TV-Kritik "Tatort" vom Sonntagabend: Cooler Bösewicht zum Jubiläum
VON CHRISTIAN SIEBEN - zuletzt aktualisiert: 23.08.2010 - 09:35Düsseldorf (RPO). Zum Geburtstag etwas Besonderes: Kommissarin Lena Odenthal bekam es in ihrem 50. "Tatort" mit einem Serienmörder zu tun. Mit "Hauch des Todes" gelang den Machern ein ungewöhnlicher Ludwigshafen-Krimi, in dem der grandiose Bösewicht allen die Show stahl. Was aber letztlich nicht so schwierig war.
Die Schauspieler Ulrike Folkerts und Andreas Hoppe kommen Krimifans inzwischen wie alte Bekannte vor. Und mit denen wird es manchmal etwas langweilig. So gab es auch an diesem Sonntag viel Bekanntes zu sehen. Da wäre die Komissarin, die zu Beginn wie am Ende eines jeden Falls am Rhein joggen geht. Sich in der ersten halben Stunde übereifrig in eine falsche Spur verrennt und zwischendurch ihre Katze streichelt.
Da wäre ihr Kollege, der seit gefühlt 17 Folgen gewissenhaft das wahre Ausmaß des Verbrechens unterschätzt und lieber Gnocci kochen und Rotwein trinken will. Bis cirka um 21.09 Uhr auch bei ihm der Groschen fällt und er seine Chefin in letzter Sekunde rettet. Zwischendurch muss er auf italienisch fluchen und Freundinnen haben, die zum Frühstück im Trikot von Inter Mailand am WG-Tisch sitzen.
So weit, so bekannt. "Hauch des Todes" war dennoch sehenswert. Und das ist vor allem Lars Eidinger zu verdanken. Der 34-jährige Berliner spielt den Serienmörder, der Frauen in Plastikfolie einwickelt und in eine Tauchglocke verschleppte. Zwar wusste man als regelmäßiger "Tatort"-Zuschauer bereits bei seinem ersten Auftritt, dass der scheinbar spießige Disponent der Serienkiller ist.
Wie Eidinger dann aber diabolisch und auf beunruhigende Art amüsant die Kommissare provozierte, war sehenswert. Dass das Drehbuch dabei einige Anleihen bei Klassikern wie "Sieben" oder "Der Rote Drache" von Thomas Harris machte, tat der Spannung keinen Abbruch. Auch das furiose wie beklemmende Finale in der Taucherglocke machte den 50. Lena-Odenthal-Krimi zu einem guten "Tatort".
Für die kommenden Folgen müssten sich die Autoren aber etwas Neues einfallen lassen. Die Charaktere der Protagonisten brauchen frische Aspekte, Herausforderungen, Geschichten. Joggen am Rhein und selbstgemachte Teigwaren werden für die nächsten 50 Ludwighafen-Krimis nicht ausreichen. Auch die Schauspieler Folkerts und Hoppe hätten mehr verdient.
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