Gloria Gaynor zog alle in ihren Bann: Frankfurter Opernball: Es wurde gefeiert wie selten
zuletzt aktualisiert: 27.02.2005 - 09:33Frankfurt/Main (rpo). Es sah so aus, als stünde der diesjährige Opernball in Frankfurt am Main unter keinem guten Stern. Bundespräsident Horst Köhler übernahm zwar erstmals die Schirmherrschaft, musste seine Teilnahme dann aber doch wegen einer anderen Verpflichtung absagen. Auch andere prominente Gäste mussten kurzfristig absagen. Und doch wurde der Opernball ein voller Erfolg.
Eine ganze Reihe weiterer Gäste waren am Samstag kurzfristig wegen Grippe verhindert und konnten wie auch Bundespräsident Horst Köhler nicht dabei sein: Von Finanzminister Hans Eichel über des Fußball-Kaisers Exfrau Sybille Beckenbauer bis zu Schlagerkomponist Ralf Siegel. Und dann noch die Demonstration mit Ausschreitungen und Festnahmen unmittelbar vor Beginn des Balls am Samstagabend in der Alten Oper.
Doch erstens bekamen die meisten Ballbesucher von den Zwischenfällen gar nichts mit, und zweitens war spätestens dann noch der letzte Anflug von Zweifel an einem gelungenen Abend verflogen, als Gloria Gaynor um 22.30 Uhr auf die Bühne kam. Eine gute Stunde lang zog die ungekrönte Disco-Queen der 70er Jahre mit ihrer ungeschmälert furiosen Soul- und Funk-Stimme alle in ihren Bann. Die heute 55-Jährige zeigte mit alten und neuen Songs, was sie noch drauf hat und brachte das ganze Haus zum Mitswingen, Mitsingen und Tanzen. Ballveranstalter Manfred Pasenau wusste, warum er diesmal keine Sitzkissen verteilen ließ, mit denen bei allen Stargast-Auftritten früherer Bälle die Smokings und feinen Abendkleider geschont wurden, wenn sich die Ballgäste auf dem blanken Parkett niederließen.
Bei "I Am What I Am", "Reach Out" oder "I Will Survive" lässt sich niemand nieder, um andächtig zuzuhören: Vom Lufhansa-Personalchef über den Privatbankier, den Musical-Stars bis hin zum Politiker wollte keiner abseits stehen: So gut wie alle machten mit und verwandelten den ehrwürdigen großen Saal des Konzert- und Kongresshauses in der City in eine riesige Disco. Am Ende ihres reichlich mit Zugaben bedachten Auftritts kam Popstar Chris de Burgh auf die Bühne, um Gloria Gaynor Blumen zu überreichen und ihr - teilweise auf Knien - noch ein Ständchen zu bringen. Da die Amerikanerin eine rote Bluse trug, konnte der irische Barde dabei auch akkurat ein paar Takte aus seinem Welthit "Lady in Red" mit unterbringen.
Dabei sollte Chris de Burgh eigentlich als ganz normaler Ballgast auf dem Parkett bleiben. Kam er doch vor allem als Vater seiner ganz offiziell zur schönsten Frau der Welt gekürten Tochter Rosanna Davison mit nach Frankfurt. Die amtierende Miss World führte nämlich diesmal durchs Programm des Opernballs, und der stolze Vater klatschte nicht zufällig begeistert Beifall, als die junge Dame zu Beginn des Abends die Ballbesucher mit ein paar Worten auf Deutsch begrüßte. Schließlich hatte sie ihr der in Deutschland schon unzählige Male aufgetretene Chris de Burgh selber aufgeschrieben.
Es war auch kein Zufall, dass Organisator Pasenau die beiden Iren am Tisch vis-a-vis vom hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch platzierte. Dessen Ehefrau Anke ist ausgewiesener Fan Chris de Burghs. Ob aus dieser Begegnung eine Freundschaft wird, ist eine andere Frage, aber auch so etwas kann sich ergeben. Fernsehärztin Antje-Katrin Kühnemann hatte vor drei Jahren auf dem Opernball Geraldine Chaplin kennen gelernt, und am Samstag brachte die im bauchnabelfreien Versace-Kleid erschienene Medizinerin ihre weltbekannte Freundin dazu, schon zum dritten Mal in Folge den Ball zu besuchen.
Scharpings Frau mit Leuchtstäbchen im Haar
Zu den Stammgästen des Opernballs seit vielen Jahren gehört auch Dunja Rajter, die diesmal aber noch einen besonderen Grund zur Freude hatte: Schließlich hat die Exfrau von Les Humphries die deutschen Gesangsrechte an "I will Survive" und genoss daher erst recht, einmal wieder das Original von Gloria Gaynor zu hören. Und bei deren Auftritt steckte sich die mit Ehemann Rudolf Scharping erschienene Kristina Gräfin Pilati die eigentlich zum Winken gedachten Leuchtstäbchen schelmisch ins Haar.
Dass am Vorabend der Oscar-Verleihung weniger internationale Stars kamen als früher, tat der Stimmung auf dem erstmals als "Deutscher Opernball" firmierenden Event keinen Abbruch. Und es brachte im Blitzlichtgewitter der Fotografen anderen Promis nur umso mehr Aufmerksamkeit: etwa Schauspielerin Gudrun Landgrebe, dem nach wie vor jedem gesellschaftlichen Ereignis Glanz verleihenden Schweizer Exbotschafter Thomas Borer mit seiner texanischen Frau Shawne Fielding, FDP-Fraktionschef Wolfgang Gerhardt, dem auch nach dem Rücktritt als CDU-Generalsekretär erschienenen Laurenz Meyer, Fernsehmoderatorin Arabella Kiesbauer, Ex-No-Angel Jessi, Volksmusiker Hansi Hinterseer oder einer Frau, die jeder Frankfurter von Plakaten kennt: das 17-jährige Model Vanessa Hessler alias "Alice" aus Rom, die seit Wochen spektakulär für ein Mobilfunkunternehmen wirbt.
Erstmals fand der Opernball am Samstag ohne die traditionelle Tombola statt. Dafür gingen die Firmenspenden diesmal ohne Umweg und in bar an die "Special Olympics" geistig behinderter Sportler.
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