Frontmann von Depeche Mode hat Blasenkrebs: Ein Leben zwischen Exzess und Ruhm
VON CAROLA SIEDENTOP - zuletzt aktualisiert: 28.05.2009 - 20:03Düsseldorf (RPO). Das Leben von Dave Gahan wirkt wie das Klischee einer Rockstar-Biografie. Der Brite feierte schon in den 80-ern als Sänger von Depeche Mode Welterfolge, trat vor einem Millionenpublikum auf. Dann der Absturz: Selbstmordversuch, Drogenexzesse, Überdosis, Herzstillstand. Doch Gahan schaffte den Entzug. Und der Erfolg kam wieder. Jetzt der neue schwere Schlag: Der 47-Jährige leidet an Blasenkrebs.
Dave Gahan wird operiert, ein bösartiger Tumor muss entfernt werden. Termine für Konzerte in Deutschland sind abgesagt worden, die "Tour of the Universe" wird unterbrochen. Wie es weitergeht, weiß zurzeit wohl niemand. Die Diagnose Blasenkrebs ist ein Schock.
Klinisch tot nach Überdosis
Der Frontmann mit der charismatischen Stimme kennt die dunklen Seiten des Lebens sehr genau. In den frühen 90-er Jahren wurden Gahans Drogenprobleme massiv. Im August 1995 unternimmt er einen Selbstmordversuch und schneidet sich die Pulsadern auf.
Schwere Drogen bestimmen weiterhin sein Leben. Bis zum 28. Mai 1996: der damals 34-Jährige spritzt sich einen Mix aus Kokain und Heroin. "Speedball" wird dies in der Szene zynisch genannt. Sein Herz bleibt stehen, Gahan ist für zwei Minuten klinisch tot. Rettungssanitäter reanimieren den Sänger. Das Leben beginnt für Dave Gahan neu – und es ändert sich: Er absolviert erneut eine Therapie für Drogenabhängige. Und schafft den Ausstieg. Seitdem ist er nach eigener Aussage clean.
Drei Kinder, drei Ehen
Problematisch waren lange Zeit auch die Beziehungen in Gahans Leben. Der 47-Jährige ist in dritter Ehe verheiratet, seit 1999 ist Jennifer die (Ehe-)Frau an seiner Seite. Gahan ist Vater von zwei leiblichen Kindern und adoptierte den Sohn seiner jetzigen Frau. Er selbst wuchs in den 60-er Jahren in schwierigen Verhältnissen in einer Patchwork-Familie auf.
Als er zehn Jahre alt war, starb sein Stiefvater, der sich offenbar sehr um die Kinder gekümmert hatte. Gahan soll als Jugendlicher auf die schiefe Bahn geraten sein. Nach Beendigung der Schule und diversen Nebenjobs absolvierte er das Southend Art College, eine Kunsthochschule.
1979 war die Geburtsstunde von Depeche Mode: Die drei Schulfreunde Martin Gore, Andrew Fletcher und Vince Clarke gründeten die Band "Composition of Sound" und spielten elektronische Musik. Ein Jahr später stieß Dave Gahan dazu. Als neuen Bandnamen schlägt er den Titel eines französischen Modemagazins vor: Depeche Mode. Mit diesem Namen schreibt die Band Musikgeschichte.
Schon im Jahr 1988 ein früher Höhepunkt
Ein Höhepunkt ihrer Karriere war 1988, als die Musiker im kalifornischen Pasadena im "Rose Bowl Stadion" vor über 80.000 Fans spielten. Das hatten zuvor nur Pink Floyd und die Rolling Stones geschafft. Zwei Jahre später nehmen sie das Album "Violator" auf. Mit mehr als sieben Millionen verkauften Exemplaren ist es das bisher erfolgreichste Album der Band.
2003 veröffentlicht Gahan sein erstes Solo-Debüt, es heißt "Paper Monsters". Hatte er es zuvor immer abgelehnt, auch bei Depeche Mode eigene Songs beizusteuern, wird er nun auch für die Band kreativ. Im April 2008 wird "Sounds of the Universe" veröffentlicht. Es folgte ihre Tour durch Nordamerika und Europa. Sie ist eigentlich bis September diesen Jahres geplant. Aber die Krebs-Diagnose kam dazwischen.
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