, dass seine Frau gerade in der Toilette war. Er schoss mehrmals durch die Tür und traf seine Jugendliebe unter anderem am Kopf, woraufhin sie verblutete. Am nächsten Tag wurde er unter Mordverdacht festgenommen.
Helga wurde zwei Wochen später beerdigt und die Bestattung gestaltete sich zum Medienereignis. So musste der Pfarrer die Reporter ermahnen: "Wir wollen alle zusammen schweigen und das Fotografieren während der Zeit einstellen." Rund 1.000 Schaulustige waren auf den Friedhof gekommen und die meisten hatten Bubi Scholz bereits verurteilt, ehe ein Gericht den Fall untersucht hatte.
‚Fahrlässige Tötung und unerlaubter Waffenbesitz’, nicht Mord, lautete schließlich der richterliche Befund im Februar 1985. Zwar folgte das Gericht nicht der Version des Angeklagten, der tödliche Schuss hätte sich beim Reinigen des Gewehrs gelöst, aber Scholz wurde eine erheblich verminderte Schuldfähigkeit zugestandenen. Grund war ein psychiatrisches Gutachten, das dem ehemaligen Europameister eine teifgreifende Bewusstseinsstörung bescheinigte. Die Strafe lautete drei Jahre Gefängnis und gegen das milde Urteil gab es vor dem Gerichtsgebäude Demonstrationen. Der Ex-Profiboxer saß nur etwas mehr als zwei Jahre davon ab, aber danach war er ein gebrochener Mann. Er bekam Depressionen und versuchte während der Zeit hinter Gittern zweimal, Selbstmord zu begehen. 1984 war sich die westdeutsche Gesellschaft darüber einig, dass Bubi Scholz ausrepräsentiert hatte.
Nach seiner Entlassung erlitt der ehemalige Boxer mehrere Schlaganfälle und erkrankte an Alzheimer. Am 21. August 2000 starb er im Alter von 70 Jahren in einem Berliner Altersheim. Ein Denkmal schuf ihm schon 1997 Roland Suso Richter mit der Verfilmung seiner Biografie als „Die Bubi-Scholz-Story“. Das zweiteilige Portrait mit Benno Fürmann in der Hauptrolle erhielt 1999 bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises vier Auszeichnungen.
Von Maike Schultz
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