Was ziehe ich bloß an?: Die schlimmen Styling-Pannen der Promis
VON PIA TERHEYDEN - zuletzt aktualisiert: 22.11.2009 - 19:18Düsseldorf (RP). Thomas Gottschalk gilt in der TV-Branche als modischer Paradiesvogel. Der bekennende Fan von Designerin Vivienne Westwood, die weltweit für ihre unkonventionelle Mode bekannt ist, trägt vor der Kamera wie auch im Privatleben ausgefallene Klamotten - vorzugsweise karierte oder lederne Gehröcke und Cowboy-Stiefel.
Gottschalks Stil ist schräg, farbenfroh, manchmal hart an der Geschmacksgrenze, aber er ist Lichtjahre entfernt vom Einheits-Anzug-Look der Pilawas, Kerners und Co. Seine Frau Thea, die sich selbst sehr extravagant kleidet, gilt als persönliche Stilberaterin des Moderators, andere Stylisten braucht er nicht.
Jede Frau kennt diese Situation - und mancher Mann auch: Man findet nichts Passendes im Kleiderschrank - fürs Büro, fürs Date, für die Party. Prominente haben für solche Momente ihre persönlichen Schönmacher. Stylisten entscheiden für sie über Geschmack und Stil.
In Modefragen unsicher
Dabei ist es in der Branche mittlerweile durchaus üblich, dass Moderatoren von Spezialisten für ihre Auftritte im Studio und auch auf dem roten Teppich beraten und von Modefirmen ausgestattet werden. Der Kölner Fernsehsender RTL leistet sich eine eigene Styling-Abteilung, die nicht nur das Outfit für Frauke Ludowig und Birgit Schrowange auswählt, sondern auch den Kandidaten von "Deutschland sucht den Superstar" bei der Kleider-Wahl für die Show am Samstagabend hilft. Selbst "heute"-Moderatorin Marietta Slomka, die "in Modefragen früher eher unsicher" war, tritt heute nicht ohne den Rat ihrer Stylistin vor die Kamera.
Es ist ein neues Berufsbild, das sich da in den vergangenen Jahren entwickelt hat. Gab es früher Maskenbildner, Friseure und Garderobieren , die die Stars für den großen Auftritt aufgehübscht und bestenfalls deren Kleidung aufgebügelt haben, so genießen die Stylisten von heute durchaus Prominenten-Status. In Amerika sind Typ-Berater wie Rachel Zoe, Patrica Field, Andrea Liebermann und Alycia Belle fester Bestandteil im Leben der Prominenten genauso wie der Psychiater und der Fitness-Coach. Daneben haben die Experten mit dem sicheren Gespür für die passende Mode zum richtigen Anlass eine ungeheure Macht. Denn sie können beiden Seiten zu Ruhm verhelfen: dem Ausstatter (Designer, Juwelier, Taschenhersteller) und dem Star, der in all den Klamotten fabelhaft aussieht und der anschließend damit in TV-Shows und Hochglanz-Magazinen auftaucht. Doch das Spiel hat auch seine Tücken. So machte sich Sängerin Celine Dion bei einer Oscar-Verleihung zum Gespött, als sie die Jacke eines Dolce&Gabana-Anzugs verkehrt herum trug. Und auch die Designer dürften diesen Auftritt als Anti-Werbung verbucht haben.
Mittlerweile haben Modekonzerne eigene Abteilungen gebildet, die sich mit nichts weiterem befassen als dem sogenannten "Celebrity-Dressing", also dem Einkleiden von Prominenten bei Großveranstaltungen wie der Oscar-Verleihung in Los Angeles, den Filmfestspielen in Cannes oder dem Bambi-Event in Berlin. Behalten dürfen die Trägerinnen Kleid, Schuhe, Tasche und Schmuck nicht, dafür hatten sie aber auch keine Kosten -- abgesehen von den bis zu 8000 Euro, die die angesagten Typ-Berater pro Tag verlangen.
Die Hollywood-Stars haben ihre Lieblingsstylisten, mit denen sie vor großen Events aber auch für Alltags-Outfits zusammenarbeiten. Es ist eine Geschäftsbeziehung, die viel Vertrauen voraussetzt und die nicht automatisch erfolgsversprechend ist. So ließ eine Beraterin ihren Vertrag mit Britney Spears platzen, weil sich die Sängerin nicht an deren Vorgaben gehalten hatte. Das Ende der Zusammenarbeit war besiegelt, als Spears auf Platz eins der Liste der "schlecht angezogenen Frauen" landete. Die Expertin fürchtete schlicht um ihren Ruf.
"Stylisten werden heute viel mehr gebraucht als noch vor ein paar Jahren", sagt ein Agent aus London, der Fotografen, Stylisten und Visagisten vermittelt, in einem Interview. Grund sei, dass der Markt immer enger und der Druck immer größer werde. Das gilt für Schauspieler genauso wie für Designer. Marc Jacobs, Tom Ford, Miuccia Prada -- sie alle haben persönliche Geheimagenten, die die Straßen in den Metropolen nach neuen Trends abgrasen. Die Stylisten sind für die Modemacher das Fenster in die normale Welt. Sie beobachten, was die Frauen auf der Straße gerade tragen und was sich gut verkaufen lässt. Daraus ziehen die Kreativen ihre Inspiration für neue Modestrecken.
Die Besten kommen aus London
Die meisten Stylisten sind Frauen, und die Besten kommen aus London. Sie leiten Fotoproduktionen für Hochglanz-Magazine, und sie beraten Kaufhausketten beim Einkauf. Wenn es für die Mode-Berater gut läuft, dann werden sie für die großen Schauen in Paris, Mailand und New York gebucht. Dort müssen sie den Auftritt der Models kontrollieren, sich um die Kleider-Anprobe kümmern und entscheiden, welchen Stil Haare und Make-up haben sollen.
Dass Thomas Gottschalk nicht in der Liga der best-angezogenen Männer mitspielt, dürfte ihm ziemlich egal sein. Der Paradiesvogel weiß, dass ihm immer ein Foto sicher ist.
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