700. "Tatort"-Folge: Die Schöne und das Biest
VON CHRISTIAN SIEBEN - zuletzt aktualisiert: 26.05.2008 - 10:10Leipzig (RPO). Die 700. "Tatort"-Folge am Sonntagabend war etwas Besonderes. Nicht etwa weil der Fall "Todesstrafe" (8,5 Millionen Zuschauer) besonders spannend war. Es ist das Leipziger Ermittler-Duo Martin Wuttke und Simone Thomalla, das Lust auf mehr macht.
"Tatort"-Ermittler stehen gerne in einem besonderen, privaten Verhältnis zueinander. Denken wir an Lena Odentahl und Mario Kopper (Ludwighshafen), die in einer Wohngemeinschaft leben. Oder an die Kölner Kollegen Freddy Schenk und Max Ballauf (Köln), die augenscheinlich ihre gesamte Freizeit gemeinsam am Rhein Würstchen essen. Da mussten sich die Leipziger Kollegen schon etwas einfallen lassen. Und siehe da: Eva Saalfeld und Andreas Keppler waren mal verheiratet und sind jetzt geschieden. Donnerwetter!
Sehen wir mal darüber hinweg, das kein Dienststellenleiter dieser Welt ein geschiedenes Paar eine Abteilung leiten lassen würde. Und ignorieren wir mal, dass Saalfeld ihren Ex-Mann idiotischerweise mit Nachnamen anredet. Denn: Die Konstellation stimmt. Vor allem dank Martin Wuttke.
Der renommierte Theaterschauspieler spielt den wortkargen, schroffen, versessenen, genialen Ermittler (mit leichten Anleihen bei "CSI") Keppler glaubhaft und liebenswert. Mit der verständnisvollen, natürlichen-netten Saalfeld (solide gespielt von Assauer-Gattin Thomalla) bilden die beiden ein erfrischendes Paar mit viel Stoff für interessante Irrungen, Wirrungen. Über allem schweben die Fragen: Wie konnten diese beiden jemals heiraten? Und läuft da vielleicht doch noch was in der Zukunft?
Minus-Punkte gibt es leider für den eigentlichen Fall. Ein schwüles Allerlei aus Kindesmissbrauch, Selbstjustiz und Homosexualität. Ein Themenmix, den uns die ARD gefühlt jeden dritten Sonntag vorsetzt. Spannung:weitgehend Fehlanzeige. Man mag es den Autoren jedoch verzeihen. Gleich zwei Charaktere einzuführen, kostet einfach Drehbuch-Seiten. Und um aufregende Krimis zu erzählen, hat das Team Leipzig ja noch viel Zeit.
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