Bud Spencer wird 80: Der beliebteste Raufbold aller Zeiten
VON MARK ZELLER - zuletzt aktualisiert: 31.10.2009 - 09:31Düsseldorf (RPO). Schlagkräftig, aber herzensgut – so lieben ihn Millionen von Kinofans in aller Welt. Am 31. Oktober feiert Bud Spencer seinen achtzigsten Geburtstag - der Mann, der die Leinwand-Prügelei hoffähig gemacht hat.
Pilot, Jurist, Modedesigner, Musikproduzent - der Italiener Dr. Carlo Pedersoli ist ein vielseitiger Mensch. Aber weltberühmt wurde das Schwergewicht durch seine Fäuste: als Bud Spencer.
Wenn er die Saloons dieser Welt aufmischte, gab es blaue Flecken für die Halunken und Lachmuskelkater für die Zuschauer. Ob als „Bambi“, „Plattfuß“, „Nilpferd“, „Mücke“, „Jumbo“, „Banana Joe“ oder „Bomber“ - stets verkörperte er den gutmütigen Draufgänger. "Ein Schauspieler hat viele Persönlichkeiten - ich habe nur eine", sagt Bud Spencer, "und die kann niemand besser spielen als ich."
Carlo Pedersoli alias Bud Spencer wurde am 31. Oktober 1929 als Fabrikantensohn im italienischen Neapel geboren. 1960 heiratete er seine Jugendliebe Maria Amato. Er hat drei Kinder und fünf Enkel. 2005 kandidierte er unter seinem bürgerlichen Namen bei den Regionalwahlen für die Partei "Forza Italia". Bislang spielte Bud Spencer in 105 Filmen.
Doch Pedersoli wurde erst verhältnismäßig spät zum allseits beliebten bärtigen Italo-Obelix. Zwar hatte er bereits 1950 im Monumentalfilm „Quo Vadis“ seine erste (Statisten-)Rolle, doch zu Bud Spencer sollte er erst 17 Jahre später werden.
Bis dahin arbeitete er unter anderem als Komponist für eine Plattenfirma, gründete eine TV- Produktionsfirma, nahm als Meister-Schwimmer an zwei Olympischen Spielen teil und promovierte zum Doktor der Rechtswissenschaften. Aber seine überaus kräftige Statur bei einer Größe von über 1, 90 Metern prädestinierte ihn für eine stattliche Film-Figur.
Carlo Pedersoli wird Bud Spencer
Die wurde dann im zarten Alter von fast 38 Jahren in Form von Bud Spencer geboren. Durch seine Heirat mit einer Filmproduzenten-Tochter in die Branche gekommen, bekam das Multitalent 1967 die Hauptrolle im Italo-Western „Gott vergibt...wir beide nie“.
Dort traf Pedersoli auf einen gewissen Mario Girotti - der Beginn einer kongenialen Filmpartnerschaft. Beide italienischen Mimen wählten sich englische Künstlernamen. Girotti wurde zu Terence Hill. Und Pedersoli taufte sein Alter Ego auf die Kombination seines Lieblingsbieres (Budweiser) und seines Lieblingsschauspielers (Spencer Tracy).
War der gemeinsame Start eher noch dem ernsten Fach zuzuordnen, begründeten die beiden ab 1970 ein völlig neuartiges Genre – das der „Hau-Drauf“-Komödie. Der italienische Kameramann und Regisseur Enzo Barboni alias E. B. Clucher konzipierte mit ihnen erstmalig jene Art von Westernparodie, die ihren Witz in erster Linie aus Situationskomik voller flotter Sprüche und Keilereien bezog. Zutaten, mit denen die oft einfach aufgebauten Streifen nie langweilig wurden. Mit „Die rechte und die linke Hand des Teufels“ (1970) und dem Anschlussfilm „Vier Fäuste für ein Hallelujah“ (1972) legte das gleichsam schlagkräftige wie schlagfertige Duo den Grundstein für seinen Weltruhm.
„Doppelbackpfeife“ und „Narkose-Hammer“
Das witzige Hau-Drauf-Modell ließ sich erfolgreich auf die unterschiedlichsten Handlungsstränge übertragen. Und so raufte sich Bud Spencer in der Folgezeit quer über den Globus, ob mit verschiedenen Filmpartnern oder als „Einzelkämpfer“. Besonders berüchtigt wurden dabei seine „beidhändige Doppelbackpfeife“ und der senkrecht auf den Kopf platzierte „5-Sekunden-Narkose-Hammer“ mit der Faust. Großer Zuschauer-Beliebtheit erfreute sich auch die von ihm selbst kreierte „La Bomba“, bei der Bud sich einer großen Anzahl ihn einkreisender Angreifer buchstäblich auf einen Schlag entledigte.
Auch seine Sprüche, wie „Weil ich es so will“ oder „Ich bin mein eigener Arzt“, kennzeichneten seine anarchische Geradeaus-Mentalität. Kurioserweise hatte Bud Spencer dabei verschiedene deutsche Stimmen, da die unterschiedlichen Produktionsfirmen verschiedene Synchronsprecher bevorzugten. Am häufigsten liehen ihm Wolfgang Hess und Arnold Marquis ihre Stimme. Besonders Letzterer prägte mit seinem brummigen Timbre den dickköpfigen aber gutmütigen Charakter der Figur. Spencers Mimik, in der sich Furcht erregende Grimmigkeit in ein vereinnahmendes Lächeln verwandeln konnte, tat das übrige.
Parodistische Note
Diese Mischung in Verbindung mit seiner schier unbändigen Körperkraft machten Bud Spencer zum beliebtesten Raufbold aller Zeiten. Vor allem, weil seine Handgreiflichkeiten im Zweifel immer für das Gute eintraten und bei aller Durchschlagskraft nie brutal waren. Es floss kein Blut und Spencers meist arg gebeutelte Kontrahenten standen nach Niederschlägen immer gleich wieder auf. Das unterschied seine Filme von allen anderen branchenüblichen jener Zeit. Mehr noch: Mit der ausschließlich witzigen Darstellung von Gewalt trieben sie ehrwürdige Westerntugenden parodistisch auf die Spitze.
Anfang 2009 tauchte Bud Spencer wieder in den Kinos auf. In der deutschen Produktion „Mord ist mein Geschäft, Liebling“ spielt er an der Seite von Rick Kavanian und Nora Tschirner. Unterdessen elektrisiert ein in Planung befindliches Projekt seine Fans: Spencer will nochmal gemeinsam mit Terence Hill vor die Kamera - in einer komischen Version von "Dr. Jekyll und Mr. Hyde". Nichts gegen Kavanian und Tschirner, aber ein Bud Spencer gehört nunmal zu den "vier Fäusten"...
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